Henning Zhang prahlt nicht. Seinen Erfolg reibt er anderen Leuten nicht gerne unter die Nase. Dabei kann der zurückhaltende Villiger durchaus Erfolge vorweisen.

Der jüngste: Die Bronzemedaille an der Mathematik-Olympiade in der thailändischen Stadt Chiang Mai. Ein Mathegenie also, doch er selber würde das nie von sich behaupten.

In Chiang Mai mass sich der Wettinger Kantischüler mit rund 600 anderen Mathematikern. Zahlen, Formeln, Lösungswege: Das ist die Welt von Henning Zhang. Warum genau ihn diese Materie fasziniert, kann der 16-Jährige nur schwer erklären.

«Ich finde es einfach toll, vor einem Problem zu stehen und dieses dann möglichst gut zu lösen», lautet ein Erklärungsversuch.

«Wenn die Lösung für das mathematische Problem dann noch schön aufgeht, ist es umso besser», sagt Henning Zhang und lächelt verschmitzt. Sein Flair für Zahlen hat er schon früh entdeckt. Bereits in der Grundschule ist ihm klar, dass ihm das Zahlenbeigen besser gefällt als Sprachen.

Matheaufgabe: Über die Jahre nahm die Schwierigkeit der Aufgaben zu, so würde heute die erste Aufgabe in der ersten IMO als zu leicht angesehen.

Matheaufgabe: Über die Jahre nahm die Schwierigkeit der Aufgaben zu, so würde heute die erste Aufgabe in der ersten IMO als zu leicht angesehen.

Strenges Selektionsverfahren

Bereits in der ersten Kanti schlug ihm sein Mathematik-Lehrer vor, einem speziellen Kurs der Mittelschule beizutreten. Dieser Kurs ist extra für besonders talentierte Mathematiker gedacht und findet einmal pro Woche während einer Stunde statt. Bald keimt die Idee auf, an der Mathematik-Olympiade teilzunehmen.

Von nun an bereitete sich der chinesisch-stämmige Henning Zhang – sein Vorname ist eine Erinnerung an die Zeit seiner Eltern in Deutschland – mit einem weiteren Wettinger Kantischüler auf diese Olympiade vor. Um an dieser überhaupt teilnahmeberechtigt zu sein, darf man noch kein Studium begonnen haben und noch keine 20 Jahre alt sein.

Bereits in der Schweiz musste Henning Zhang ein Selektionsverfahren überstehen. Denn nur sechs Schweizer hatten die Möglichkeit, nach Thailand zu fliegen. Henning Zhang freute sich vor allem darauf, andere Leute mit denselben Interessen kennenzulernen. «Es war eine riesen Chance, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen», sagt er nach seiner Rückkehr.

Zugegeben, das Wort Mathematik-Olympiade klingt schon sehr nach Nerds. Doch das sei es keineswegs gewesen, sagt Henning Zhang und muss grinsen. «Das sind ganz normale Leute.»

Matheaufgabe: Zu den schwersten Aufgaben gehörte die dritte Aufgabe der IMO 1986

Matheaufgabe: Zu den schwersten Aufgaben gehörte die dritte Aufgabe der IMO 1986

Und so legte Henning Zhang während den ersten zwei Schulferienwochen freiwillig Matheprüfungen ab. An zwei Tagen wurden die 600 Kandidaten in einer riesigen Halle in Chiang Mai geprüft.

4,5 Stunden dauerten die Prüfungen jeweils und beinhalteten sechs Aufgaben täglich. Und das waren nicht etwa normale Matheprüfungen, wie man sie aus der Schule kennt.

Die Prüfungen bestehen aus Geometrieaufgaben, Zahlentheorie, Ungleichungen, Kombinatorik und Funktionalgleichungen. Gesucht sind kurze, elegante Lösungen. Da ist viel Kreativität gefragt.

Als Hilfsmittel waren ausser Schreibzeug nur Zirkel und Lineal erlaubt, also insbesondere kein Geodreieck und kein Taschenrechner. Die restlichen Tage verbrachte der Villiger mit der Schweizer Delegation auf verschiedenen Exkursionen. Tempel, Nationalparks, Elefanten.

Matheaufgabe: Eine ähnlich schwere Aufgabe wurde zwei Jahre später gestellt.

Matheaufgabe: Eine ähnlich schwere Aufgabe wurde zwei Jahre später gestellt.

Fast kommt der zurückhaltende Mathematiker ins Schwärmen. Bereits jetzt ist klar, dass er in einem Jahr wieder an der Mathematik-Olympiade dabei sein möchte. Die findet dann in Hongkong statt.

Und später, nach der Kanti, wird es Henning Zhang sicher in den naturwissenschaftlichen Bereich ziehen. Unschlüssig ist er, ob er Mathematik studieren will. Er hat noch eine andere Begabung: die Musik. Er spielt Klavier und Gitarre. «Nicht so gut», meint er und winkt ab. Fügt dann aber leise an: «Manchmal komponiere ich auch selber.»

Matheaufgabe: Die Aufgabe, bei der bisher die wenigsten Punkte vergeben wurden, stammt aus dem Jahr 2007

Matheaufgabe: Die Aufgabe, bei der bisher die wenigsten Punkte vergeben wurden, stammt aus dem Jahr 2007

James Tao aus Illinois, USA, zeigt seine Mathematikkünste: Er räumte im Jahr 2013 die Goldmedaille ab.

James Tao aus Illinois USA, zeigt seine Mathematikkünste: Er räumte die Goldmedaille ab. im Jahr 2013.

James Tao aus Illinois, USA, zeigt seine Mathematikkünste: Er räumte im Jahr 2013 die Goldmedaille ab.