Rückblende: Im Oktober 2014 dröhnten Baumaschinen im Brugger Hospiz Stationär Palliative Care, das auf der dritten Etage des Pflegezentrums Süssbach beheimatet ist. Grund: Die Vergrösserung einer Institution, die ihr vornehmstes Anliegen darin sieht, unheilbar Kranken und Sterbenden ein behütetes, weitgehend selbstbestimmtes Leben bis zum Tod zu ermöglichen.
Weil das Hospiz in den letzten Jahren eine steigende Nachfrage von schwerst Erkrankten verzeichnete, stand der Entschluss fest: «Wir erweitern.» Die Aufstockung um 50 Prozent war ein Kraftakt für den Verein, «denn mehr Räume bedingen zwingend mehr Personal», betont Hospiz-Geschäftsleiter Rolf Tschannen. Nicht nur das. Auch Finanzen waren gefragt, denn der Umbau war mit Kosten von 195 000 Franken veranschlagt.

Mehrere Artikel in der Aargauer Zeitung brachten den Stein ins Rollen. Spontan meldeten sich Menschen, die spenden wollten, aber auch Unternehmen und Stiftungen aus dem Aargau und anderen Kantonen, die nicht namentlich erwähnt werden wollen, sowie der Swisslos-Fonds mit namhaften Beiträgen. Dazu kam der NAB Charity-Award, der die Gelder noch einmal sprudeln liess. Kurzum: Der Umbau konnte vollständig aus Spenden finanziert werden.

Wer das Hospiz Stationär heute aufsucht, ist überrascht, dass er zwischen dem «alten» und dem «neuen» Teil keine Unterschiede feststellen kann. Die zusätzlichen, bereits vorhandenen Zimmer mussten freilich nicht komplett gebaut, wohl aber modifiziert und farblich auf die bisherige, warme Atmosphäre abgestimmt werden – und das ist geglückt. Personell schlägt die Erweiterung mit einem gewachsenen Team zu Buche. Im Dezember 2014 sowie im Januar dieses Jahres stiessen zusätzlich je drei Pflegefachfrauen zum Hospiz, sodass dieses heute über 20 Angestellte sowie 70 Freiwillige zählt, die sowohl ambulant als auch stationär tätig sind.

«Ohne Bewegung bewegt sich nichts», sagt Rolf Tschannen rückblickend auf das vergangene Jahr. «Alle drei Bereiche, mithin Hospiz Ambulant, Hospiz Trauertreff und Hospiz Stationär Palliative Care, wurden organisatorisch verstärkt; für alle drei wurden neue Leitungsstrukturen geschaffen» (siehe Box). Der 1. März ist für den Hospiz- Geschäftsleiter «der Kick-off, um die neun Zimmer permanent zu betreiben. Nun sind die neuen Mitarbeitenden eingearbeitet und aufeinander eingespielt.»

Ausruhen auf dem nun Erreichten will Hospiz Aargau jedoch nicht. Der Verein denkt seit längerem über einen zweiten stationären Hospiz-Standort nach, weiss er doch aus langjähriger Erfahrung: Die Nachfrage nach Zimmern wird weiter zunehmen. Brugg liegt verkehrsmässig zwar günstig, «dennoch spielt die geografische Lage eine wichtige Rolle», betont Rolf Tschannen, «denn die Patienten im Hospiz bekommen von Angehörigen und Freunden oft Besuch.» Ein neuer Standort ist Zukunftsmusik, doch im Hospiz-Verein finden darüber intensive Diskussionen statt – genauso wie über die Frage, ob das bisher auf der Pflegeheimliste befindliche Hospiz dereinst auf der Spitalliste stehen soll.