Schinznach

Hier kommen Lok-Fans voll auf ihre Kosten – dafür reisen sie aus bis zu 600 km Entfernung an

Bahnbetrieb auf 600 und 45 Millimeter gab es am Wochenende auf dem Areal des Gartencenters Zulauf in Schinznach zu bestaunen.

Viele verbinden Modelleisenbahnen mit der klassischen Spur H0 im Massstab 1:87. Beim Grossbahnfest aber, nomen est omen, ist mit dem Massstab 1:22,5 alles eine Spur grösser. Hier liegen die Schienenstränge 45 Millimeter auseinander, und die Geleise sind in aller Regel im Freien, wetterfest als Gartenbahn verlegt.

Lokomotiven können auch mal sieben Kilo auf die Waage bringen. So wie die, die Bernhard Schindler aus Laufenburg-Sulz mitgebracht hat, beruflich an der FHNW Windisch tätig und zuhause stolzer Besitzer einer Gartenbahn namens Serenity. «Ich komme ursprünglich auch von H0, bin dann aber auf 45 Millimeter umgestiegen, weil das näher am Original ist und man als Gartenbahnbesitzer an der frischen Luft sein kann, statt im Keller zu sitzen», berichtet er.

Nicht nur die grossen Loks sorgen für Begeisterung: Eine Modelleisenbahn in Aktion

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Entfernung spielt für echte Fans keine Rolle

Das Grossbahnfest hat 45 Aussteller aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und den Niederlanden nach Schinznach geführt. Damit ist es für Stefan Treier, im Vorstand der Organisatoren für Kommunikation zuständig, ein voller Erfolg. Der Filmjournalist, der seit kurzem in Effingen im Fricktal wohnt, besitzt privat auch eine Gartenbahn. «Noch ist die in den Umzugskisten», erzählt er. Doch bald schon wird sie ihre Runden drehen – jetzt mit noch mehr Platz im Garten des Eigenheims der Familie Treier. Am Grossbahnfest ist er auf einen Bastler aus Sachsen aufmerksam geworden. Diesem will er einen Lokschuppen abkaufen – Gebäude Nummer 1 der neuen Anlage.

Für Gartenbahn-Enthusiasten spielen Entfernungen keine Rolle. Wenn sich die Community versammelt, wie in Schinznach, sind 600 Kilometer nicht zu weit. Das beweist Ottmar Görgen aus Schwelm bei Köln. Einen solchen Freak im positiven Sinne hat auch Treier noch nicht erlebt. Görgen hat in eine Modelllok der Rhätischen Bahn einen Dieselmotor eingebaut. Seine Dampflok Marke Eigenbau wird tatsächlich mit Dampf angetrieben, nicht mit einem Elektromotor wie sonst üblich. Eine Gasflamme heizt das Wasser im Kessel auf. «Ich habe vier Jahre daran gearbeitet und brauche noch ein weiteres, bis alles fertig ist», so der Hobbybastler. Authentizität ist für ihn oberstes Gebot.

Seit 1988 treffen sich die Freunde der Gartenbahnen der Firma LPG. Inzwischen haben sie so viele Module gebaut, dass diese zusammengesetzt in Schinznach flächenmässig die grösste Anlage bilden. Stets umlagert, sind die voll digitalisierten Züge Blickfang der zahlreichen Besucher. Was auch für die Anlage des Vereins US G-Scale Friends gilt, wo Nachbildungen der besonders bulligen US-Dampfloks ihre Runden drehen. «Die waren den ganzen Freitag am Aufbauen», hat Treier beobachtet.

Hier dampfts und pfeifts: Auf Fahrt mit einem Zug der Schinznacher Baumschulbahn

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Drei Dampfrösser gaben ein Pfeifkonzert

Beeindruckend war, dass die grossen Dampfrösser der Schinznacher Baumschulbahn mitten durch die Ausstellungshalle schnauften. Der traditionelle Mehrzugbetrieb des Vereins war ohnehin am Wochenende geplant. Schon früh reifte der Gedanke, die Events zu koppeln. Bis 17 Uhr bummelten die Züge am Wochenende durch das Zulauf-Areal, mit der «Pinus», der «Lukas» und der «Sequoia» an der Spitze. Zur Freude aller wurden die drei Dampfloks gekoppelt, um den Zug mit noch mehr Pferdestärken durchs Areal zu ziehen. Und um ein ordentliches Pfeifkonzert zu veranstalten.

Grossbahnfest: Schinznach im Modellbahn-Fieber

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45 Aussteller aus fünf Ländern präsentieren ihre mit viel Liebe gebauten Modelleisenbahnen und bringen damit rund 3'000 Besucher zum Staunen.

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