«Wenn man bedenkt, mit was für groben Maschinen diese jungen Menschen normalerweise arbeiten, und man dann sieht, was sie hier Feines, Kreatives liefern, dann wird klar, dass das Sprichwort ‹Harte Schale – weicher Kern› zutrifft.» Mit diesen Worten beschreibt Alex Simmen, Gesamtschulleiter und Leiter Technik/Natur am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (BWZ), die Ausstellung der Herbarien.

Wie jedes Jahr haben die angehenden Aargauer Forstwarte im dritten Lehrjahr über Monate hinweg verschiedene Baum- und Straucharten gesammelt. Diese präsentieren sie am Dienstagabend im Foyer des BWZ einem interessierten Publikum.

Versteckte Talente fördern

Doch sind Herbarien überhaupt noch zeitgemäss oder sind sie einfach verstaubte Reliquien, die vom Lehrplan gestrichen werden sollten? Alex Simmen und Fachlehrer Richard Plüss sind überzeugt, dass die Lehrlinge von dieser Projektarbeit profitieren. Durch das Sammeln und Beschriften beschäftigten sie sich intensiv mit den einzelnen Pflanzen und vertieften ihr Wissen. Auch versteckte Talente würden gefördert, denn so mancher Schüler sei plötzlich kreativ geworden.

Tatsächlich zeugen die Herbarien von grossem Ideenreichtum und handwerklichem Geschick. Manche erscheinen in Form einer modern anmutenden Schrankwand mit ausziehbaren Schubladen. Andere sind in Möbelstücke integriert, etwa in einer Tischplatte oder in der Sitzfläche eines Banks, der aus einem Baumstamm gefertigt wurde. Wieder andere sind in einem überdimensionalen Ordner aus Holz oder einer mit Rinde, Moos und Tannenzapfen beklebten Kiste platziert. Mit Holzschnitzel, Tannästen oder sogar einem ausgestopften Fuchs dekoriert, sind die Werke optisch ansprechend und würden sich auch gut in der Wohnung machen.

Eine besondere Herausforderung war das Konservieren, denn nicht alle Äste lassen sich gleich gut pressen. Nadelhölzer zum Beispiel deformieren leicht. Doch die 24 jungen Männer und Frauen fanden für dieses Problem kreative Lösungen. Manche verwendeten frische Nadelhölzer, andere, wie Michael Jakob (18) vom Forstrevier Bottenwil, schlossen sie in Giessharz ein. Es sei sehr aufwendig gewesen, erzählt er. Das Machen habe Spass gemacht, das Sammeln hingegen weniger.

Die Herbarien werden bewertet und ergeben mit mehreren Prüfungen zusammen eine Note. Was er auf den ersten Blick so gesehen habe, erfülle jedoch die Anforderungen und sogar darüber hinaus, sagt Plüss in einer kurzen Rede. Es sei sicher keine leichte Arbeit gewesen. So manche seien in den letzten zwei Wochen noch unter Druck geraten. Er habe den einen oder anderen verzweifelten Telefonanruf erhalten, führt Plüss augenzwinkernd aus. Damit provoziert er allgemeines Gelächter und einige ertappte Gesichter.

Auf jeden Fall können sich die Ergebnisse sehen lassen. Und falls den zukünftigen Forstwarten die Arbeit im Wald einmal verleiden sollte, können sie getrost auf eine Karriere als Künstler oder Möbelbauer setzen.