Als er im letzten Dezember eher beiläufig gefragt wurde, ob er denn Interesse hätte, übernahm Martin Eerhard die Leitung des Schiesskellers in Schinznach-Dorf. Zu diesem Zeitpunkt war die Anlage in einem nicht wünschenswerten Zustand. «Dadurch hat wohl auch die Sicherheit gelitten», meint der hauptberufliche Sicherheitschef des Badener Casinos. Kurzerhand entschloss sich der gebürtige Argentinier, in den Schiesskeller zu investieren und ihn «in neuem Glanz erstrahlen zu lassen». Der Tag der offenen Tür am Sonntag bietet ihm nun die Gelegenheit, Anwohner und frühere Kunden auf die neu renovierte Schiessanlage aufmerksam zu machen.

Bitterer Alltag in Argentinien

«Ich mag das Schiessen. Allerdings erst seitdem ich in der Schweiz lebe», erklärt Eerhard, der zuvor für die Kriminalpolizei in Argentinien tätig war. Dort habe er die Waffe viel öfter ziehen müssen, als ihm das lieb war. «In Argentinien werden Polizisten oft als Feinde der Bevölkerung angesehen. Wir haben bei den Einsätzen damals stets mit dem schlimmsten gerechnet», meint er und fügt an: «Natürlich habe ich damals schon einige Male geschossen – allerdings bestimmt nicht aus Freude, sondern aus bitterem Ernst.» Eben deshalb habe die Sicherheit in seinem Schiesskeller auch höchste Priorität: «Ich spiele immer mit offenen Karten, wenn es um Sicherheit geht.»

Sicherheit geht vor

Ohnehin ist der Schiesssport aufgrund diverser globaler Zwischenfälle ein durchaus heikles Thema, das nicht allen geheuer ist. Ein Security-Officer, ununterbrochene Aufsicht des jeweiligen Schützen und Kameras, die Einblick in jeden Winkel des Schiessareals gewähren, sollen bei der «Swiss Shooting Range» kompromisslose Sicherheit gewährleisten und somit auch mehr Kunden locken. Es ist eine Gratwanderung: «Zum einen will man den Kunden nicht zu sehr stören, andererseits hat die Sicherheit nun einmal Vorrang. Doch die Leute akzeptieren das meistens.» Die Waffe in die Hand nehmen dürfe zwar jeder, der nicht aus dem Waffengesetz ausgeschlossen ist, dennoch kann Martin Eerhard gewisse Kunden nach persönlichem Ermessen ausschliessen: «Wenn der Kunde einen Termin bucht, achte ich während des persönlichen Gesprächs noch zusätzlich auf auffällige Verhaltensmerkmale. Wenn ich mir nicht ganz sicher bin, lasse ich die Person nicht schiessen.» Zusätzlich darf – ausser bei Gruppenbuchungen – nur jeweils eine Person in das Schiessareal, in dem man sich dafür aber – anders als beim Schiessstand – frei bewegen kann. Sicherheitsmassnahmen wie diese ermöglichen im Schiesskeller zudem auch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Handfeuerwaffen, die vom Schiesskeller-Besitzer zum Verleih angeboten werden.

«Es ist jeder willkommen», lädt Eerhard ein. Um 14 Uhr beginnt der dreistündige Anlass, bei dem die Besucher zwar für einmal keinen Abzug einer Waffe betätigen dürfen, stattdessen aber eine Vorführung des Schiessvereins «Praktischer Combat-Club Shooting», kurz PCS, präsentiert wird. Neben dessen 30-Jahr-Jubiläum steht vor allem auch der offene Dialog mit der Bevölkerung im Zentrum.

Tag der offenen Tür Sonntag, 6. September, 14 bis 17 Uhr, Veltheimerstrasse 2, Schinznach-Dorf