In den Töpfen an der Gitterwand spriessen Kräuter und Blumen. Eine bunte Lichterkette ist von einer Wand zur nächsten gespannt. Ganz dumpf ist das Rauschen des Verkehrs auf der Hauptstrasse zu hören. Hinter dem «Odeon» befindet sich eine kleine Oase: Der Garten des Kinos liegt idyllisch zwischen den Häusern.

Noch sind die Stühle leer, der hölzerne Zirkuswagen geschlossen. Doch kurz vor zwölf, wenn der Wagen seine Fenster öffnet, suchen viele Menschen gerne die Ruhe im Odeon-Garten und geniessen hier ihr Mittagessen. Auch eine kleine Bühne befindet sich in der Stadt-Oase, wo seit Mitte Mai immer wieder Konzerte stattfinden.

Konzert für die kleinen Gäste

Neu hat Sarina Schmid die Leitung des Konzertprogramms Odeon-Garten übernommen. «Dieses Jahr finden sechs Konzerte statt, und ich habe darauf geachtet, dass jede Altersgruppe auf ihre Kosten kommt», so Schmid. Zum ersten Mal steht deshalb in dieser Saison auch ein Kinderkonzert auf dem Programm: Die Band «Laurent & Max» begeistert Ende Juni mit Coversongs auf Schweizerdeutsch die ganz Kleinen und bringt die Eltern mit den Texten zum Schmunzeln.

Sogar eine Künstlerin aus Hamburg tourt extra bis nach Brugg, um im Odeon-Garten aufzutreten: Lena Geue sorgt Mitte Juli mit ihrer sanften Stimme für Stimmung hinter dem Kulturhaus. Die junge Zürcher Musikerin Arbresha wird bereits diesen Sonntag Musikfans mit ihrer starken Soulstimme einheizen.

Kinosaal wird zum Club

Neben dem geplanten Konzert findet am Sonntag auch das Verschenken der Kinosessel statt. Bereits zum dritten Mal muss das Kino seine Sitze auswechseln, weil die Qualität der Sitze bisher nicht ausreichend war.

Die 185 Stühle sind so beliebt, dass bereits jetzt alle Kinositze vergeben sind. «Wir haben Reservationen von Privatpersonen, Unternehmen und Klubs, darunter auch Leute aus Zürich», sagt Sue Luginbühl, Leiterin des Bereichs Bühne. Wer noch einen Sessel möchte, könne nur darauf hoffen, dass jemand nicht auftaucht. Denn die Interessierten werden ab Samstagabend bis Sonntag um 16 Uhr im Kino die Stühle selbst abmontieren und abtransportieren. So können die Entsorgungskosten gespart werden und die Leute können gratis Kinostühle beziehen: eine Win-win-Situation.

Bereits ab Montag sollen dann die neuen Sitze geliefert und montiert werden. «Diese sind qualitativ hochwertig und von einer Schweizer Firma hergestellt», sagt Luginbühl. Damit ist das Kulturhaus Odeon zuversichtlich, dass es nicht so bald wieder eine neue Bestuhlung benötigt.

Für eine Nacht wird das «Odeon» also einen leeren Kinosaal besitzen. Eine Gelegenheit, die Sarina Schmid beim Schopf gepackt hat: Sie hat sich mit dem Badener Kulturhaus Royal in Verbindung gesetzt und das dortige Programm der «Royale Rapid Rave» für einen Abend nach Brugg geholt. «Es ist ein einmaliger Anlass: Für zwei Stunden gibt es in Brugg am Sonntag einen Club», sagt Schmid.

Somit werden an einem Tag zuerst die Kinosessel abmontiert, am frühen Abend findet dann das Konzert statt und von 21 bis 23 Uhr können die Partylöwen das Tanzbein im leeren Kinosaal schwingen. «Mit diesem Anlass fördern wir auch die Zusammenarbeit mit anderen Kulturhäusern», so Schmid. Sie findet, dass Kulturhäuser vermehrt miteinander arbeiten und sich austauschen müssten, so könnten alle voneinander profitieren.

Im Juli beginnt dann zum zweiten Mal das «Odeonair», ein Open-Air-Kino. Neben dem Garten des Kulturhauses wird eine grosse Leinwand an einer Hauswand gespannt. Die Zuschauer dürfen dann die Filme in Liegestühlen geniessen. Fast jeden Tag findet das Freiluftkino statt. Von Klassikern wie «Breakfast at Tiffanys» über neue Filme wie «Green Book» bis hin zu Schweizerfilmen wie «Zwingli» kommen alle Geschmäcker auf ihre Kosten. Sue Luginbühl: «Ich würde sagen, wir haben hier im ‹Odeon› eine kleine Kulturoase geschaffen.»