Auf dem Eisfeld beim Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch herrscht an diesem Donnerstagabend, einen Tag nach der Eröffnung, reger Betrieb. Kinder kurven mal gekonnt, mal mit Eislaufhilfen auf dem Eisfeld herum. Im Chalet und davor sitzen warm eingepackte Leute vor ihren dampfenden Tassen. Mitten unter ihnen sind Mirko und Aurel Hess sowie Vivienne Widmer. In den Händen halten sie Glühwein. Aber nicht irgendeinen, sondern Glühwein aus ihrer eigenen Mischung.

Im Frühling dieses Jahres entschlossen sich die Brüder Hess dazu, ihr eigenes Start-up zu gründen. Ihre Idee: Authentische Premium-Glühwein-Mischungen anbieten, die der Kunde zu Hause einfach selber zubereiten kann. «In der Form gab es das vorher noch nicht. Da dachten wir, wir haben nichts zu verlieren», sagt Mirko Hess. Auf den Gedanken, auf Glühwein zu setzen, kamen sie durch ihre Besuche bei ihrem Grossonkel Peter Studer, der seit mehr als 25 Jahren auf Bali lebt. Die Brüder Hess besuchen ihren Grossonkel seit Jahren regelmässig während drei bis vier Wochen. Bei ihrem Besuch im letzten Jahr seien sie in Kupang im Pool gesessen und hätten darüber sinniert, dass die Gewürze, die für Glühwein verwendet werden, fast ausschliesslich aus Indonesien stammen, erzählt Mirko. Das war der Startschuss zu ihrer Firma Gluehweinwerk.ch.

Brüder sind grafisch versiert

Zurück in der Schweiz, mit einigen Gewürzen im Gepäck, fing Mirko an, kleine Päckchen davon abzupacken. Er trocknete Zitronen und Orangen und gestaltete Etiketten. Die Päckchen verteilte der 22-Jährige anschliessend an Familie und Freunde und holte sich ihr Feedback ein, das durchweg positiv war. Die Päckchen waren schnell vergriffen und Mirko sah sich in seinem Vorhaben, ein Start-up zu gründen, bestätigt. Sein 18-jähriger Bruder Aurel war zu diesem Zeitpunkt eher im Hintergrund tätig. «Eines Tages kam Mirko mit einer konkreten Idee für eine Zusammenarbeit zu mir ins Zimmer», sagt Aurel. Er studiert Grafikdesign in der Fachklasse in Luzern, weshalb schnell klar war, dass er für die grafische Arbeit zuständig ist. Aber auch Mirko, der Designmanagement an der Hochschule Luzern, studiert, beherrscht das Grafische.

Neben den zwei Brüdern ist auch Vivienne Widmer aus Birrhard mit an Bord. Sie studiert an der Pädagogischen Hochschule in Brugg-Windisch und kennt Mirko noch von der gemeinsamen Bez-Schulzeit her. Die 21-Jährige traf Mirko just auf dem letztjährigen Campus-Eisfeld wieder, wo Mirko ihr gleich eines seiner Glühweinpäckchen anbot. Von da an gehörte sie zum Team. Sie ist für die Social Media-Kanäle von Gluehweinwerk.ch zuständig und macht das, was gerade anfällt, sei es abpacken oder ausliefern. Beim Abpacken der Glühmix-Mischungen helfen den dreien Familie und Freunde.

Mit App Sprache gebüffelt

Im Frühling dieses Jahres reisten Mirko und Aurel erneut nach Indonesien, aber diesmal nicht, um Ferien zu machen, sondern um Plantagen zu besuchen und Gewürze von einem kleinen Familiengeschäft zu beziehen. Mit ihrem Grossonkel Peter besuchten sie Zimt-, Nelken-, Muskat- und Ingwerplantagen. «Es war schön, zu sehen, wie all unsere Gewürze wachsen und geerntet werden», sagt Aurel. Zugute kam den Brüdern auch, dass Mirko die Sprache der Einheimischen, Bahasa Indonesia, spricht. «Ich habe mir während den Ferien immer etwas von der Sprache angeeignet, später aber vieles wieder vergessen. Irgendwann dachte ich, jetzt will ich es richtig können und habe angefangen, mit einer App Wörter zu büffeln», erzählt Mirko. Dank seinen Sprachkenntnissen konnte er mit den Plantagenarbeitern und den Gewürzpartnern tiefgründigere Gespräche führen, was eine sehr schöne Erfahrung gewesen sei.

Mit Koffern voller Gewürzen verliessen die Brüder Indonesien. Daheim in Habsburg angekommen, machten sie sich daran, die perfekten Mischungen auszuwählen. «Wir haben mit Szechuanpfeffer, Kiwi, Bananen, Lorbeerblätter und vielen anderen Zutaten experimentiert», sagen die beiden. Am Schluss standen drei Mischungen fest: Der Glühmix klassisch, der neben Zimt, Sternanis, Nelken und Kardamom auch selbstgetrocknete Orangen aus Portugal enthält, der Glühmix intensiv, der anstelle von Sternanis und Kardamom Muskatblüten und Ingwer sowie selbstgetrocknete Äpfel vom Loorhof in Lupfig enthält, sowie der Glühmix süsslich, dem Koriandersamen und selbstgetrocknete Datteln aus der Türkei beigemischt sind. Mirkos und Aurels Favorit ist der intensive Glühmix, Vivienne mag am liebsten die süssliche Mischung mit Weisswein.

Auf dem Campus-Eisfeld in Brugg-Windisch ist bis zum 13. Januar jeden Abend eine andere Mischung erhältlich. Zusätzlich können die Mischungen direkt vor Ort gekauft werden. Mit einem Glühmix können drei Liter Glühwein gemacht werden. Über ihren Onlineshop kann man die Mischungen ebenfalls kaufen. Die drei setzen voll auf ihren Webshop als Hauptvertriebskanal. «Ein Ladenlokal ist nicht geplant.» 1500 Päckchen hätten sie bereits verkauft. «Die Leute verschenken die Glühmix-Mischungen als Weihnachtsgeschenke», sagen die drei.

Nächste Stationen in Baden

Neben dem Eisfeld-Campus kann der Glühwein von Gluehweinwerk.ch morgen Sonntag am Royalen Markt in Baden sowie am 28. November am Liechterwecke, ebenfalls in Baden, probiert und die Mischungen direkt vor Ort gekauft werden. Auch am Adventsverkauf der Weinkeller Riegger AG in Birrhard am 8. Dezember sind ihre Mischungen erhältlich. Noch bis zum 6. Januar wird ihr Glühwein zudem in der Fonduehütte von Humbel in Baden ausgeschenkt.

Was sie im Sommer, wenn Glühwein kein Thema mehr ist, machen wollen, wissen die drei noch nicht. «Es sind Pläne vorhanden, aber noch ist nichts konkret», sagt Mirko. Läuft diese Glühweinsaison gut, sind die drei zuversichtlich, dass es auch im nächsten Winter wieder Glühwein von Gluehweinwerk.ch geben wird.