Villigen

Hauptstrasse braucht Sanierung, doch Verengung gibt zu diskutieren

Die Hauptstrasse in Villigen soll für 13,4 Mio. Franken saniert und den heutigen Anforderungen angepasst werden. Gemeinderat Olivier Moser spricht von einem Jahrhundert-Projekt für die Gemeinde. Doch nicht mit allem sind die Einwohner zufrieden.

Der Belag und die Werkleitungen der Villiger Hauptstrasse sind in die Jahre gekommen. Vertreter des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, der Gemeinde und der Planungsbüros orientierten im Rahmen eines Informationsabends über das erarbeitete Bauprojekt zur Erneuerung der Kantonsstrasse K 442.

Der Belag des rund 1,4 Kilometer langen Strassenabschnitts durch das Dorf hat die Lebenserwartung von 25 Jahren längst überschritten. Der Kanton und die Gemeinde möchten im Rahmen der geplanten Sanierung die für das Dorf und den Durchgangsverkehr wichtige Verbindung den heutigen Anforderungen anpassen. Konkret sollen daraus eine Verbesserung der Sicherheit für Radfahrer und Fussgänger und eine Optimierung des Ortsbilds resultieren. Gemeinderat Olivier Moser, Marco Starkermann von der Metron in Brugg, Philipp Huber und Marcel Basler vom Brugger Ingenieurbüro Steinmann sowie Kreisingenieur Giuliano Sabato von der Abteilung Tiefbau des BVU erläuterten den rund 60 Anwesenden während einer Stunde das anspruchsvolle Vorhaben. Olivier Moser hielt zu Beginn – auch mit Blick auf die zu erwartenden Kosten – fest: «Dies ist für Villigen eigentlich ein Jahrhundert-Projekt.»

Oft wird zu schnell gefahren

Generell geht es bei der Strassensanierung nebst dem Einbau eines Flüsterbelages um die Dämpfung des motorisierten Verkehrs. Gemäss Beobachtungen und Messungen wird nicht selten zu schnell durch das Dorf gefahren, was Radfahrer und Fussgänger gefährdet. Durchgängige Trottoirverbindungen sollen die Situation im Ortskern entschärfen. Zudem sind an den Dorfeinfahrten – sogenannte Einfahrtstore – geplant, die den Innerortsbereich besser markieren und durch ihre seitlichen Verschwenkungen die Verkehrsberuhigung fördern.

Zudem ist vorgesehen, die heutige Strassenbreite von 6 Metern auf gewissen Abschnitten zu reduzieren. Mit 4,5 Metern ist die schmalste Fahrbahnbreite beim Gasthof Schlossberg angedacht, um das vor dem direkt an die Strasse grenzende Gebäude Trottoir angemessen verbreitern zu können.

Mittellinie wird entfernt

Gemäss den Planern hätten intensive Abklärungen mittels Videoaufnahmen, Verkehrs- und Lärmmessungen beim eigens errichteten Provisorium gezeigt, dass ein solcher Strassenengpass zu keinen grösseren Problemen bezüglich Verkehrsfluss führe. Das Kreuzen von Lastwagen, Bussen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen wird jedoch Halte- oder Ausweichmanöver auf das Trottoir beim Gasthof Schlossberg zur Folge haben. Kandelaber der neuen Beleuchtung sollen dafür sorgen, dass die Fussgängerzonen nur im Notfall als Fahrbahn benutzt werden. Eine Erhöhung der Sicherheit wird auch von der konsequenten Regelung der Vortrittsverhältnisse (Aufhebung des Rechtsvortritts) bei den Strasseneinmündungen erwartet.

Ausserdem soll auf der Hauptstrasse die Mittellinie entfernt werden, um die Aufmerksamkeit der motorisierten Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Im Weiteren sind Anpassungen bei den Bushaltstellen, die Sanierung der Brücke Schmittenbach/Kumetbach sowie die Erneuerung und hochwasserschutzbedingte Vergrösserung des Bachdurchlasses Aempach vorgesehen.

Im Zuge der Strassensanierung wollen die Gemeinde und ihre Werke auch die Werkleitungen wie folgt erneuern: Wasserleitung 1440 Meter, Schmutzabwasser 360 Meter, Sauberabwasser 400 Meter, EW-Kabelblock 1440 Meter. Hinzu kommen Privatprojekte von Refuna, Swisscom, Cablecom und, wo nötig, die Sanierung von Hausanschlüssen.

Bauende wäre im Jahr 2019 möglich

Die Strassenbelagssanierung ist mit Kosten von 7,9 Mio. Franken (+/– 10 Prozent) veranschlagt. Der federführende Kanton bezahlt daran 47 Prozent, die Gemeinde 53 Prozent, was im Moment 4,187 Mio. Franken ergibt. Für die Erneuerung der Werkleitungen, die Beleuchtung und ein neues Bushäuschen gegenüber der Post rechnet die Gemeinde mit von ihr und den Gemeindewerken zu tragenden 5,5 Mio. Franken (+/– 10 Prozent). Insgesamt handelt es sich um einen Kredit von 13,4 Mio. Franken.

Falls die Gemeindeversammlung am 26. November zu diesem Grossprojekt grünes Licht gibt, könnten im kommenden Jahr die öffentliche Auflage und die definitive Genehmigung durch den Regierungsrat folgen. 2017 würden das Landerwerbsverfahren, die Submission für die Arbeiten und der Realisierungsbeginn in Angriff genommen. Das Bauende wäre dann 2019 möglich.

Eine hitzige Diskussion

Nach erfolgter Präsentation ergab sich eine angeregte Diskussion, die sich über eine volle Stunde hinzog. Sie drehte sich hauptsächlich um die aktuelle Verkehrssituation, die hohen Kosten für die Strassensanierung, den geplanten Fahrbahnengpass beim Gasthof Schlossberg sowie um die Aufhebung des Rechtsvortritts.

Die Kritik an verschiedenen Punkten ging sogar so weit, dass einzelne Votanten gar den Nutzen des Projektes generell infrage stellten. Gemeinderat Olivier Moser dazu: «Wir kommen nicht um eine Sanierung herum, mit der die Strasse wieder für mindestens weitere 25 Jahre fit gemacht werden soll. Die Kosten sind zwar hoch, sollten aber angesichts des langfristigen Nutzens verkraftbar sein.»

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