Veltheim
Grossbrand tötete 6500 Hühner: Jetzt hat Susanne Siegrist ihre Hühnerfarm wieder aufgebaut

Nach dem verheerenden Grossbrand im März 2015 steht Susanne Siegrist mit ihrer Hühnerfarm kurz vor der Wiedereröffnung. Mit einem neuen Konzept und noch vielen Ideen.

Michael Hunziker
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Susanne Siegrist – mit Chihuahua «Schnäuzli» – ist zufrieden: Mitte Januar 2018 ziehen die Tiere ein in der neuen Hühnerfarm.

Susanne Siegrist – mit Chihuahua «Schnäuzli» – ist zufrieden: Mitte Januar 2018 ziehen die Tiere ein in der neuen Hühnerfarm.

Michael Hunziker

Susanne Siegrist kann wieder lachen. «Es ist gut, wie es ist», sagt sie an diesem sonnigen Herbstmorgen. Sie steht vor ihrer neuen Hühnerfarm, einem schmucken Bau mit klaren Linien und viel Holz. Nichts mehr erinnert an der Hohlgasse in Veltheim an den verheerenden Grossbrand, der im März 2015 wütete, der die alte Legehennen-Farm komplett zerstörte und in der gegen 6500 Hühner in den Flammen ums Leben kamen.

Bilder vom Wiederaufbau, März 2017:

Wiederaufbau der Hühnerfarm in Veltheim
4 Bilder
Derzeit sind die Bauarbeiter mit Betonieren beschäftigt
Die neue Hühnerfarm wird Platz bieten für 600 bis 900 Tiere
Der Wiederaufbau der Hühnerfarm hat begonnen

Wiederaufbau der Hühnerfarm in Veltheim

Michael Hunziker

Sie habe nach diesem einschneidenden Ereignis eine anstrengende und turbulente Zeit erlebt, gibt Susanne Siegrist zu. Tagelang, manchmal nächtelang, habe sie sich Gedanken gemacht zur Frage, wie es weitergeht, habe sich den Kopf zerbrochen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. «Jetzt konnten wir ein Projekt realisieren für heute und für die Zukunft.» Der Betrieb wird deutlich kleiner als früher, rund 600 Hühner werden Mitte Januar 2018 einziehen. «So stimmt es für uns», sagt Susanne Siegrist.

Im Stall gehts um den Feinschliff

Stolz führt sie durch den Neubau. Gleich im Eingangsbereich befindet sich die Verkaufsecke, angrenzend der Raum, in dem die Eier verpackt werden. Eine grosse Glasscheibe in der Türe gibt den Blick frei auf den windgeschützten Wintergarten, in dem die Hühner eine Auslaufmöglichkeit erhalten auf der Südseite. Das Holz vermittelt eine heimelige Atmosphäre. Fenster auf beiden Seiten des Stalls sorgen für frische Luft. Das Futter gelangt direkt vom Obergeschoss zu den Tieren und wird automatisch dosiert. Auch das Lager für Heu und Einstreu befindet sich unter dem gewölbten Dach im zweiten Stock. Der Stall ist mittlerweile fertig eingerichtet, noch kümmern sich die Handwerker um den Feinschliff.

Im Erdgeschoss ist auf der gegenüberliegenden Seite der Aufenthaltsraum zu finden, sind die Garderobe sowie das WC mit Dusche. Dahinter wird die sogenannte Verarbeitungsküche eingerichtet. In dieser können die frischen Eier weiterverarbeitet werden – zu Eierlikör beispielsweise oder als Zutat für Eierteigwaren. «Es gibt viele Möglichkeiten», sagt Susanne Siegrist.

Freundlich und hell sind die Räume mit den weiss gestrichenen Wänden. «Wir haben den ganzen Bau bewusst einfach gehalten. Es muss vor allem tierfreundlich und praktisch sein», sagt die 54-Jährige. Ein besonderes Augenmerk gerichtet werden müsse auf die geltenden Bestimmungen, unter anderem die Hygienevorschriften. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden. «Es ist so herausgekommen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind sehr glücklich.»

