Brugg

Hausfriedensbruch, Tempoüberschreitung, Diebstahl – was hat er begangen?

Angestellter soll sich an Brieftasche seiner Firma bedient haben (Symbolbild).

Angestellter soll sich an Brieftasche seiner Firma bedient haben (Symbolbild).

Das Gericht legt einem 58-Jährigen bei der Verhandlung mehrere Straftaten zur Last – er streitet jedoch alles ab.

Im schwarzen Pullover, in Jeans und mit verschränkten Armen sitzt René (alle Namen geändert) im Gerichtssaal des Bezirksgerichts Brugg. Ihm werden Diebstahl, Hausfriedensbruch sowie grobe Verkehrsregelverletzung vorgeworfen.

Im Sommer 2015 soll er mit seinem Motorrad auf der Flüelapassstrasse die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 34 km/h, nach Abzug der Toleranz von 6 km/h, überschritten haben. Zudem habe sich der 58-Jährige, der seit einem Jahr selbstständiger Heizungs- und Sanitärinstallateur ist, in einer Oktobernacht im Jahr 2015 widerrechtlich Zutritt zu seinem Arbeitsort, einem Fitnesscenter in der Region, verschafft.

Er war dort für Reparaturarbeiten angestellt. Weiter soll er das im Büro versteckte Portemonnaie mitsamt darin enthaltenem Bargeld im Wert von zirka 200 Franken entwendet haben.

«Unser Verhältnis war nicht allzu gut», sagt Brigitte. Sie arbeitete im Fitnesscenter. Die Zeugin wurde zur Gerichtsverhandlung eingeladen, um die Motivlage des Beschuldigten überprüfen zu können.

Sie sagt aus, sie habe den 58-Jährigen privat für die Renovierung ihres Badezimmers beauftragt. Dies sei zirka sechs Monate vor dem angeblichen Diebstahl gewesen. «Ich hatte das Gefühl, dass er mir zu viel berechnet hat», sagt sie.

Das habe zum Disput geführt. Brigitte sagt weiter, sie habe den Beschuldigten in der Tatnacht im Büro gesehen. Sie glaube jedoch, er habe sich lediglich eine Lesebrille geholt. Brigitte glaubt nicht, dass René den Differenzbetrag mit dem Diebstahl begleichen wollte.

Denn sie beide hätten zu Beginn einen Vertrag unterzeichnet, den sie, trotz der Auseinandersetzung, letztlich akzeptiert habe. Über den ausstehenden Betrag sei deshalb auch nie mehr gesprochen worden.

Beschuldigter hatte kein Motiv

«Wenn ich keine Aufträge im Fitnesscenter hatte, war ich nie dort», beteuert René. In der Tatnacht habe er den Auftrag gehabt, die Duschen zu reparieren. «Ich habe im Büro noch nie Schubladen oder Schränke geöffnet», versichert er.

Seiner Aussage steht jedoch diejenige von Bernhard, Privatkläger des Fitnesscenters, gegenüber. «Er hatte keine Werkzeugkiste dabei, was man auf den Videoaufnahmen im Fitnesscenter sieht», sagt er. Der Beschuldigte habe den Schraubenzieher auf dem Bürotisch gefunden. Er frage sich deshalb, warum René dann die Schubladen des Bürotischs aufmachte, was deutlich auf dem Video zu hören sei.

Der Verteidiger von René hingegen, wirft der Staatsanwaltschaft vor, die Untersuchungen seien amateurhaft durchgeführt worden. «Man nahm beispielsweise keine Fingerabdrücke von der Schublade, aus der mein Mandant das Portemonnaie entwendet haben soll», sagt er.

Zudem habe René kein Motiv gehabt, das Geld zu stehlen. «Auf dem Video ist zu sehen, dass der Beschuldigte ohne Interesse an der Kasse vorbeiläuft», betont der Verteidiger. René habe auch keine finanziellen Probleme gehabt.

Ebenfalls streitet der Beschuldigte die Geschwindigkeitsüberschreitung ab. Die Person auf dem Radarbild sei nicht er und auch das Motorrad sei, obwohl vom gleichen Typ, nicht seines. René sagt weiter, er habe sein Fahrzeug Drittpersonen ausgeliehen. Er könne sich aber nicht erinnern, ob er selbst an besagtem Tag gefahren ist.

Der ausserordentliche Gerichtspräsident Michael Plattner eröffnet das Urteil. «Es gibt einige Unstimmigkeiten bei den Details der Schilderungen des Beschuldigten. In Bezug auf den Diebstahl und den Hausfriedensbruch gibt es keine direkten Beweise.

Denn die Videoaufnahmen sind nicht eindeutig und es gibt Indizien, die den Beschuldigten entlasten», sagt Plattner. So kämen beispielsweise auch andere Personen infrage, die das Geld hätten entwenden können. Es gelte «in dubio pro reo» - im Zweifel für den Angeklagten. René wird in diesem Anklagepunkt freigesprochen.

«Bei der groben Verkehrsverletzung sind wir uns einig, dass es sich beim Motorradfahrer um den Beschuldigten handelt», sagt er. René muss deshalb 60 Tagessätze zu jeweils 90 Franken sowie eine Busse in Höhe von 1000 Franken bezahlen. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.

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