Bezirksgericht Brugg
Handy-Dieb und Autoknacker erhält 10 Monate Gefängnis und 10 Jahre Landesverweis

Das Bezirksgericht verweist einen 34-jährigen Rumänen wegen mehrfachen Diebstahls zu 10 Jahren des Landes.

Claudia Meier
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Der Rumäne hatte mit einem Stein die Verglasung der Eingangstür zum Mobilezone-Laden am Neumarktplatz eingeschlagen. CM

Der Rumäne hatte mit einem Stein die Verglasung der Eingangstür zum Mobilezone-Laden am Neumarktplatz eingeschlagen. CM

Claudia Meier (cm)

Für Dacian (Name geändert) war es eine spontane Aktion mit schwerwiegenden Folgen: Im Juli 2017 warf er an einem Montagmorgen kurz vor 4 Uhr einen grossen Stein in die Verglasung der Haupteingangstüre von Mobilezone am Neumarktplatz in Brugg und stieg ins Verkaufslokal ein.

Von dort entwendete der Rumäne zwei ausgestellte Mobiltelefone der Marke Samsung im Wert von 1300 Franken. Doch weit kam er damit nicht. Die alarmierte Polizei konnte wenig später mit einem Diensthund den 34-jährigen Einbrecher, der sich in einem Gebüsch versteckt hatte, aufspüren und festnehmen. Seither sitzt Dacian im Untersuchungsgefängnis.

Diese Woche musste sich der rundliche Rumäne, graue Trainerhose und waldgrüne Faserpelzjacke tragend, vor Einzelrichter Sandro Rossi am Bezirksgericht Brugg verantworten. Angeklagt war Dacian wegen mehrfachen Diebstahls (zum Teil versucht), mehrfacher Sachbeschädigung sowie Hausfriedensbruch.

Stellung nehmen musste der Beschuldigte nicht nur zum Vorfall in Brugg, sondern auch zu zwei vor dem 24. Juli aufgebrochenen Autos. Aus einem Fahrzeug in Riehen (BS) entwendete er ein defektes Handy, eine Freisprechanlage sowie zwei Power Banks. Mangels vorgefundener Wertgegenständen verliess der Beschuldigte den Tatort in Basel ohne Deliktgut.

Betrunken und ohne Handy

Zu den Zukunftsperspektiven befragt antwortete Dacian dem Richter über seine Dolmetscherin: «In der Schweiz habe ich meine grösste Lektion gelernt. Ich möchte künftig arbeiten.» In Rumänien war er schon als Automechaniker und Chauffeur tätig. Dacian kam aber auch schon oft mit dem Gesetz in Konflikt. Unter anderem wegen Schlägereien und Diebstählen wurde er in seinem Heimatland zu insgesamt 15 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er über 6 Jahre abgesessen hatte. Eine zentrale Rolle in Dacians Leben spielt der Alkohol. «Seit ich 18 Jahre alt bin, trinke ich pro Tag zwischen 5 und 7 Flaschen Bier.»

Betrunken sei er auch in jener Juli-Nacht in Brugg gewesen, als er beim Mobilezone-Laden in Brugg vorbeiging, die Auslage im Schaufenster sah und beschloss, sich mit dem Einbruch ein Handy zu beschaffen. «Aber nach 5 Minuten wurde ich schon verhaftet und habe die Telefone zurückgegeben», betonte der Rumäne.

Während des Prozesses machte der Beschuldigte immer wieder Ausführungen, nach denen er gar nicht gefragt wurde. Zudem bestritt er die beiden Vorfälle mit den aufgebrochenen Autos und erklärte, er hätte die Elektro-Geräte im Abfall gefunden. «Es gibt Säcke voll Elektroschrott. Jeder Ausländer hat Geräte, die er im Abfall gefunden hat.» Dass auf einem Stein, der in einem aufgebrochenen Auto gefunden wurde, seine DNA gefunden wurde, wollte Dacian, der in der Schweiz keinen Wohnsitz hat, nicht wahrhaben: «Das ist eine Inszenierung. Sie wollen damit nur meine lange Haftstrafe rechtfertigen.»

Genugtuung für Überhaft

Dacians Verteidiger kritisierte das lange Verfahren aufgrund von Verzögerungen durch die Basler Polizei sowie dem Nicht-Auftauchen des Dolmetschers am Gericht und forderte für die Vorfälle in Riehen und Basel mangels Beweisen Freisprüche. Zu prüfen sei ausserdem, ob der Beschuldigte nicht für Überhaft mit 200 Franken pro Tag plus 5 Prozent Zins entschädigt werden müsste. Denn für eine vergleichsweise harmlose Tat sei die bisherige Haftstrafe von 7 Monaten schon sehr lange. Auch den von der Staatsanwaltschaft beantragten Landesverweis von 10 Jahren erachtete der Verteidiger als unverhältnismässig.

Richter Rossi folgte in seinem Urteil dem Antrag in der Anklageschrift und verurteilte Dacian zu 10 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt und einem Landesverweis von 10 Jahren. Er verwies in seiner Begründung auf die DNA-Spur und die Widersprüche in den Aussagen des Beschuldigten. Dacian sei ein europaweit tätiger Gelegenheitsdieb, an denen die Schweiz kein Interesse habe.