Windisch

Heute Abend geht in der Klosterkirche eine Ära zu Ende

Die Mehrsparten-Produktion «Unternehmen Paradies» wird heute Samstag zum letzten Mal gespielt. Zu Ende gehen auch die Königsfelder Festspiele. Ernst Rothenbach, Präsident des Vereins Königsfelder Festspiele, blickt zurück.

Um 20 Uhr wird sich heute Abend die Klosterkirche Königsfelden verdunkeln: 12 Tänzerinnen und Tänzer werden die Spielfläche behutsam in Besitz nehmen. Die Mehrsparten-Produktion «Unternehmen Paradies» wird zum letzten Mal gespielt. Damit findet nicht nur eine Serie von 15 Vorstellungen ein Ende – das Adieu gilt auch den Königsfelder Festspielen, die es in dieser Form nicht mehr geben wird.

Wehmut will einen überwältigen, doch der kritisch-aufmunternde Blick des Gegenübers verbietet das: «Wehmut empfinde ich sehr wohl, aber: Die Königsfelder Festspiele sind keine geschützte Werkstatt.»

«Ich bewunderte seinen Willen»

Ernst Rothenbach weiss, wovon er spricht – er präsidiert den Verein seit Ende der Neunziger. Verbunden ist er den Festspielen jedoch seit den Siebzigern. Damals hatte der grosse Tänzer und Choreograf Jean Deroc den Grundstein für Tanz in der Klosterkirche gelegt. Rothenbach, der das Wirken von Deroc seit langem verfolgt hatte, bewunderte dessen Wille, «in dieser einmaligen, damals noch nicht renovierten Kirche Tanz zu etablieren.» Rothenbach hält kurz inne, fährt dann fort: «Von Beginn an stand fest, dass es ein Spektakel für alle sein musste.»

Elitär? Nein. Ernst Rothenbach und seine Frau Dorothee – sie betreibt die BewegungsRäume Brugg – stehen dem Tanz so nahe, dass beide wissen, wie aussagekräftig dieser im Transportieren von Inhalten und Emotionen ist. Wie erst dann, wenn er in der Klosterkirche Königsfelden situiert ist und die vorhandene Stofffülle von geradezu shakespearschem Format ist. Die Episodenballette machten im Laufe der Zeit Handlungsballetten Platz, deren Themen in Zusammenhang mit Königsfelden und der Habsburger Geschichte standen. Die zehnte und letzte Produktion, «Unternehmen Paradies», ist ein Paradebeispiel dafür.

2008 hatten die Festspiele den Mord an Albrecht I. thematisiert – 2012 «interessierte uns das Danach», betont Rothenbach: «Albrechts Witwe, Königin Elisabeth und Agnes, Albrechts Tochter, wollten, dass Albrecht ins Paradies kommt. Das war ein riesiges Unternehmen – und ein solches sind auch die Festspiele.»

Es ist kein Süssholzraspeln, wenn Rothenbach das Organisationskomitee als «Wunderwerk» bezeichnet. Eines, das in verschiedenen Zusammensetzungen von 1973 bis 2012 Menschen aus vielen Ländern zusammenbrachte, Probenräume sowie private Unterkünfte organisierte; animierte, beschwichtigte, motivierte und tröstete. Kein Wunder zollt der Präsident den Menschen hinter den Kulissen Respekt. Und er selbst? «Ich habe delegiert», sagt Rothenbach amüsiert und setzt flugs hinzu: «Ein Präsident ist zuständig für Beziehungen und Verbindungen – beispielsweise zum Kanton, aber auch zu Sponsoren, Stiftungen, Privatpersonen und Institutionen.» Weshalb macht man das? «Weil die Begeisterung für das, was hier in Königsfelden und im Kulturkanton Aargau kulturell passiert, ungebrochen ist.»

Der Kreis schliesst sich

Das Engagement mag indessen noch so gross sein – vor neuen künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verschliesst der Präsident die Augen nicht. 2007 wurde «Tanz + Kunst Königsfelden» gegründet – mit Brigitta Luisa Merki, die mit ihrer Truppe Flamencos en route 2007, 2009 und 2011 die Klosterkirche mit Aufführungen belebte, die mehrere Kunstsparten vereinte. Nun wird aus dem Pilotprojekt eine fixe Institution. Für den Tanz in der Klosterkirche werden künftig der Verein «Tanz + Kunst Königsfelden» mit Brigitta Luisa Merki als künstlerischer Leiterin in Zusammenarbeit mit dem Museum Aargau zuständig sein.

Eingebunden in die Trägerschaft sind aber auch die «TanzFestspiele Königsfelden». Ernst Rothenbach freut sich, dass ab 2013 bis 2015 im Zweijahres-Rhythmus eine grosse Produktion zu sehen sein wird, die allen Tanzsparten offensteht. Im Zwischenjahr – erstmals 2014 – erfolgt jeweils ein pädagogisches Projekt. Als Vorteil sieht Rothenbach unter anderem das Vorhandensein einer ständigen Infrastruktur. Das ist das Eine. Das Andere ist, dass die von Jean Deroc begründete Tanztradition nicht vergessen wird, sondern mit anderen Mitteln fortgesetzt wird – der Kreis schliesst sich; oder um mit Shakespeares Hamlet zu sprechen: «Adieu, adieu, adieu. Remember me.»

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