Rüfenach

Grosse Waldparty scheitert an Einsprache von Naturschützern

Im Rüfenacher Wald steigt keine Party. (Symbolbild)

Im Rüfenacher Wald steigt keine Party. (Symbolbild)

Ein junges Trio wollte im Wald in Rüfenach eine Party für 500 Leute organisieren. Jäger und Naturschützer haben aber etwas dagegen.

Sie waren seit gut zwei Jahren am Planen: Adrian Hersperger, Reto Bruderer und Ivan Bühler von der Noxtron Crew beabsichtigten, Ende August ein zweitägiges Fest bei der Waldhütte in Rüfenach zu veranstalten. Mit der Party für rund 500 Leute wollte das Trio jungen Leuten aus der Region etwas bieten. Aus den Plänen wird nun aber nichts.

Pro Natura Aargau, Bird Life Aargau, die Jagdgesellschaft Brugg und der Aargauische Jagdschutzverein haben Einsprache eingereicht. Die Gründe sind vielfältig: Es gibt Befürchtungen, dass die Wildtiere längerfristig von ihren Wildeinständen vertrieben werden. Auch Lichtverschmutzung oder die Kritik, dass es kein öffentliches Interesse an einer Party im Wald gibt und es sich beim Fest um einen kommerziellen Zweck handelt, werden in den Einsprachen aufgeführt. Ein weiterer Kritikpunkt: Der Wald würde für die Party nur als Kulisse dienen. Gestört haben sich die Einsprecher auch an den Parkplätzen im Wald. Sie schlugen vor, die Party auf einem Feld abzuhalten.

An einer Sitzung der Gemeinde und der Einsprecher mit den Veranstaltern fand man keine gemeinsame Lösung. Ivan Bühler von der Noxtron Crew sagt auf Nachfrage der AZ: «An der Sitzung haben wir angemerkt, dass ein Waldhaus nicht gebaut wird, wenn keine öffentliche Nutzung vorgesehen ist. Das Waldhaus wird – mit Vordach – im Sommer für über 100 Gäste angeboten.»

Reto Bruderer, Ivan Bühler und Adrian Hersperger (von links) sind enttäuscht. «Es macht lärmtechnisch doch keinen Unterschied, ob 100 oder 500 Leute bei 93 Dezibel feiern», sagt Bühler.

Reto Bruderer, Ivan Bühler und Adrian Hersperger (von links) sind enttäuscht. «Es macht lärmtechnisch doch keinen Unterschied, ob 100 oder 500 Leute bei 93 Dezibel feiern», sagt Bühler.

Verständnis für gewisse Einwände

An der Sitzung fragte der als Sitzungsleiter eingesetzte Gemeinderat bei den Einsprechern nach, welche Anzahl von Leuten denn aus ihrer Sicht am Fest teilnehmen dürften. «Pro Natura konnte dazu zuerst keine Angabe machen, später hiess es dann, dass 100 Personen kein Problem seien», sagt Bühler. Darauf konterten die Veranstalter, dass es lärmtechnisch keinen Unterschied macht, ob 100 oder 500 Leute bei 93 Dezibel vor der Beschallungsanlage feiern. «Bei einigen Einsprachepunkten stellten wir fest, dass unser Konzept nicht genau studiert wurde», ergänzt Ivan Bühler. So seien beispielsweise nie Parkplätze im Wald vorgesehen gewesen. «Wir stellten bei der Aussprache auch fest, dass es der Jagdgesellschaft Brugg nicht primär um die Tiere geht, sondern um einen Grundsatzentscheid, dass sie solche Anlässe nicht mehr will.» Die Veranstalter sehen aber durchaus ein, dass das Wild am Bruggerberg enormen Belastungen ausgesetzt ist – durch Jogger, Wanderer und Biker. Die Brugger Rehe seien aufgrund von Stress insgesamt einige Kilos leichter als ihre Artgenossen anderswo.

Ursprünglich wollte die Noxtron Crew nach diesem Gespräch ihren Notfallplan durchführen. Das Fest wäre vom Programm her identisch gewesen, hätte aber auf einem Feld stattgefunden. Dazu hätte es keine öffentliche Auflage gebraucht. «Dennoch wollte die Gemeinde das Gesuch ohne freiwillige Auflagen nicht durchwinken», bedauert Ivan Bühler. Immerhin: «Wir freuen uns, dass es keine Einsprachen aus der Bevölkerung gab.»

Die Crew hat nun das Gesuch für die Waldparty zurückgezogen. Für die Feldparty reicht sie keines ein, da es unwahrscheinlich ist, dass dieses so kurzfristig bewilligt wird. Dabei wären DJs und Security bereits reserviert gewesen.

Nachtleben ist für sie wichtig

Ganz verbergen kann Ivan Bühler seine Enttäuschung nicht. «Uns liegt das Aargauer Nachtleben, das immer mehr ausstirbt, am Herzen», sagt er. «Wir machen das alles aus Leidenschaft und weil wir wissen, dass die Menschen hier gerne Party machen würden, aber es kein grosses Angebot gibt.» Bedauerlich sei auch, dass eine Bauernfamilie aufgrund der geplanten Waldparty extra ihr Hoffest verschoben hat. Weitere Bauern hätten zudem unkompliziert ihr Land zur Verfügung gestellt.

Die Noxtron Crew wird sich nun Gedanken machen, ob sie nächstes Jahr einen neuen Anlauf wagen will, ob es allenfalls eine Feldparty wird oder das Fest dann doch in einer Halle stattfinden soll.

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