Brugg/Lupfig
Haus Eigenamt: «Jetzt ziehen wieder alle am gleichen Strick»

Hanspeter Müller führt seit über drei Monaten zwei Pflegeheime. Er sagt, warum die Nachfrage im Haus Eigenamt trotz Eklat gross ist und ob ein Zusammenschluss mit dem Pflegezentrum Süssbach AG denkbar ist

Claudia Meier
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Geschäftsführer Hanspeter Müller im Gespräch mit az Brugg-Ressortleiterin Claudia Meier.

Geschäftsführer Hanspeter Müller im Gespräch mit az Brugg-Ressortleiterin Claudia Meier.

Sandra Ardizzone

Herr Müller, seit Ende März führen Sie zwei Pflegeheime – das Pflegezentrum Süssbach AG in Brugg und das Haus Eigenamt in Lupfig. Wie machen Sie das?

Hanspeter Müller: Das ist nur möglich, weil der Verwaltungsrat im Süssbach, der Vorstand im Eigenamt und alle Mitarbeitenden zusammen in die gleiche Richtung ziehen mit dem Ziel, eine starke Gesundheitsversorgung in der Region erhalten zu können. Gutes Zeitmanagement und Verständnis von beiden Seiten ist dabei unabdingbar.

Ziehen im Haus Eigenamt jetzt wieder alle am gleichen Strick?

Ja, das ist so. Der neue Vorstand hat genau begriffen, um was es jetzt und in Zukunft geht und hat sich schon bestens mit sechs Sitzungen in zwei Monaten eingebracht. Es gibt eine klare Ressortverteilung; in den letzten beiden Monaten hatte das Ressort Finanzen und Bau Hochbetrieb. Dies wird sich jetzt ausgleichen, kommen wir doch allmählich der Normalität wieder näher. Wir haben die klare Trennung, dass der Vorstand sich um den Altersheimverein Eigenamt kümmert und ich für den Betrieb im Haus Eigenamt zuständig bin.

Aber die Turbulenzen rund um die Freistellungen sind noch nicht vollständig aufgearbeitet?

Nein, allerdings konzentriert sich die Aufarbeitung auf die Liegenschaft und man kann es keinesfalls mehr als Turbulenzen bezeichnen. Es muss hier nochmals deutlich betont werden, dass wirklich nirgends Geld veruntreut wurde.

Damit alles rund läuft, muss es auch mit den Führungspositionen stimmen.

Korrekt. Ich kann die beiden Heime nur führen, weil ich im Süssbach und im Eigenamt gute, erfahrene Leute in den Schlüsselpositionen habe. Mit beiden Heimen verfolgen wir die gleichen Ziele in Sachen Grundversorgung im Gesundheitswesen und ich sehe mich dazwischen als Drehscheibe.

Was heisst das konkret?

Ich muss noch besser planen als früher. Mein Arbeitspensum beträgt aktuell und voraussichtlich noch bis im September zwischen 12 und 14 Stunden pro Tag. Sobald die richtigen Leute an den passenden Stellen und die Strukturen optimiert sind, wird für mich der Aufwand abnehmen.

Was hat sich im Haus Eigenamt in den letzten drei Monaten verändert?

Zur Verbesserung beigetragen hat, dass die Angestellten nun klare Ansprechpartner haben, die sie in ihrer Arbeit unterstützen. Das Ziel ist: die Qualität in etlichen Bereichen anzuheben. Die Angestellten können sich nun auch an entsprechenden Instrumenten orientieren und nicht mehr nur an Personen.

Zur Person

Hanspeter Müller (58) ist seit eineinhalb Jahren Geschäftsführer im Pflegezentrum Süssbach AG in Brugg. Seit März dieses Jahes ist er zudem als Geschäftsführer für das Haus Eigenamt in Lupfig zuständig. Hanspeter Müller ist seit über 10 Jahren in führenden Funktionen im Gesundheitswesen tätig. Er wohnt in Remetschwil.

Macht das Personal mit?

Das wird sich zeigen, aber die Haltung ist sehr positiv. Vor vier Tagen hatten wir die erste Kadersitzung. Hier durften Probleme angesprochen werden, ohne dass es über alle Hierarchiestufen laufen musste. Eine kleinere Institution braucht direkte, klare und einfache Kommunikation.

Haben Sie bisher nicht über Probleme gesprochen?

Doch, im Eigenamt musste ich am Anfang sehr viele Gespräche führen, um herauszufinden, wie die Aufgaben aufgeteilt sind und was man optimieren könnte. Bei vielen dieser Gespräche war dann auch die Verunsicherung der letzten Monate deutlich zu spüren und wir sind nun in der Pflicht, das Vertrauen der Mitarbeitenden zu gewinnen. Dies ist ein Prozess.

Die Freigestellten durften zurückkommen. Sind sie noch in der Probezeit?

Nein, sie wurden wieder angestellt. Grundsätzlich braucht es noch in zwei, drei Fällen Optimierungen oder Vertragsänderungen.

Trotz dem Eklat ist die Nachfrage nach Zimmern im Haus Eigenamt ungebrochen gross. Wie erklären Sie sich das?

