Galerie Immaginazione
«Habe noch viele ungemalte Bilder im Hinterkopf»: Brugger Künstlerin Elke Delimar zeigt ihr Lieblingswerk

Zum sechsjährigen Bestehen der Galerie Immaginazione in Brugg zeigen 20 Kunstschaffende ihre Lieblingswerke. Menschen und Vögel sind bei Elke Delimar aus Windisch ein thematischer Dauerbrenner.

Claudia Marek
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Elke Delimar in ihrem Atelier in Windisch mit einem der Bilder, das sie ausstellen wird.

Elke Delimar in ihrem Atelier in Windisch mit einem der Bilder, das sie ausstellen wird.

Claudia Marek

Zahlreiche Porträts findet man im Atelier von Elke Delimar. Sie hängen an den Wänden oder stapeln sich in einer Ecke. «Ich habe ein permanentes Interesse am Menschen», sagt die Künstlerin aus Windisch schmunzelnd. Die Gestik, die Mimik, die Bewegung, kurz das Individuelle eines Menschen wolle sie festhalten.

Für die Ausstellung in der Galerie Immaginazione in Brugg, bei der alle Künstler zwei ihrer Lieblingswerke ausstellen, hat Elke Delimar ein Bild ausgesucht, das ein Paar in Rückenansicht zeigt. Hand in Hand gehen die Beiden unbeobachtet die Treppe hinunter. Das atmosphärische Bild, ein Spiel zwischen Licht und Schatten, gibt für einen Augenblick die Vertrautheit zwischen dem Paar preis, obwohl ihre Gesichter nicht erkennbar sind.

Vorwiegend der Spachtel und weniger der Pinsel

Das andere Bild zeigt eine Gruppe von Möwen. Die gewandten Flugkünstler kreisen über einem bestimmten Punkt. Es scheint, als würde gleich etwas passieren. Trotzdem bewegen sie sich spielend in dem Spannungsfeld zwischen Himmel und Erde. «Die glorreichen Sieben», so der Titel des Werks. Die Sehnsucht nach dem Meer, das Gefühl der Freiheit, haben sie zu diesem Bild animiert, erklärt die Künstlerin.

«Die Malerei ist ein wunderbares Ventil das Augenblicksempfinden wiederzugeben», erklärt Elke Delimar. «In der Kunst bin ich weder Mutter, noch Ehefrau, sondern einfach Elke», führt sie aus.

Seit einiger Zeit hat sie ihren Malstil verändert und benutzt vorwiegend den Spachtel und weniger den Pinsel. Das gebe ihr eine neue Freiheit, mehr Bewegung in das Bild zu bringen, Dinge offen zu lassen und dem Betrachter dadurch mehr Raum für eigene Gedanken zu geben.

Aus Vernunft eine Aus­bildung in der Sozialversicherung

Ihre Liebe zur Malerei ent­deckte sie bereits in Kindertagen. Die 54-Jährige wuchs im schwäbischen Kochertal auf, der Vater ist Architekt. Von einem Stoss übrig gebliebener Pläne durften sich die Kinder bedienen und die Rückseite des Papiers be­malen. Der Effort der Kinder sei durchaus honoriert worden, und die Eltern hätten die frühen Kunstwerke im Hobbyraum aufgehängt, erzählt Elke Delimar. Nach dem Abitur habe sie nicht beharrlich genug auf das Kunststudium bestanden und aus Vernunft eine Aus­bildung in der Sozialversicherung absolviert. Glücklicher­weise sei sie vorwiegend im Aussendienst tätig gewesen, denn der Kontakt zu den Menschen sei ihr schon damals wichtig gewesen.

Nach einigen Jahren am Bodensee und in Berlin zogen Elke Delimar und ihr Mann vor 20 Jahren in die Schweiz. Erst als ihre zwei Kinder Malkurse besuchten, wurde in der Künstlerin wieder die Sehnsucht nach der Malerei geweckt. «Das Leben geht Umwege, aber am Ende ist man doch da, wo man hin will», sagt sie lächelnd. Von da an besuchte sie Kurse und Weiterbildungen, unter anderem in Porträt- und Aktmalerei, und fand ihren ganz eigenen Stil.

Ein stimmungsvoller Ort mit tollen Gastgebern

Ihre Inspiration holt sie sich aus den Begegnungen mit Menschen, Lebenssituationen und persönlichen Stimmungen. «Ich habe noch viele ungemalte Bilder im Hinterkopf», sagt die Künstlerin augenzwinkernd. Die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten treibt sie weiter voran.

Elke Delimar freut sich, zusammen mit 19 Künstlerinnen und Künstlern an der Ausstellung zum sechsjährigen Bestehen der Galerie Immagi­nazione teilzunehmen. «Ich schätze die Vielfältigkeit von Gruppenausstellungen und bin sicher, dass Regula und Claudio Cassano für jedes Werk einen guten Platz in der Galerie finden werden», sagt sie überzeugt.

Die Künstlerin besucht fast jede Vernissage, die in der Galerie stattfindet und hat viele Bekanntschaften geschlossen. «Es ist ein stimmungsvoller und toller Ort mit wunderbaren Gastgebern», schwärmt sie. «Ein Ort, an dem ich mich wohlfühle und der mich immer wieder auf neue Ideen bringt.»

Die Vernissage findet am Donnerstag, 5. November, 18.30 Uhr, statt. Sie wird von Luca Affolter musikalisch begleitet. Am Freitag, 6. November, findet der Liveauftritt «Hikohki Gumo» mit Georg Traber um 18.30 Uhr statt.

Ausstellung Freitag, 6. November, 18.30 Uhr; Samstag, 7. November, 10 bis 15 Uhr; Sonntag, 8. November, 11 bis 15 Uhr; Galerie Immaginazione, Brugg.