Früher stand der Bahnhof Brugg auf Windischer Boden. Die Brugger Abendrennen im Schachen hingegen finden weiterhin auf Windischer Boden statt. Und wer zu Fuss von Windisch nach Brugg will, muss sich durch eine der unattraktiven Unterführungen hindurchschlängeln. Das Gleiche würde natürlich auch für Brugger gelten, die nach Windisch wollen. Aber wollen die da wirklich hin?

Wie auch immer. Wer die Aufführung des grenzübergreifenden Theaterprojekts «Heimat 52» im Brugger Kulturhaus Odeon besucht, wird während der «belebten Pause» von mehreren Mitwirkenden durch das sogenannte Mausloch zum Lichthof im Hallerbau nach Windisch geleitet. Es ist das erste Mal, dass Adrian Meyer, künstlerischer Leiter und Regisseur, ein Stück geschrieben hat, das in zwei voneinander entfernten Lokalitäten aufgeführt wird. Dafür haben er und sein Team keinen Aufwand gescheut.

Nach Sticheleien: Brugger lachen die armen Windischer aus

Unter dem Titel «Es war einmal . . .» ist es Bühnenbildnerin Jacqueline Weiss gelungen, zwei Chöre, zwei Conférenciers sowie ein Orchester auf der kleinen «Odeon»-Bühne anzuordnen und für die Zuschauer dennoch die Sicht auf die Leinwand freizuhalten. In einer geschickten Kombination von Film, Text und Musik werden alte und neuere Querelen zwischen Bruggern und Windischern kurzweilig und humorvoll thematisiert – andauernde Sticheleien inklusive.

So erfahren die Zuschauer etwa, dass zwecks besseren Verständnisses die Gemeinden ein Austauschjahr einführten: Brugger Kinder mussten ein Jahr in einer Windischer Familie leben und umgekehrt. Wie der Film zeigt, war das für die jeweiligen Kinder ein Kulturschock. Wiederholt machen sich Brugger über die vermeintlich armen Windischer lustig. Eine Annäherung scheint schwierig: Weder die Abendrennen noch das Stadtfest lassen sich gemeinsam organisieren.

Mehr noch: Als die beiden Gemeindepräsidentinnen vorschlagen, das Jugendfest gemeinsam durchzuführen, gibt es Spott, Häme und faule Tomaten. Das «Gerangel» im Kulturhaus Odeon endet abrupt, als Studenten der Fachhochschule Erdstrahlungen messen, die weit über der Toleranzgrenze liegen. Die Leute werden evakuiert – respektive von der Vergangenheit in die Zukunft katapultiert.

Wer sich von alter Heimat nicht lösen kann, muss in Therapie

Beim Eingang zum Hallerbau werden die Zuschauer zuerst durch eine Therapiedusche geschleust, bevor sie im Lichthof auf einem Drehstuhl Platz nehmen können. In der Zone 52, die in Rekordzeit gebaut wurde, läuft das Programm Neuland, wo für die Bevölkerung aus der Region Brugg-Windisch alles optimiert wird und nachhaltig sein soll. «Die Durchmischung ist Programm», sagt Dep B, der Chef-Stellvertreter des zuständigen Departements.

Wer sich noch nicht von der alten Heimat lösen kann, wird im Lichthof therapiert. Dabei kommt es zu Rivalitäten zwischen einer Psychologin und einem Neurologen. Sind Experimente am Menschen zugelassen? Was ist mit denen, die als untherapierbar gelten?

Mehr Informationen zu allen 14 Aufführungen finden Sie hier.