Hausen
So präsentieren sich die neun Kandidierenden für die fünf Gemeinderatssitze

Am 13. Juni finden die Gesamterneuerungswahlen in Hausen statt. Vier Frauen und fünf Männer stellen sich für die Wahl in die Exekutive zur Verfügung. Was sie motiviert und ihnen wichtig ist, war Thema an einem Podiumsgespräch – exklusiv – für die Medien.

Claudia Meier
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Hausen hat neun Kandidierende für den Gemeinderat. Dazu wurde für die Medien im Gemeindesaal mit allen Teilnehmenden ein Podium organisiert.

Hausen hat neun Kandidierende für den Gemeinderat. Dazu wurde für die Medien im Gemeindesaal mit allen Teilnehmenden ein Podium organisiert.

Bild: Chris Iseli
(17. Mai 2021)

Was für ein Unterschied zu den Gesamterneuerungswahlen vor vier Jahren: Im Sommer 2017 kandidierten fünf Personen für einen der fünf Gemeinderatssitze in Hausen. Die Stimmbeteiligung betrug 15%. Nun haben sich die beiden Gemeinderäte Hermann Zweifel und Harry Treichler entschieden, nicht zur Wiederwahl anzutreten. Zu den drei bisherigen Kandidierenden sind sechs neue gekommen, was für die Wähler eine optimale Ausgangslage ist.

Coronabedingt hat der Gemeinderat allerdings entschieden, kein Wahlpodium durchzuführen. In die Bresche ist nun ein überparteiliches Komitee gesprungen, das speziell für die Medien ein Podiumsgespräch mit allen Kandidierenden organisiert hat. Moderiert wurde der Anlass von Journalist Peter W. Frey, der seit über 20 Jahren in Hausen wohnt.

Andreas Arrigoni, neu: «Der Steuerertrag pro Kopf wird sinken»

Weil Andreas Arrigoni (55, parteilos) ein Führungsproblem im Gemeinderat feststellt, kandidiert der zweifache Vater auch als Gemeindeammann. Die Kommunikation des Gemeinderats (zu Kreditüberschreitungen, Projekt «Sanierung Hauptstrasse Nord und Sooremattstrasse» und Budget 2021) genüge dem Anspruch der Bevölkerung nicht, sagte Arrigoni. Deshalb werde eine andere Bevölkerung als vor vier Jahren über die Wahl entscheiden.

Der Geschäftsführer und Gründer eines KMU ist überzeugt, dass mit dem verdichteten Bauen in Hausen der Steuerertrag pro Kopf sinken wird. Für ihn ist strategisches Sparen zentral, damit künftige Investitionen (etwa in die Infrastruktur beim Reichhold-Areal) realisierbar sind, ohne den Steuerfuss noch weiter anheben zu müssen. Am Schluss des Podiums fühlte sich Andreas Arrigoni in seiner Kandidatur als Gemeindeammann bestärkt. Er habe von Eugen Bless nun viel Neues erfahren, hielt er fest. Sein Ziel sei, Hausen als Bijou weiterzuentwickeln.

Gemeindeammann Eugen Bless: «Wir müssen gemäss Kanton verdichten»

Seit 2006 sitzt Eugen Bless (parteilos) im Gemeinderat, dem er seit 2012 als Ammann vorsteht. In dieser Zeitspanne ist Hausen um rund 1000 auf 3728 Einwohner gewachsen. Der 67-Jährige zeigte sich verwundert, dass Arrigoni von Null her als Ammann kandidiert. Im Verlauf des Abends konnte Bless mehrmals mit seinem Hintergrundwissen etwa bei Verkehrsthemen punkten. Dieses würde er gerne in der nächsten und für ihn letzten Amtsperiode an den künftigen Ammann, egal ob Mann oder Frau, weitergeben, sagte er. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie gut es um die Gemeinde steht, würde er Hausen auf der 8 einstufen.

Mit dem rasanten Bauboom seien Investitionen in die Gemeindeinfrastruktur unumgänglich gewesen. Das Reichhold-Areal werde Steuereinnahmen bringen, so Eugen Bless. Mit der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO), die dann jemand im Gemeinderat übernehmen müsse, werde sich jeder Liegenschaftsbesitzer überlegen, was er mit seinem Dachgeschoss mache. «Als Zentrumsgemeinde müssen wir verdichten, um die Vorgaben des Kantons zu erfüllen.»

