"Es sah aus, als habe es Nebel bis zum Boden", sagt Chantal Wicker, Besitzerin von Pferd Amor, gegenüber Radio Argovia. "Aber es war alles Staub." Amor ist in einem Stall in der Nähe der Bözbergtunnel-Baustelle untergebracht, er leide schon seit seiner Geburt unter einer Stauballergie. Wicker: "Die tierärztliche Behandlung kostet tausend Franken und heilen kann man die Pferde nicht. Man muss einfach den Staub so gut es geht vermeiden."

Die SBB mache ihr jetzt mit der Baustelle einen Strich durch die Rechnung. "Auch andere Pferde haben bereits angefangen zu husten." Betroffen seien bis zu 30 Tiere, vier seien durch eine Allergie schon vorbelastet." Wicker habe die SBB bereits im September über das Problem informiert, aber verbessert habe sich nichts. 

Belastung über Jahre hinweg

Stauballergien bei Pferden? Rolf Liniger, Grosstierarzt der Tierklinik24 in Staffelbach, gibt Auskunft: "Während beim Menschen eine Staublunge auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist, reagieren Pferde meistens auf Heustaub allergisch." In solchen Fällen müssten die Halter das Heu vor dem Füttern entweder mit Dampf behandeln oder anderweitig nass machen um den Staub aus dem Futter zu entfernen. "Eine Heustauballergie ist nicht heilbar", so Liniger gegenüber der AZ. "Man kann aber die Symptome unter Kontrolle halten indem das Stallklima verbessert wird oder man ganz auf Heufütterung verzichtet."  

Davon, dass Pferde Allergien auf Baustaub entwickeln, habe er noch nie gehört. "Aber sollte ein Pferd über Jahre hinweg und permanent einer extremen Staubbelastung ausgesetzt sein, ist es nicht auszuschliessen, dass auch Pferde eine sogenannte Staublunge entwickeln. Gleich wie der Mensch. Was aber auch bedeuten müsste, dass Pferde in Wüstenländern vermehrt solche Probleme haben und dies wäre mir nicht bekannt."  

Hustende Pferde könne man, nach eingehender Abklärung der Ursache, beispielsweise mit der Inhalation von ätherischen Ölen, mit steroidalen Entzündungshemmern oder Antibiotika behandeln. Bei allergischer Ursache müsse vor allem das auslösende Allergen entfernt werden.  

Bauarbeiten bald vorbei

Das allergische Pferd Amor von Chantal Wicker ist auf der Pferdepension "Weisse Trotte" in Schinznach-Dorf untergebracht. Anders als Wicker hat Hofbesitzer Karl Urech noch kein Ross husten gehört. "Ich behandle die Tiere wie immer und sie können auch rausgehen so viel sie wollen", sagt er auf Anfrage der AZ. "Nur den auf Heustaub allergischen Pferden mache ich das Heu nass." Er sehe das alles "nicht so eng", die Bauarbeiten seien in zwei Monaten sowieso vorbei. 

Heuballen als Wiedergutmachung

Auf der Bözbergbaustelle gibt es Bewässerungsanlagen, die den entstehenden Staub verklumpen lassen. Diese kommen laut Wicker aber nicht genügend zum Einsatz und würden nicht oft eingeschaltet: "Ich will nur, dass die SBB das Wasser immer laufen lässt. Dann hätten wir Pferdehalter auch keine Probleme."

Auf Anfrage Radio Argovias schreibt die SBB: "Man hat seit dem 19. Oktober Kenntnis von den Pferden. […] Ob ein Zusammenhang zwischen dem Tunnelbau im Bözberg und den Pferden besteht, ist uns aktuell nicht bekannt und muss von einem Tierarzt beantwortet werden." Man würde jedoch mit den Tieren mitfühlen und habe ihnen ein paar Heuballen versprochen.

Chantal Wicker ist damit nicht zufrieden: "Dies ist nett, schlussendlich bringt es aber nichts, wenn wir kranke Pferde haben."

Demnächst wird ein SBB-Tunnelbauer bereits zum zweiten Mal den Hof besuchen und sich ein Bild von der Lage machen.