Schinznach-Dorf
Hier speisten schon Cancellara, Peach Weber oder der FCZ: Im «Bären» geht eine Ära zu Ende

Am 28. Januar geht im «Bären» Schinznach-Dorf eine Ära zu Ende: Ursula und Fritz Amsler gehen in Pension. Im «Bären» haben hin und wieder auch illustre Gäste gespeist.

Janine Müller
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Ursula und Fritz Amsler haben den Kontakt mit den Menschen geschätzt. Damit sie diesen weiterhin haben, bleiben sie im Dorf wohnen.

Ursula und Fritz Amsler haben den Kontakt mit den Menschen geschätzt. Damit sie diesen weiterhin haben, bleiben sie im Dorf wohnen.

Sandra Ardizzone

In der Gaststube sitzen ein paar Männer am Stammtisch und jassen. Fritz Amsler hat in der Küche zu tun. Es ist ein Tag wie jeder andere im Restaurant «Bären» – und doch ist alles anders. Für die Inhaber Ursula (61) und Fritz Amsler (66) sind es nämlich die letzten Tage als Wirtepaar.

Am 28. Januar ist Schluss, sie gehen nach über 37 Jahren im «Bären» in Pension. Die Liegenschaft ist verkauft, die Nachfolge bestimmt. Mit Kärtchen auf den Tischen weisen Amslers ihre Gäste auf die Veränderung hin.

Es sind emotionale Tage für das Ehepaar. «Viele Gäste kommen nochmals vorbei, sagen, dass es jetzt wohl das letzte Mal gewesen sei», sagt Fritz Amsler. Entsprechend gemischt ist die Gefühlslage bei den beiden. «Wehmut, Erleichterung und Vorfreude auf das, was nachher kommt, sind zu gleichen Teilen da», sagt Ursula Amsler. Dazu kommt der Stress. Die Wohnung über dem Restaurant muss nach über 37 Jahren geräumt werden, der Restaurantbetrieb läuft dennoch weiter.

Mit der Pensionierung von Fritz und Ursula Amsler geht im Dorf eine Gastronomie-Ära zu Ende. Das Wirtepaar hat den «Bären» in vierter Generation geführt. Fritz Amsler übernahm im Alter von 29 Jahren den Betrieb. «Damals gab es für mich nichts Anderes», meint er, bereut den Entscheid aber keinesfalls. Viel zu sehr schätzte er den Kontakt mit den Menschen.

Wenn die beiden jetzt so zurückschauen, hätten sie möglicherweise das eine oder andere anders gemacht. «Vielleicht hätten wir mehr Mitarbeiter einstellen und den Mut haben sollen, mehr abzugeben», meinen Amslers. Eine bewusste Entscheidung hingegen war, dass sie in all den Jahren des Restaurants- und Hotelbetriebs nicht einen dritten Stern anstrebten, weil sie dafür hätten investieren müssen und so die Preise erneut angestiegen wären. «Aber das wollten wir nicht», sagte Fritz Amsler einst in einem AZ-Interview.

Poulet für die Fussballer

Die Geschichte des «Bären» mitgeprägt hätten die Mitarbeiterinnen, aber auch die Gäste, sagte der Inhaber vor gut zwei Jahren an der Feier zu seinem 35-Jahre-Jubiläum. «Viele Familien kommen schon in dritter Generation zu uns. Wir haben einige durchs ganze Leben begleiten dürfen, von der Taufe bis zur Konfirmation oder Firmung, von der Verlobung bis zur Hochzeit oder auch gar bis zur Beerdigung.»

Im «Bären» haben hin und wieder auch illustre Gäste gespeist. Darunter der ehemalige Profiradfahrer Fabian Cancellara, Politgrössen wie Christine Egerszegi, Philipp Müller oder gar der Gesamtregierungsrat des Kantons Aargau. Zu Gast waren auch die Showgrössen Monika Kaelin und Fritz Künzli, Peach Weber oder Beni Rehmann.