Lukas Bucher, neu: «Ich werde die gesteckten Ziele beharrlich verfolgen»

Lukas Bucher an der Podiumsdiskussion für die Gemeinderatswahlen in Hausen 2021.
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Der frühere Feuerwehrkommandant (2006 bis 2016) kennt Hausen sehr gut und könnte seine Erfahrungen im Bereich Sicherheit in der Gemeinde einbringen. «Als parteiloser Gemeinderatskandidat will ich Herr Müller und Frau Meier sowie den KMU eine Stimme geben», sagte Lukas Bucher, der seine Unabhängigkeit betonte. Dem 52-Jährigen ist es wichtig, dass Hausen nicht nach dem Grundsatz «Sparen, sparen, koste es, was es wolle» wirtschaftet, sondern die Projekte so abschliesst, damit man danach mehrere Jahre Ruhe hat. Ein sorgfältiger Umgang mit den Finanzen sei dabei zentral.

Dass die neue BNO den Charakter des Dorfs verändere, sehe man schon heute. «Ich finde es positiv, dass immerhin die Stiftung Domino ihren Standort noch ausbauen kann.» Hausen soll laut Bucher in zehn Jahren nach wie vor ein lebhaftes Dorf sein und die jüngere Generation soll keine zu grossen Lasten zu tragen haben. Er werde die gesteckten Ziele beharrlich verfolgen und dabei immer authentisch bleiben, so wie ihn die Leute kennen.

Cornelia (Corine) de Kater, neu: «Ich möchte die Kommunikation verbessern»

Für die Grünliberale-Gemeinderatskandidatin ist es wichtig, dass die Gemeinde Hausen einen Weg findet, mit der fehlenden Selbstständigkeit umzugehen. Dabei denkt die 56-Jährige etwa im Finanzbereich daran, die Ausgaben etwa im Verbund mit anderen Gemeinden zu analysieren und nach Möglichkeit zu optimieren.

Sie wünscht sich eine grössere Berücksichtigung der ökologischen Aspekte wie aktive Förderung der erneuerbaren Energien sowie Verbesserung der Infrastruktur für ÖV, Velos und Fussgänger. Beim Reichhold-Areal sieht Cornelia de Kater den zunehmenden Verkehr als Kollateralschaden. Es reizt sie, aktiv zum Wohl der Gemeinde beizutragen. «Es ist einfacher von der Seitenlinie Kritik zu äussern, als tatsächlich mitzuhelfen, Lösungen zu finden», hielt sie fest. Gerne möchte sie diese Verantwortung übernehmen und die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessern.

Vizeammann Tonja Kaufmann: «Ich vertrete die Generation Y»

«Wenn ich in diese Runde schaue, könnten alle vom Alter her meine Eltern sein», sagte Tonja Kaufmann (SVP) mit einem Schmunzeln. Die 34-jährige Frau Vizeammann sitzt seit 2014 im Gemeinderat Hausen. Sie sieht sich als Vertreterin der Generation Y, die für flache Hierarchien steht – im Gegensatz zu den Babyboomern, die sich steile Hierarchien gewohnt seien. Sie sei gut vernetzt, über die Gemeinde und den Kanton hinaus. Die Grossrätin bezeichnet sich als bodenständig und Brückenbauerin zwischen den Generationen.

«Als Küchenverantwortliche hatte ich in der Coronakrise auch Kurzarbeit. Ich verstehe deshalb die Sorgen vieler Angestellten und KMU», betonte Tonja Kaufmann. Sie stehe für eine ehrliche Politik ohne Schönfärberei. «Es darf nicht sein, dass wir unsere Schulden auf Kosten der nächsten Generation abbauen und ihr dafür einen Berg Aufgaben überlassen, die wir in Folge der Kosten aktuell nicht erledigen wollen.» Sie setze sich auch weiterhin dafür ein, dass der Seebli-Knoten vor der Oase ausgebaut werde.

Manuela Obrist, neu: «Das Dorf soll nicht mehr so schnell wachsen»

Ebenfalls als sehr geerdete Person und stolzer Dorfmensch, weil sie in Hausen aufgewachsen ist, bezeichnet sich FDP-Kandidatin Manuela Obrist. Die 50-Jährige ist der Ansicht, dass es im Gemeinderat nun ein neues Mitglied brauche, das Hausen von der Pike auf kenne: «Das Dorf soll sich nicht mehr so schnell weiterentwickeln, weil es sonst nicht mehr überschaubar ist.» Seit über 40 Jahren gehört die Mutter von zwei Kindern der Turnfamilie Hausen an.

