Brugg

Grünliberaler Einwohnerrat will Tempo 20 beim Eisi – Stadt soll Begegnungszone prüfen

Aus der Verkehrsfläche um den Eisi-Platz könnte mit dem Vorschlag von Markus Lang ein Begegnungsraum entstehen.

Aus der Verkehrsfläche um den Eisi-Platz könnte mit dem Vorschlag von Markus Lang ein Begegnungsraum entstehen.

Einwohnerrat Markus Lang beantragt per Motion, die Einrichtung einer Begegnungszone im Zentrum zu prüfen.

Erst zwei Wochen ist es her, seit das Brugger Stimmvolk der Einführung von Tempo 30 an der Urne eine deutliche Abfuhr erteilt hat. Konkret wurde der für die Umsetzung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen beantragte Kredit von 272'000 Franken mit 1506 Ja- zu 1992 Nein-Stimmen abgelehnt. Doch für den grünliberalen Einwohnerrat Markus Lang ist klar, dass man jetzt nicht die Hände in den Schoss legen darf, sondern die Diskussion zur Verbesserung der Verkehrssicherheit fortsetzen und weiterarbeiten muss: «Von der Gegnerseite sind leider keine konstruktiven Vorschläge zu erwarten.»

Aus diesem Grund hat Markus Lang am vergangenen Freitag beim Büro des Einwohnerrats eine Motion «betreffend Einrichtung einer Begegnungszone im Zentrum Brugg» eingereicht. Damit will er den Stadtrat einladen, dem Einwohnerrat Bericht und Antrag zur Einrichtung einer Begegnungszone zwischen Einmündung Paradiesstrasse/Badenerstrasse und Fussgängerstreifen Laurstrasse auf der Höhe des Schweizer Bauernverbands zu stellen.

Weiterhin Vortritt für Fussgänger

Als Begründung fügt Lang an, dass bei der Volksabstimmung «insbesondere der Wegfall von Fussgängerstreifen im Bereich Eisi als gefährlich wahrgenommen wurde». Dies vor allem deshalb, weil der rollende Verkehr bei Tempo 30 auf der Strasse Vortritt hat. «Die Gegner der damaligen Vorlage betonten, dass sie nicht grundsätzlich gegen Tempo 30 seien, sondern insbesondere das Wohl der schwächeren Verkehrsteilnehmer im Auge hätten», fährt Lang fort. Da davon auszugehen sei, dass Verkehrssicherheit wie Wohnqualität nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung haben, gelte es nun, gezielt Massnahmen umzusetzen, die punktuell greifen und den Bedenken in Bezug auf die Sicherheit Rechnung tragen.

«Der Zentrumsbereich mit viel rollendem Verkehr und zahlreichen Fussgängern auf verschiedensten Verkehrsachsen ist prädestiniert für eine Begegnungszone», so der Grünliberale. Fussgänger geniessen in einer Begegnungszone Vortritt, dürfen den Verkehr jedoch nicht unnötig behindern. Es gilt Tempo 20.

«Verkehrsfluss ohne Stockungen»

Mit dem jetzigen Verkehrsregime gibt es laut Lang ein ständiges «Stop-and-go», ein gewisser Anteil von Verkehrsteilnehmern muss immer warten. «Die Erfahrungen mit bestehenden Begegnungszonen zeigen auf, dass ein ruhiger und kontinuierlicher Verkehrsfluss ohne Stockungen entsteht», hält der 56-Jährige fest. Mit einer Begegnungszone könne das zentrale Gebiet zwischen Neumarkt und Eisi von einem Verkehrsraum in einen hochwertigen städtischen Raum mit Identifikations- charakter verwandelt werden. Damit werde das alte Problem gelöst, an dem Brugg schon seit Jahrzehnten krankt: Wie bringt man Neumarkt und Altstadt zusammen? «Brugg muss endlich einen grossen Schritt vorwärtsmachen», sagt Lang. Die Begegnungszone wirke sich nicht nur positiv auf das Verkehrsgeschehen aus, sondern habe wesentlichen städtebaulichen Einfluss.

Seit 17 Jahren entstehen überall in der Schweiz Begegnungszonen. Oft wird laut Lang vor der Einführung von Begegnungszonen diesen Projekten mit Skepsis begegnet und es formiert sich Widerstand. «Die Bedenken lösen sich nach der Einführung aufgrund der positiven Erfahrungen auf.»

Niemand will altes Regime zurück

Aus der Verkehrsfläche entstehe ein Begegnungsraum, der allen Verkehrsteilnehmern mehr Sicherheit bietet. «Davon profitieren am Schluss auch die Gewerbetreibenden», ist Markus Lang überzeugt. Dass es nun in einem Leserbrief von SVP-Seite heisst, mit der Forderung nach einer Begegnungszone respektiere man den Volkswillen nicht, kann Markus Lang nicht nachvollziehen. Der Grünliberale gibt zu bedenken, dass das Stimmvolk einzig die Vorlage des Brugger Stadtrats abgelehnt habe. Mehr dürfe man in diesen Entscheid nicht hineininterpretieren.

Wenn jetzt schon wieder von einem höheren Unfallrisiko durch E-Bike-Fahrer, für welche die Tempolimite nicht gilt, die Rede sei, müsse man schon zuerst einen Fakten-Check durchführen. Denn Markus Lang kennt kein Beispiel, bei dem man nach der Einführung einer Begegnungszone wieder zum alten Verkehrsregime zurückkehren möchte.

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