Ferien sorgten für Verzögerung

Es habe sich gelohnt, der Planung genug Zeit einzuräumen, um einen Schnellschuss zu vermeiden, fährt sie fort. «Wir konnten Lösungen finden, die nachhaltig sind.» Sie habe Respekt gehabt vor dem Bauvorhaben. Die umfangreichen Vorbereitungen sowie die unzähligen Absprachen und Details seien sowohl zeitintensiv als auch nervenaufreibend gewesen. Nach dem Spatenstich im Februar dieses Jahres habe sie dann aber rasch gemerkt, «dass es gut kommt». Die Bauarbeiten seien im Grossen und Ganzen reibungslos verlaufen. Einzig die Betriebsferien der Handwerksbetriebe im Sommer – «das hatten wir nicht bedacht» – sorgten für eine Verzögerung im Zeitplan.

Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand in Bildern:

Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand
9 Bilder
Ein Tag nach dem Grossbrand bietet sich ein Bild der Zerstörung
Michael Maeder ist Kommandant der Feuerwehr Schenkenbergertal
Die Wände werden eingerissen
Die Hühnerfarm ist nur noch Schutt und Asche
Die Hühnerfarm wird abgebrochen
Der Sachschaden ist beträchtlich
Das Wohnhaus (vorne) konnte gerettet werden
Die Feuerwehrleute haben anstrengende Stunden hinter sich

Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand

Tele M1

Die Produktion beginnt deshalb nicht wie ursprünglich geplant vor Weihnachten. Susanne Siegrist sieht es positiv: «So können wir die Arbeiten in Ruhe sauber abschliessen. Auch haben wir die Möglichkeit, die Adventszeit wieder einmal zu geniessen und uns zu erholen.» Es gebe schon noch einiges zu regeln, fährt sie fort, schliesslich müsse jeder Einrichtungsgegenstand ausgewählt und besorgt werden, vom Stuhl über den Vorhang bis zum Kaffeelöffeli. «Beim Brand haben wir alles verloren.»

Sie bleibt ihren Prinzipien treu

Der Eierverkauf beginnt am 12. Februar. «Wir freuen uns auf das Gegacker der Hühner, auf die Produktion, auf den Kontakt zu den Kunden», sagt Susanne Siegrist. Um den Betrieb wird sie sich in erster Linie zusammen mit ihrer langjährigen Aushilfe kümmern. Aber auch ihr Mann und ihr Sohn werden ihr zur Seite stehen. «Alleine würde ich es nicht schaffen.»

Sie ist sich bewusst: «Wir waren zweieinhalb Jahre weg, sind wieder frisch auf dem Markt. Wir müssen uns zurückkämpfen, die Kunden zuerst wieder für uns gewinnen.» In einer ersten Phase werde der Stall deshalb noch nicht voll belegt sein. «Wir wollen langsam beginnen und mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Aufbauen können wir immer noch.» Sie ist aber zuversichtlich, dass sie mit der bekannten Qualität sowie dem gewohnten Service wieder Erfolg haben wird. Das Interesse und die Nachfrage jedenfalls seien vorhanden. Regelmässig sei sie auf den Produktionsbeginn angesprochen worden.

Susanne Siegrist wird sich konzentrieren auf den Direktverkauf jeweils am Montag-, Mittwoch- und Samstagvormittag – weiterhin übrigens unter dem bisherigen Namen Eier Blum. Grossisten wird sie keine mehr beliefern, auch gefärbte Eier werden nicht mehr zu haben sein. Daneben wird sie ihr Angebot erweitern mit Produkten aus dem eigenen Garten, Sirup beispielsweise oder Konfitüre. Denkbar sei, fügt sie an, Artikel von umliegenden Höfen oder Landfrauen – wie Bauernbrot – aufzunehmen.

Wert gelegt werde auf Vielseitigkeit. «Wir haben viele Ideen und möchten das eine oder andere ausprobieren.» Entscheidend sei, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben. «Regional und fair», lautet ihr Leitsatz. «Wir sind motiviert und voller Tatendrang.»