Im Gegensatz zur Anfrage vor vier Jahren fühlt sie sich jetzt bereit für das Gemeinderatsamt. Obrist hat soeben den Kommunalpolitikkurs der Aargauischen Stiftung für Freiheit und Verantwortung in Politik und Wirtschaft abgeschlossen. Die Bevölkerung will laut Manuela Obrist, dass gespart wird. Deshalb müsse sich der Gemeinderat dafür einsetzen. Ebenso wichtig ist es ihr, sich in die Planung auf dem Reichhold-Areal und beim regionalen Gesamtverkehrskonzept Oase des Kantons einzubringen.

Stefano Potenza, neu: «Wir müssen das Dorf neu positionieren»

Der zweite FDP-Kandidat ist Stefano Potenza. Er wohnt seit 2003 in Hausen und präsidiert seit 2014 die Schulpflege, die per Ende Jahr aufgrund des kantonalen Volksentscheids in den Gemeinderat integriert wird. Ein erfolgreicher Schulbetrieb mit 280 Schulkindern und etwa 45 Lehrpersonen sei nicht der einzige Grund, warum er für den Gemeinderat kandidiere, betonte der Vater von vier Kindern.

Als zweiten Grund gab der 48-Jährige die gewaltige Entwicklung der Gemeinde an. Nach den hohen Investitionen folge nun die Konsolidierungsphase, in der man genau schauen müsse, was es noch brauche und was nicht. Zudem gelte es, das Dorf neu zu positionieren im Hinblick auf den Reichhold-Campus und die Verkehrsführung. Für Potenza ist es wichtig, dass die Entwicklung des Dorfes «gemeinsam» mit der Bevölkerung gestaltet wird. Als aktueller Schulpflegepräsident wäre das Ressort Schule sein Favorit, er sei aber offen für alle Ressorts.

Gemeinderätin Sabine Rickli: «Zum Teil sind einem die Hände gebunden»

Als neue Gemeinderätin habe man Erwartungen, doch zum Teil seien einem die Hände gebunden, sagte Sabine Rickli. Die 60-Jährige weiss, von was sie spricht. Sie sitzt seit 2016 für die SVP im Gemeinderat Hausen. Ihre Ressorts sind Soziales, Sicherheit und Kultur mit einer von ihr präsidierten Kulturkommission. Nicht alle Bereiche würden in der Öffentlichkeit gleich wahrgenommen. «Ausserdem habe ich mich in der IG Pro Post Hausen engagiert und die Einführung der Hausener Geschenkgutscheine umgesetzt», so die zweifache Mutter weiter.

Ihr Mann ist in Hausen aufgewachsen und sie fühlt sich sehr wohl im Dorf. «Wir können aber nicht mehr weiterwachsen, weil wir kein Bauland mehr haben», fügte sie an. Die Schulden der Gemeinde müssten abgebaut werden und nachhaltige Einsparungen seien so lange wie nötig vorzunehmen. Trotz allem möchte sie sich auch künftig dafür einsetzen, dass es möglich bleibt, «zäme etwas zu erläbe». Auf dem Reichhold-Areal wünscht sie sich einen belebten und innovativen Werkplatz.

Urs Weilenmann, neu: «Der Durchgangsverkehr muss begrenzt werden»

Der Softwareingenieur hat Erfahrung mit Grossprojekten auf der ganzen Welt und wohnt seit zehn Jahren in einem umgebauten Bauernhaus in Hausen. Urs Weilenmann steigt für die SP ins Rennen um einen Gemeinderatssitz. Der 65-Jährige hat sich mit dem Zuzug nach Hausen für die Politik zu interessieren begonnen. Dem Vater von drei Kindern ist es ein Anliegen, dass das Vertrauen in die Behörde wieder steigt, insbesondere nach den negativen Entscheiden an der Gemeindeversammlung und an der Urne.

Auch will er den Durchgangsverkehr durch Hausen begrenzen, besonders im Hinblick auf die künftige Nutzung des Reichhold-Areals. Ausserdem möchte Weilenmann der Jugend im Dorf einen Begegnungsort ermöglichen. Grundsätzlich kann sich der SP-Ortsparteipräsident jedes Ressort vorstellen, die Themen Gesundheitswesen, Soziales und Jugend reizen ihn aber sehr. Für Weilenmann ist eine gute, offene Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit. Kompromisse seien notwendig.

Braucht es für die Gemeinderatswahlen in Hausen einen zweiten Wahlgang, so würde dieser am 26. September stattfinden.

Den Link zu den von allen neun Kandidierenden ausgefüllten Fragebogen der Gemeinde finden Sie hier.

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