Stempel, Blüten- und Staubblätter, vergrössert und ganz genau erkennbar: Makroaufnahmen von Blumenblüten, das stellt Ruth-Elisabeth Baur auf ihren Bildern dar. Doch statt mit dem Fotoapparat fängt die Brugger Künstlerin die Details der Natur mit dem Farbstift ein. Im Kontrast zu den bunten Blütenbildern, doch genauso symmetrisch, hängen die weissen Reliefs von Ursula Baumberger. Ab Morgen, 6. Juni, stellen die beiden Künstlerinnen zum ersten Mal gemeinsam im Kupperhaus in Brugg aus.

Während Ursula Baumberger mit Karton, Leintuchstoff und weisser Farbe dreidimensionale Bilder erstellt, beschäftigt sich Ruth-Elisabeth Baur mit der Botanik. «Mich fasziniert die Symmetrie der Natur», so Baur. Inspiriert wurde die 69-Jährige von den Pflanzenfotografien des deutschen Fotografen Karl Blossfeldt. «Ich wollte solche Nahaufnahmen von Pflanzen zeichnen.»

Von Pilzen zu römischen Stätten

Bereits als Kind hat Ruth-Elisabeth Baur gerne gezeichnet und Blumen gesammelt. In ihrer Jugend malte die gebürtige Thurgauerin dann akribisch genau die Pilze, die ihr Vater gesammelt hatte, nach.

Trotz ihrer Begabung für die bildende Kunst wollte Baur damals Lehrerin werden. «Doch ich war zu jung für das Seminar. Da haben mir meine Eltern empfohlen, den gestalterischen Vorkurs zu machen.» Baur folgte der Idee und schnell war klar: In der Kunst ist Ruth-Elisabeth Baur zu Hause. Mit ihrer Passion für die Natur bewarb sie sich danach an der Kunsthochschule in Zürich und absolvierte die Ausbildung zur wissenschaftlichen Zeichnerin.

Dort entdeckte Baur dann ihre zweite Leidenschaft: die Archäologie. «Eigentlich wollte ich ja in die Botanik, doch nach meinem ersten Praktikum auf einer Grabungsstätte hat es mir den Ärmel reingenommen», sagt Baur und lächelt. So sind auch die Römer der Grund, wieso sie nach Brugg gezogen ist: Nach der Ausbildung arbeitete Baur die ersten Jahre auf den archäologischen Stätten der Prophetenstadt. Danach machte sie sich für eine Weile selbstständig, bis sie schliesslich eine Stelle bei der Kantonsarchäologie Schaffhausen fand, wo sie bis zur Pension blieb.

Erst in ihrer Zeit beim Kanton entdeckte Baur ihre Faszination für die Natur wieder: Nach der Arbeit legte sie den Stift nicht mehr zur Seite, sondern malte zu Hause weiter. Ist ihr das viele Zeichnen nie verleidet? «Nein überhaupt nicht», sagt Baur und fügt an: «In der Archäologie habe ich viel mit Tusch gearbeitet und daheim konnte ich mit bunten Farben experimentieren.»

Allerdings sei ihr während der Arbeitszeit nicht immer allzu viel Zeit für die eigene Malerei geblieben. Erst nach ihrer Pension konnte sie sich vertieft mit ihrem Sujet, den Blumen, auseinandersetzten. Dabei interessiert sich die Künstlerin nicht für grosse Blumen, sondern für kleine, unauffällige Blüten. «Ich male am liebsten die Pflanzen, die für andere Unkraut sind. Also Blumen, die aus Asphaltritzen wachsen», so Baur. Auf ihren Bildern zeigt sich, was sonst keinem auffällt.

Genauer als die Experten

Ihr Konzept stösst auf Interesse; immer wieder kann die Brugger Künstlerin ihre Werke ausstellen und verkauft auch regelmässig Bilder. Sogar Botaniker seien von ihrer Arbeit angetan: «Einige haben mir schon gesagt, dass sie die Blüten, die ich detailliert abgebildet habe, noch gar nie so genau betrachtet haben.» Trotz ihrem Erfolg ist es erst das zweite Mal, dass Ruth-Elisabeth Baur in Brugg ausstellt. Dass sie nun gemeinsam mit Ursula Baumberger ihre Werke präsentiert, ist dem Brugger Fotografen Peter Munz zu verdanken: Er hat die beiden zusammengeführt.

Gekannt haben sich beiden Künstlerinnen zuvor nur flüchtig. Dabei ergänzen sich die Werke der beiden Frauen für eine Präsentation perfekt: Während die weissen Reliefs von Baumberger im Licht hängen müssen, kommen die Blütenbilder von Baur eher im Schatten zur Geltung. Während der Ausstellungszeit werden die beiden Künstlerinnen auch Einblick in ihr Schaffen gewähren und den Besuchern in einem Gespräch Rede und Antwort stehen. Baur: «Es wird sicher eine kontrastreiche und interessante Ausstellung.»

Kunstausstellung Kupperhaus vom 7. bis 23. Juni; Vernissage Donnerstag, 6. Juni, 19 Uhr; Künstlergespräch Sonntag, 16. Juni, 11 bis 17 Uhr.