Aus der Legionslagerzeit von Vindonissa existiert in der antiken Literatur nur eine einzige Namensnennung. Diese Erwähnung findet sich in den Historien, einem vom Historiker Tacitus verfassten Werk, das auch die Ereignisse der Jahre 68–71 n. Chr., also nach dem Selbstmord von Kaiser Nero, detailliert schildert und auch die Wirren rund um Vindonissa streift.

Weiter zurück reicht ein in Windisch gefundenes hölzernes Schreibtäfelchen, das sich exakt auf den 22. Juli des Jahres 38 datieren lässt. Eine 1899 entdeckte Bauinschrift fällt in die Amtszeit von Kaiser Tiberius, also in die Jahre zwischen 14 und 27 n. Chr. Dies gilt auch für den bei der Grabung «Römerblick» vor wenigen Jahren gefundenen eisernen Münzstempel, mit dem Gold- und Silbermünzen geprägt werden konnten. Der Tiberius-Münzstempel bezeugt damit die Anwesenheit ranghoher römischer Beamter und somit einer Legion, erlaubt aber keine weiteren Rückschlüsse zur Entstehung des Legionslagers.

Selbst die gut erforschte römische Wasserleitung lässt keine genaue Datierung zu. Der ins Lager führende Aquädukt dürfte erst um 30 oder 40 entstanden sein. Ein Gründungsdatum zu finden, wird dadurch erschwert, dass sich vor der Lagerzeit bereits ein römischer Militärposten auf dem strategisch wichtigen Geländesporn im Gebiet Schulhaus Dorf/ref. Kirche befand. Dieses augusteische Kastell sei mit grosser Wahrscheinlichkeit im Jahr 15 vor Christus in der befestigten keltischen Siedlung errichtet worden, möglicherweise als Basislager für den Alpenfeldzug oder als militärisch kontrollierter Warenumschlagplatz, sagt Jürgen Trumm, Leiter der Ausgrabungen Vindonissa bei der Kantonsarchäologie Aargau.

Das Legionslager steht im Kontext mit der gesamten militärischen Disposition. Im Jahr 14 n. Chr. zog sich die römische Armee vorübergehend aus dem rechtsrheinischen Gebiet zurück. Der Rhein wurde als neue Nordgrenze des Imperiums festgelegt. Als Absicherung erbaute die 13. Legion Gemina unter Tiberius, der im Frühjahr 14 n. Chr. das Kaiseramt übernommen hatte, das Legionslager Vindonissa, obwohl es nicht unmittelbar an der Rheingrenze lag. Als rückwärtige (Versorgungs- und Eingreife-)Station bekam es eine grosse Bedeutung. Ob bereits Kaiser Augustus die Planung in die Wege geleitet hatte, bleibt offen. Die ersten Bauten wurden in Holz, Fachwerk und Lehm ausgeführt, später folgten durch die 13. und 21. Legion Bauten in Stein und Lagererweiterungen. Im Gegensatz zum Gründungsjahr kann die Auflösung des Lagers ziemlich genau festgelegt werden: 101 verlegte Kaiser Trajan die 11. Legion an die untere Donau.

Jürgen Trumm kommt zum Schluss, dass das Gründungsdatum gemäss heutigem Forschungsstand ins Jahr 14, 15 oder 16 n. Chr. fällt, dass die castra legionis somit vor etwa 2000 Jahren erbaut worden waren. Er schliesst nicht aus, dass künftige Ausgrabungen und Funde noch genauere Aufschlüsse vermitteln könnten. So steht in diesem Jahr eine Grabung an der Zürcherstrasse östlich des ehemaligen Restaurants Linde an. Möglicherweise stösst man dabei auf den Spitzgraben und damit die Umwehrung des ersten Lagerareals.

Ein Glücksfall wäre es, wenn bei Grabungen einige Bauhölzer aus der Lager-Frühzeit zum Vorschein kämen. Dendrochronologische Untersuchungen liessen auf das Jahr schliessen, in welchem die Bäume geschlagen und umgehend für den Lagerbau verwendet worden waren.