Ursprünglich hätten die Mitglieder des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) Sektion Brugg schon bei der ordentlichen Generalversammlung im Januar über die Kletterhalle im ehemaligen Rekrutierungszentrum in Unterwindisch abstimmen sollen. Das Traktandum war dann aber kurzfristig zurückgezogen worden. «Es gab damals einfach noch zu viele offene Punkte», sagt an der ausserordentlichen Generalversammlung am Mittwoch SAC-Sektionspräsident Heinz Frei. Vor allem die Sponsorengelder, 80'000 Franken, hatten zum grössten Teil noch gefehlt. Inzwischen seien diese aber sicher, informierte Frei. Man habe sogar schon 110'000 Franken zusammen.

Handschlag auf den erreichten Deal: SAC-Sektionspräsident Heinz Frei (links) und Faro-Co-Geschäftsführer Dani Hohler.

Handschlag auf den erreichten Deal: SAC-Sektionspräsident Heinz Frei (links) und Faro-Co-Geschäftsführer Dani Hohler.

450'000 Franken soll die Kletterhalle kosten. 165'000 Franken werden aus dem Swisslos-Sportfonds des Kantons stammen. 100'000 Franken will der SAC Brugg aus seinem Vereinsvermögen beisteuern. Weitere 100'000 Franken gibt die Stiftung Faro dazu, die dem SAC die für die Kletteranlage erforderliche Sporthalle vermietet.

Diese steht auf dem Kunzareal in Unterwindisch, dem früheren Rekrutierungszentrum der Armee, wo die Stiftung Faro ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung plant. Eigentlich sollte sie die 100'000 Franken als Zuschuss gewähren. Doch jetzt wurde daraus ein zinsloses Darlehen. «Das Faro-Stiftungsreglement sieht solche Schenkungen leider nicht vor. Aber es ist okay für uns», erklärt Frei auf Nachfrage.

Viel Hilfe bei Sponsorensuche

Besänftigt wurde der SAC von der Zusage seitens der Stiftung, das Swisslos-Geld vorzustrecken. Denn das wird erst ausbezahlt, wenn die Kletterhalle gebaut und in Betrieb gegangen ist. Auch diesen Betrag wird Faro zinslos gewähren. Ausserdem hat die Stiftung Faro Frei zufolge stark bei der Sponsorensuche geholfen: «Drei Viertel der Beträge sind durch deren Unterstützung zustande gekommen.»

Zweigeteilt wird die Sporthalle – in einen Bereich mit klassischer Kletterwand und in einen grösseren Teil, wo Bouldern stattfindet, das Klettern ohne Seil in geringeren Höhen. «Die Kletterwand wird mit 7,33 Metern im Vergleich zu Anlagen wie dem Kraftreaktor Lenzburg nicht allzu hoch, aber dennoch mit spannenden Elementen versehen sein», sagt Mitinitiant Roland Jakob. Die Boulder-Wände seien bis 4,5 Meter hoch. Dicke Matten am Boden schützten die Kletterer bei Stürzen vor Verletzungen. Diese werden in der Halle aber unter sich sein. Denn angestellte Aufsichtspersonen sind keine vorgesehen. Am Eingang wird ein Drehkreuz stehen, das Einlass gewährt. Zudem werde der Eingangsbereich videoüberwacht, kündigt Frei an. Vorgesehen ist, den Zugang zur Kletterhalle auch in den Abendstunden zu ermöglichen. Gerate ein Nutzer in Schwierigkeiten, könne er zudem einen Notknopf betätigen, der Hilfe alarmiert.

Die schwarze Null ist das Ziel

15 Franken kostet das Einzelbillett, 150 Franken die 11er-Karte, 250 Franken das Halbjahres- und 350 Franken das Jahresabo. Für Mitglieder von SAC und Stiftung Faro gibt es Ermässigungen. «Damit sind wir um bis zu 40 Prozent günstiger als kommerzielle Anlagen», sagt SAC-Kassier Hannes Brunner. Gewinnorientiert darf das Projekt auch nicht sein, sonst bekäme es vom Kanton kein Geld. Brunner: «Wir wollen lediglich eine schwarze Null schreiben.» 60'000 Franken Erträge sind für 2020, dem ersten Betriebsjahr, budgetiert. Bisher hat der Verein im Schnitt jährlich rund 34'000 Franken eingenommen. Dies in den beiden bestehenden Anlagen des SAC: Kletterwand «Dägerli» in Windisch und Boulderraum «Gravity in Brugg. Beide Standorte sollen nun aufgegeben werden.

Die neue Anlage soll also deutlich mehr einbringen. Brunner: «Sie ist ja auch viermal so gross und viel attraktiver.» Vor allem auf das Bouldern setzt der SAC. «Bouldern ist ein Trendsport und wird noch beflügelt, wenn es 2020 olympisch ist», prophezeit Frei.

Faro-Co-Geschäftsführer Dani Hohler bedankte sich am Mittwoch bei den SAC-Mitgliedern für das einstimmige Ja-Votum. «Wir unterstürzen das Projekt, weil wir auch unserer Klientel das Klettern ermöglichen wollen. Die Anlage wird ein Ort der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sein.»