Für den Weg zum Geschäftstermin und Einkauf oder für die Rückfahrt nach dem Restaurantbesuch wird das neue Mobilitätsangebot «Kollibri» lanciert im Raum Brugg. Diese Kombination zwischen Taxi und Postauto existierte bisher nicht in der Schweiz.

Ein Kleinbus mit professionellem Fahrer bringt die Fahrgäste von Tür zu Tür. Bestellt wird das Fahrzeug via App auf dem Smartphone, bezahlt wird per Kreditkarte. Es besteht weder ein fixer Fahrplan noch ein festes Streckennetz. Der Kleinbus wird gemeinsam genutzt mit weiteren Fahrgästen, die auf einer ähnlichen Route unterwegs sind.

Für das einjährige Pilotprojekt spannt Postauto zusammen mit den Partnern Amag und SBB sowie mit dem Kanton Aargau und dem Bundesamt für Verkehr. Bester Laune waren die Beteiligten beim Startschuss gestern Donnerstag im Fachhochschul-Campus Brugg-Windisch. Dem «Kollibri» – nicht nur ein flinker, sondern auch ein sympathischer und intelligenter Vogel – wurde ein erfolgreicher Flug und eine gute Aufnahme in der Bevölkerung gewünscht.

«Kollibri» schliesst Lücke

Von individueller als auch innovativer Mobilität war die Rede, es fielen die Stichworte Flexibilität oder gesamtheitliche Lösung. Denn die Mobilität werde sich – Thema Digitalisierung – in Zukunft verändern. Es gehe darum, in den nächsten zwölf Monaten Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse zu gewinnen zur möglichen Entwicklung, sagten Michel Berchtold, Regionenleiter SBB, sowie Martina Müggler, Leiterin Strategie und Innovation bei Postauto.

«Wir werden viel lernen.» Aber es gehe nicht darum, betonte Martina Müggler, eine Konkurrenz aufzubauen zum bestehenden Angebot von öffentlichem Verkehr und Taxi-Unternehmen. Vielmehr handle es sich um eine Ergänzung, schliesse der «Kollibri» eine Lücke. Angesprochen werden sollen auch Menschen, die bis anhin selten mit dem öV unterwegs waren.

Martina Müggler gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass mit dem Brugger Taxi und Taxi 24 zwei lokale Unternehmen mit an Bord sind für den täglichen Betrieb. Dass lokale Partner eingebunden werden, sei auch dem Stadtrat ein Anliegen gewesen, sagte Bruggs Vizeammann Leo Geissmann. Die Behörde sei offen für die Entwicklung neuer Mobilitätsansätze, hob der Vizemann hervor und erwähnte den seinerzeitigen Versuchsbetrieb mit den mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellenpostautos in der Region.

Der Raum Brugg mit Zentrum und Agglomeration eigne sich gut für das Pilotprojekt «Kollibri», pflichtete Dino Graf von der Amag bei. Es sei hoch spannend, neue Formen auszuprobieren.

Preis ist nicht immer gleich

Ab sofort stehen in 17 Gemeinden insgesamt 5 – gut sichtbar beschriftete – Kleinbusse für je maximal 7 Personen zur Verfügung. Sie können für beliebige Fahrten gebucht werden. Via App auf dem Smartphone wählen die Kunden den Start- und Zielort. Während der Fahrt können weitere Fahrgäste mit einem ähnlichen Reiseweg zusteigen. Der Kleinbus werde, erklärte Projektleiter Mirco Mäder, zu einer Art Sammeltaxi. Dadurch könne sich die Fahrzeit eines einzelnen Fahrgasts zwar leicht verlängern, dafür sinke der Preis. Dieser bewege sich im Bereich zwischen den Tarifen des öffentlichen Verkehrs und der Taxi-Anbieter, sei neben der Anzahl Mitfahrer auch abhängig von Route und Zeitpunkt.

Die Berechnung und Bezahlung erfolgen via App. Genau wie der Preis, werden die Zeiträume für die Abfahrt und Ankunft bei der Buchung angegeben. Von Sonntag bis Donnerstag fahren die Kleinbusse von 6 bis 24 Uhr, am Freitag und am Samstag von 6 bis 2 Uhr.