Dreharbeiten

Grosseinsatz in Linn: «Der Bestatter» ermittelt an der berühmten Linde

Viel Polizei und Ambulanz mit Blaulicht – bei der Linde passiert Aussergewöhnliches. Doch keine Bange: Gedreht wird eine Szene für die Fernsehserie «Der Bestatter» um Hauptdarsteller Mike Müller.

Rot-weisse Schranke und orange Blinklichter: Ein Durchkommen ist nicht möglich, die Strasse nach Linn ist gesperrt. Bei der Linde stehen zwei Polizeiautos und ein Ambulanzfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht.

Ein halbes Dutzend Polizisten sowie zwei Rettungssanitäterinnen sind zugegen, zwei Männer von der Spurensicherung – im weissen Overall und ausgerüstet mit Handschuhen und Metallkoffern – warten. Eine junge Frau beobachtet das Geschehen. Trotz auffällig blasser Gesichtsfarbe und Blutergüssen ist sie bester Dinge und zu Scherzen aufgelegt. Sie ist die Leiche. Aber sie ist quicklebendig – noch.

Polizei, Sanität und mitten drin: Die Linner Linde.

Polizei, Sanität und mitten drin: Die Linner Linde.

Aussergewöhnliches geschieht an diesem Donnerstagabend bei der Linner Linde: Gedreht wird eine Szene für die Fernsehserie «Der Bestatter» um Hauptdarsteller Mike Müller. Kurz vor 19 Uhr sind Techniker, Statisten sowie Regisseurin Katalin Gödrös auf dem Parkplatz.

Es ist trocken, aber es hat spürbar abgekühlt. Der Wind pfeift, die Windjacken werden hervorgeholt, da und dort die Kapuzen über die Ohren gezogen. Betriebsame Hektik herrscht, dennoch ist die Atmosphäre locker.

Handlung bleibt streng geheim

Die Kamera wird auf der Schiene montiert, die Kabel werden verlegt, die Fahrzeuglenker instruiert. Frisch aus der Maske, treffen die Schauspielerinnen und Schauspieler ein. Der erste Probedurchgang steht an.

Dann schallt ein lautes «Wir drehen!» über das Gelände. Sofort nimmt jeder seine Position ein, auf einen Schlag herrscht Ruhe. Ton läuft, Kamera ab – die Fahrzeuge brausen in zügigem Tempo heran. «Cut!», heisst es nur wenige Sekunden später, ein Gewusel beginnt, bis kurz darauf ein erneutes «Wir drehen!» ertönt.

Das Prozedere wiederholt sich weitere zwei-, dreimal. Knapp eine Stunde später ist die Einstellung im Kasten. Die erste an diesem Abend, denn gedreht wird bis Mitternacht, sagt Produktionsleiterin Judith Lichtneckert. In der fertigen «Bestatter»-Folge wird die Szene rund zwei Minuten dauern.

Denkmal: Die Linde von Linn in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens vom 24. Juni 1966.

Denkmal: Die Linde von Linn in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens vom 24. Juni 1966.

Ein besonders Zeitdokument der Linner Linde​ und des kleinen Dorfes Linn, aber auch des Kanton Aargau​.

Bereits in diesem Sommer stand das Filmteam an gleicher Stelle im Einsatz. Was ist der Grund für den neusten Besuch? «Heute drehen wir eine Anschluss-Szene. Diese hat zwar einen Zusammenhang zur letzten hier gedrehten Episode, ist aber in einer anderen Folge zu sehen», erklärt die Produktionsleiterin.

Über die Handlung allerdings lässt sie sich kein Sterbenswörtchen entlocken. Da könne sie, sagt sie schmunzelnd, leider nicht weiterhelfen.

Filmteam zählt rund 50 Personen

Spannend sei es immer wieder, mit den unterschiedlichen Verhältnissen zurechtzukommen, nicht nur, was das Licht und Wetter betreffe, führt Judith Lichtneckert aus. Denn es gelte ebenfalls, eine umfangreiche Infrastruktur aufzubauen. Zu der gehören neben der Technik auch die Räumlichkeiten für Garderobe, Maske oder Catering. Um den stattlichen Film-Tross kümmert sich übrigens ein eigener Koch.

Der Bestatter gibt es auch als Tour:

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Grafik: Elia Diehl

CartoDB: Bestatter-Tour durch Aarau

Die Gegend um das idyllisch gelegene Linn sowie die geschichtsträchtige Linde hat das Filmteam – vom Assistenten bis zum Statisten um die 50 Personen – in das Herz geschlossen, sagt die Produktionsleiterin. An einem schönen Ort drehen zu dürfen, sei auch gut für das Gemüt, stellt sie fest.

Die Anwesenden, von denen die meisten aus Zürich, einige aus den Kantonen Basel, Bern und Luzern oder aus Deutschland stammen – könnten tolle Eindrücke mitnehmen. «Wir kommen an Orte, die wir sonst nicht sehen würden.»

Die Stimmung sei ausgezeichnet, fügt Judith Lichtneckert an. «Mittlerweile sind wir eine eingespielte Crew.» Viele seien schon seit Jahren mit von der Partie, kommen jeweils für rund 13 Wochen für die Dreharbeiten an einer «Bestatter»-Staffel zusammen.

Für die neuste, mittlerweile fünfte stehen ab nächster Woche die letzten vier Drehtage an. Ausgestrahlt werden die Folgen der Erfolgsserie dann im Januar und Februar 2017.

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