Brugg

Hat ein Schafhalter Gras gestohlen? Die Schafe jedoch kümmerts nicht

Schafe am Grasen (Symbolbild)

Schafe am Grasen (Symbolbild)

Vor Bezirksgericht ist ein Schafhalter vom Vorwurf des Gras-Diebstahls freigesprochen worden. Der Beweis, dass er seine Tiere widerrechtlich hatte weiden lassen, konnte nicht erbracht werden.

«Ich habe es nicht nötig, als Dieb hingestellt zu werden», erklärte der Beklagte, ein Schweizer im AHV-Alter, in der Einzelrichter-Verhandlung am Bezirksgericht Brugg. Vorgeworfen wurde ihm, dass er seit Mitte dieses Jahres seine Schafe auf einer Weide habe grasen lassen, die an einen Landwirt verpachtet ist. Der Landwirt hatte Strafklage erhoben.

Die Staatsanwaltschaft hielt dazu in schönstem Juristendeutsch fest: «Dadurch (durch die Beweidung, Red.) wurde das dem Strafkläger zustehende Gras respektive Heu, vernichtet beziehungsweise widerrechtlich im Nutzen des Beschuldigten verwendet.» Die Staatsanwaltschaft vertrat die Ansicht, dass der Beschuldigte seine Tiere absichtlich und unberechtigterweise auf den vom Strafkläger gepachteten Flächen habe weiden lassen.

Damit habe der Beschuldigte in Bereicherungs- und Aneignungsabsicht gehandelt, indem er «den Futterpreis für seine Tiere sparen und sich dadurch unrechtrechtmässig bereichern wollte». Darin sah die Staatsanwaltschaft Diebstahl, eventuell unrechtmässige Bereicherung, und forderte eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 550 Franken sowie eine Busse von 1500 Franken. Zudem beantragte sie, dem Beklagten seien die Kosten im Betrage von 1633 Franken aufzubürden.

«Mündliche Zusage»

Er habe 2010 mit dem Eigentümer mündlich abgemacht, die Grundstücke bis Ende dieses Jahres zu pflegen und zu bewirtschaften und dafür 1000 Franken bezahlt, erklärte der Beklagte. Danach werde man über den Preis neu verhandeln. Allerdings habe er versäumt, die amtliche Deklaration über die Bewirtschaftung abzugeben.

Der Kläger erklärte vor Gericht, dass er mit der Vertreterin des Grundeigentümers – der aus gesundheitlichen Gründen leider keine Auskunft mehr geben kann – einen Pachtvertrag über die 2,5 Hektaren umfassenden Grundstücke abgeschlossen und den Pachtzins bezahlt habe. Er habe daher dem Schafhalter in einem eingeschriebenen Brief mitgeteilt, dass er auf dem fraglichen Grundstück «nichts mehr zu suchen» habe und dass er mit seinen Schafen «abfahren» solle. «Ich habe Vieh im Stall und bin auf dieses Futter angewiesen», sagte er. «Dieses Futter fehlt mir. Das ist nicht nichts.» Der Kläger machte denn auch eine Schadenersatzforderung von rund 2200 Franken geltend.

Beweis nicht erbracht

Bezirksgerichtspräsident Hans-Rudolf Rohr sprach den Beklagten von Schuld und Strafe frei. «Die Staatsanwaltschaft muss den Beweis für die Schuld erbringen», stellte er fest. «Dieser strafrechtliche Beweis ist aber nicht erbracht.» Einiges spreche dafür, dass eine mündliche Vereinbarung zwischen dem Grundeigentümer und dem Beklagten bestanden habe.

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