Man spürt den starken Bezug zu den vier Trägergemeinden Birr, Birrhard, Lupfig und Scherz. Viele Bewohner kommen aus dem Eigenamt und man pflegt einen guten, kameradschaftlichen Umgang im Heim. Vielleicht war die Beziehung manchmal fast zu eng, sodass Privates und Berufliches verschmolz. Dies wurde ebenfalls korrigiert und wir pflegen einen professionell-herzlichen Umgang.

Die Bewohner lieben es klein und fein.

Ja, das Haus liegt sehr zentral und tatsächlich möchten viele Bewohner gar nicht in ein grösseres Heim. Sie mögen das Übersichtliche.

Das Pflegeheim Süssbach in Brugg ist mit 111 Betten etwa doppelt so gross wie das Haus Eigenamt. Hier sind aber nicht alle Betten besetzt.

Wir haben im Moment fünf Betten frei. Die brauchen wir für die Übergangspflege. Dass wir noch Kapazität haben, ist normal und hat auch nichts mit dem Bauprojekt Akkord zu tun. Übergangspflege bedeutet ein stetes Ein- und Austreten.

Worin unterscheiden sich die beiden Heime am stärksten?

Das Einzugsgebiet der Bewohner ist grösser im Süssbach als im Eigenamt. Im Süssbach haben wir höhere Pflegestufen, die Leute sind weniger mobil. Der Zusammenhalt unter den Leuten ist somit weniger ausgeprägt. Momentan haben wir ein paar Bewohner italienischer Abstammung in Brugg und können auch mal einen italienischen Tag organisieren.

Ein Schritt Richtung individuelle Angebote?

Ja, wenn möglich werden diese Bewohner auch von italienischsprechendem Personal betreut. Solche Themen sind eine grosse Herausforderung für die Heime. Für uns ist auch die Aktivierung ein wichtiges Thema – besonders im Zusammenhang mit dem Neubau nebenan.

Im gesamten Gesundheitszentrum in Brugg arbeiten rund 300 Angestellte. Warum schliesst nun die Kindertagesstätte (Kita) Süssbach ihre Tore?

Das Angebot ist zwar gut, aber die Nachfrage ist seit Monaten zu gering. Wir haben nur noch zwei Kinder von Internen. Kosten und Nutzen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis.

Wegen der Akkord-Bauarbeiten wurde die Kita in den Dachstock verlegt. War das der Anfang vom Ende?

Nein, die neuen Räumlichkeiten sind geeignet, aber alle Werbeaktionen brachten nicht mehr Kinder. Am Schluss sind es total noch neun, aber nicht jeden Tag.

Wie viele Angestellte verlieren durch diese Schliessung ihre Stelle?

Vier Teilzeitangestellte. Wir haben allen drei Monate Kündigungsfrist eingeräumt, damit sie eine Anschlusslösung suchen können.

Zurück ins Haus Eigenamt: Die flüssigen Mittel sind da bekanntlich knapp. Müssen nun die Bewohner tiefer in die Tasche greifen?

Im Eigenamt konnte die Situation durch das Darlehen vom Altersheimverein in der Höhe von einer halben Million Franken entschärft werden. Dieses Jahr ändert sich für die Bewohner nichts, wie es nächstes Jahr aussieht, können wir noch nicht sagen.

Der kürzlich gebaute «Garten für alle» im Erdgeschoss nützt den Demenz-Kranken, für die er erstellt wurde, nichts, weil er zu kompliziert ist. Braucht es nun weitere Investitionen?

Ja, das ist so. Im ersten Stock gibt es eine Terrasse, die man für die Demenz-Kranken umbauen könnte. Da möchte ich schon dran bleiben, weil wir den Bewohnern das bieten müssen, was sie brauchen.

Ist Crowdfunding eine Option für die Finanzierung des neuen Balkons?

Ja, warum nicht? Es gibt keine Tabu-Themen. Wir müssen das besprechen und eine gemeinsame Lösung suchen. Klar ist jedenfalls, es braucht einen Balkon für die an Demenz erkrankten Bewohner.

Als nächstes Projekt steht nun zuerst das Audit durch den Kanton an.

Das kommt im September, das wollte ich unbedingt so.

Sie sind durch eine Notsituation Leiter von zwei Heimen geworden. Ist es eine Option, diese Häuser längerfristig zusammenzuschliessen?

Nein, das wird nie der Fall sein. Ich fühle mich wohl in der aktuellen Drehscheibenfunktion, die ich sicher noch bis Ende Jahr innehaben werde. Das Eigenamt wird grundsätzlich immer eine andere Ausrichtung als der Süssbach haben. Es wird so bleiben, wie es ist und das ist gut so!

Sind allenfalls Kooperationen in Teilbereichen denkbar?

Ja, beispielsweise im Lehrlingswesen könnte – ähnlich wie das der Süssbach schon mit dem Medizinischen Zentrum Brugg, der Hirslanden Klinik Aarau und der Spitex Region Brugg AG macht – ein Austausch stattfinden.

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