Ein besonderes Erlebnis war für «Bäre»-Fritz aber jeweils, wenn «sein» FC Zürich zu Besuch war. Es gab Jahre, in denen der FCZ beispielsweise vor den Spielen gegen den FC Aarau Halt machte in Schinznach-Dorf, um im «Bären» zu essen und Mittagsruhe zu halten. Oder die Fussballer kamen zum Essen, wenn sie sich in der Zwischensaison im Thermalbad in Schinznach-Bad erholten.

«Die haben natürlich nach leichter Kost gefragt», sagt Fritz Amsler. «Häufig gabs Poulet.» Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm auch der Besuch vom damaligen Aargauer Landammann Urs Hofmann an der Jubiläums-Feier. «Dass er tatsächlich kommt, damit hätte ich nicht gerechnet.»

Skiferien sind gebucht

Das 35-Jahre-Jubiläum war allerdings auch der Moment, in dem Fritz Amsler einsehen musste, dass er mit seinem Einsatz zurückschrauben muss. Gesundheitliche Probleme machten ihm zu schaffen. In der Folge reduzierte das Wirtepaar die Öffnungszeiten und gönnte sich sechs Wochen Ferien im Jahr.

Am 28. Januar nun ist «Uustrinkete» im «Bären» ab 16 Uhr. Für musikalische Begleitung ist mit Akkordeonist «Meiri» gesorgt. In den Tagen danach wird das Restaurant geputzt, die übrige Ware weggebracht und das Administrative erledigt. Räumen müssen Amslers nicht, die Nachfolger werden die Einrichtung so übernehmen. «Dass wir einen Nachfolger gefunden haben, ist ein Glücksfall», sagt Fritz Amsler. «Es ist schon fast wie bei den Hausärzten. Viele junge Menschen können einerseits wegen der Finanzen kein eigenes Restaurant kaufen, andere wiederum scheuen sich vor der Verantwortung und den langen Präsenzzeiten.»

Sind die Arbeiten erledigt, können sich Fritz und Ursula Amsler dem Ruhestand widmen. Die Skiferien in St. Moritz, wo einer ihrer Söhne ein Hotel führt, sind gebucht. Auch ihren Sohn in Australien wollen sie möglichst bald besuchen.

Er kocht, sie putzt

Amslers haben im Dorf – das war ihnen enorm wichtig – eine Eigentumswohnung gefunden, die allerdings noch in Bau ist und erst im Juli fertig wird. Eine Übergangslösung ist vorhanden, der Aufwand, zweimal umzuziehen, bleibt aber.

Die Zukunft des «Bären»

Der «Bären» befand sich seit 1876 im Familienbesitz. Amslers haben den «Bären» nun per 31. Januar 2018 an Harry Naef und Pasquale Ferrara vom «alten Landgericht» in Lenzburg verkauft. «Es dürfte mediterran werden», sagte Harry Naef gegenüber der Regionalzeitung «Regional» zur künftigen Speisekarte.

«Wichtig ist uns, dass die Geschichte des ‹Bären› als wichtiges Zentrum im Dorf fortgeschrieben wird.» Ab 24. Februar wird das neue «Bären»-Team den Gasthof wieder öffnen. (jam)

Den Umzug nutzen sie, um sich endlich auch neue Möbel zu leisten. «Das war schon lange nötig», meint Ursula Amsler und lächelt. «Aber solange wir nicht wussten, wie es mit dem ‹Bären› weitergeht, wollten wir keine Neuanschaffungen machen.» Die Aufgabenteilung für zu Hause ist übrigens auch schon länger geklärt: Fritz Amsler wird fürs Kochen zuständig sein, das habe er von sich aus vorgeschlagen, sagt seine Ehefrau. «Dafür bin ich vom Bügeln und Staubsaugen befreit», sagt er und lacht.

Und natürlich wollen sie hin und wieder im «Bären» vorbeigehen. Ein grosser Wunsch der beiden: dass die Gäste auch den neuen Besitzern die Stange halten. «Es wird sicher anders werden», sagt Fritz Amsler. «Den Leuten im Dorf muss bewusst sein, dass es nicht so weitergeht, wie es bis anhin war, sondern dass es ein Neustart ist. Ich habe aber ein sehr gutes Gefühl dabei.»