Windisch

Hätte ein zweiter Anlauf jetzt mehr Chancen?

Windisch (hier von einem Hochhaus fotografiert) sucht nach Wegen aus der Finanzmisere.  BY

Windisch (hier von einem Hochhaus fotografiert) sucht nach Wegen aus der Finanzmisere. BY

Vor drei Jahren wurde in einem Volksentscheid der Antrag zum Verkauf des Windischer Elektrizitätswerks abgelehnt. Schon damals war der Schritt als mögliche Rettung aus der Schuldenfalle gedacht.

Heute, da sich Windisch finanziell in einer ähnlichen Situation befindet, wird das Thema offenbar frisch aufgegriffen: «Ich appelliere an alle Stimmberechtigten, Einwohnerräte und Behörden, nachzudenken, ideologische Scheuklappen abzuwerfen und den Verkauf des Elektrizitätswerkes Windisch erneut anzugehen».

So schreibt Paul Küng, ehemaliger FDP-Gemeinderat in Windisch, in seinem Leserbrief in der az Aargauer Zeitung. Darin lehnt er die Pläne des Gemeinderats ab, den Steuerfuss zu erhöhen, und zweifelt darüber hinaus den Sinn der vom Gemeinderat beantragten Investitionen an, über die der Einwohnerrat gleichzeitig zu befinden hat. Sie würden «in die Millionen gehen», stellt Küng fest, und es sei dahingestellt, ob tatsächlich alles notwendig sei.

Ausgaben und Einnahmen in Einklang bringen

Zurück zum EW-Verkauf: Was Paul Küng als «stille Reserven» sieht, die es jetzt zu realisieren gelte, nennt Einwohnerrat Heini Glauser (SP) eine Cashcow: «Das Elektrizitätswerk spült uns jährlich Geld in die Kasse. Warum sollen wir diese Einnahmequelle jetzt veräussern?» Er, Glauser, war im Jahr 2008 massgeblich daran beteiligt gewesen, dass der Antrag abgelehnt worden ist. Für ihn ist ein anderer Ansatz ausschlaggebend: «Wir haben ein strukturelles Problem im Ort. Es geht doch darum, wie wir Ausgaben und Einnahmen in Einklang bringen können.» Glauser mag die Dramatik der finanziellen Situation in Windisch auch nicht als solche anerkennen. Er sieht die Gemeinde im Gegenteil auf einem positiven Weg. Die Schulden seien, auch dank der tiefen Zinsen, noch nicht alarmierend.

Nach wie vor Gesprächsthema

Die Gemeinde sieht das anders und versucht nun, Gegensteuer zu geben. Gemeindeammann Hanspeter Scheiwiler berichtet diesbezüglich von verschiedenen Massnahmen, die dem Einwohnerrat gleichzeitig mit dem Antrag auf Steuererhöhung vorgelegt werden sollen. Man sei sich bewusst, dass jetzt etwas getan werden müsse. Worum es sich dabei konkret handelt, möchte Scheiwiler nicht sagen. Er dementiert nicht, dass die «neue alte» Idee, das Elektrizitätswerk zu verkaufen, nach wie vor ein Gesprächsthema ist. Gleichzeitig relativiert er aber, heutige Angebote würden nicht mehr das Niveau der Offerten von 2008 erreichen. Damals hatten drei Firmen für das EW Windisch zwischen 18 und 24,7 Millionen Franken geboten.

Das bestätigt auch Josef Riechsteiner seitens der Geschäftsleitung der IBB-Gruppe, die damals mitgeboten hatte: «Die Preise am Markt haben sich seither nach unten verändert». Und, obwohl man durchaus an Verhandlungen interessiert sei, konzentriere sich die IBB momentan mehr auf Partnerschaften als auf Übernahmen.

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