Brugg
Heute wagen auch Männer den Gang ins Kosmetikstudio

Seit 30 Jahren führt Andrea Neubauer ein Kosmetikinstitut in Brugg. In dieser Zeit hat sich viel verändert, heute ist auch bei Männern das Bedürfnis nach Hautpflege zum Alltag geworden.

Michael Hunziker
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So wirds gemacht: Ihr Wissen gibt Andrea Neubauer (Mitte) an Lernende und Praktikantinnen weiter; hier (von links) Beatrice Bolliger, Sarah Haas und (liegend)Michelle Napoli. Es fehlt Rebecca Brotschi. mhu

So wirds gemacht: Ihr Wissen gibt Andrea Neubauer (Mitte) an Lernende und Praktikantinnen weiter; hier (von links) Beatrice Bolliger, Sarah Haas und (liegend)Michelle Napoli. Es fehlt Rebecca Brotschi. mhu

Michael Hunziker

Ein feiner, süsser Duft liegt in der Luft, ins Auge fallen die Möbel aus Holz, die liebevoll arrangierten Pflanzen sowie – vor allem – die Regale mit den unzähligen Schachteln, Fläschchen und Töpfchen. Mit einem strahlenden Lachen empfängt Geschäftsführerin und -inhaberin Andrea Neubauer den Besucher in ihrem Kosmetikinstitut «Bodyline medizinische Kosmetik» in Brugg. Wichtig sei ihr, dass sich die Kunden wohlfühlen und Ruhe finden, sagt sie.

Kosmetikstudios kommen und gehen, Andrea Neubauer aber kann ihr 30-Jahr-Jubiläum feiern. «Ich mache diese Arbeit aus Berufung», antwortet sie auf die Frage nach ihrem Erfolgsgeheimnis und ergänzt: «Ich habe die Menschen einfach gerne.» In ihrem Geschäft, fährt sie fort, stecken sehr viele Emotionen und sehr viel Herzblut. 30 Jahre seien auch ein Leistungsausweis und ein Zeichen für Kontinuität. Gefeiert wurde das Jubiläum – als Dankeschön für die Kunden – übrigens am Wochenende mit über 130 Gästen.

Kind, Hund und Geschäft

Zusammen mit zwei Schwestern ist Andrea Neubauer in Windisch aufgewachsen. Im Haus ihrer Eltern richtete sie ihr erstes Kosmetikstudio ein. Sie gewann mehr und mehr Kunden, zog in ein Lokal in einem Bauernhaus in Villnachern und machte sich selbstständig. Ende der Achtzigerjahre eröffnete sie ein Geschäft in Hausen. Später suchte sie aus familiären Gründen neue Räumlichkeiten und fand diese 2002 auf rund 140 Quadratmetern im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses am Stahlrain 8 hinter dem Brugger Bahnhof und dem Einkaufszentrum Neumarkt. Die alleinerziehende Mutter konnte auf diese Weise «Kind, Hund und Geschäft unter einen Hut bringen».

Die 50-Jährige betreut mit ihrem Team Kunden im Alter von 10 bis 90 Jahren. Einen Grossteil bilden – selbstverständlich – Frauen jeden Alters, die sich etwas Gutes tun wollen. Und Männer? Diese seien in der Anfangszeit in der Tat zurückhaltend gewesen, eine harte Nuss, sagt Andrea Neubauer und lacht. Heute sei das Bedürfnis nach Hautpflege aber Alltag.

Wert legt Andrea Neubauer auf eine «fundierte, fachliche und ganzheitliche Beratung». Will heissen: Behandelt wird nicht nach einem Standard-Vorgehen. Stattdessen wird in einem ersten Schritt stets das Gespräch gesucht, wird eine tiefgründige Analyse vorgenommen. Besonders angetan haben es der Geschäftsführerin die kniffligen Fälle. «Ich liebe die Herausforderung und freue mich umso mehr, wenn ich bei Hautproblemen helfen kann.»

An der Grenze zur Medizin

Die Kundschaft sei, nicht zuletzt durch die elektronischen Medien, sehr gut informiert, weiss Andrea Neubauer. Die Ansprüche seien hoch und auch die externen Einflüsse – Stichwort Umwelt – hätten zugenommen. Kurz: «Die nachhaltige Hautpflege wird immer wichtiger. Wir arbeiten deshalb eng mit ausgewiesenen Dermatologen zusammen. Denn es ist von Bedeutung, Hautveränderungen zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.» Anders ausgedrückt: «Umfassende Behandlungen gehen bis hin zur Grenze an die Medizin.»

Apropos: Hier kommt Andrea Neubauer ihre Ausbildung zugute. Ursprünglich absolvierte sie eine Berufslehre in einer medizinischen Praxis, in der Folge liess sie sich zur Kosmetikerin ausbilden. «Ich wollte schon immer etwas mit Gesundheit und Medizin zu tun haben.» In Weiterbildungen erlangte sie den eidgenössischen Fachausweis für medizinische Kosmetik – einen Leistungsausweis, den schweizweit aktuell nur rund 30 Berufskolleginnen besitzen. Ihr Wissen gibt sie in ihrem Geschäft unter dem Titel «Bodyline Beauty Akademie» weiter, derzeit an vier Lernende und Praktikantinnen.

Seit vier Jahren ist Andrea Neubauer Mitglied im Vorstand des Schweizer Fachverbands für Kosmetik und in dieser Funktion zuständig für die höheren Fachausweise und die Qualitätssicherung. Nicht zuletzt ist sie als Expertin der Fachprüfungskommission des Kantons Aargau tätig und nimmt Lehrabschlussprüfungen ab.

Weiterbildung ist unumgänglich

«Der Ausbildungsstand unserer Fachleute ist heute auf einem erfreulichen Niveau», stellt Andrea Neubauer fest und betont: «Die Weiterbildung macht nicht nur Freude, sondern ist unumgänglich, um den Wünschen und Bedürfnissen der Kundschaft auch in Zukunft gerecht zu werden.» Die Geschäftsführerin selber bildete sich in den letzten vier Jahren weiter in den Bereichen Dorntherapie – bei Problemen des Rückens und der Wirbelsäule – sowie in der manuellen Schmerztherapie.

Mit der Entwicklung ihres Geschäfts, fasst Andrea Neubauer zusammen, ist sie sehr zufrieden. Künftig will sie sich – auch wenn ihr Kosmetikinstitut fast ihr zweites Zuhause sei – bewusst und gezielt Auszeiten nehmen, um sich in der Freizeit in der Natur und beim Sport zu entspannen. Denn schliesslich soll ihr die Arbeit noch viele Jahre Freude bereiten.