Der Glamour-Faktor war vor dreieinhalb Jahren höher: Damals, an der Eröffnungsfeier des Datacenters «Zürich-West» der Green.ch in Lupfig, liess sich unter anderem Ottmar Hitzfeld blicken.

Am Donnerstag nun war der 50 Millionen Franken teure Trakt B an der Reihe. Dieser bietet mit 4000 Quadratmetern gut 20 Prozent mehr Nutzfläche als das erste Modul. «Zürich-West» wird damit laut Green.ch zum grössten kommerziellen Rechenzentrum der Schweiz.

Markt mit hoher Dynamik

Dass auch das Medieninteresse im Vergleich zur Eröffnung im Jahr 2011 etwas nachgelassen hat, erklärt sich Green.ch-Chef Franz Grüter damit, dass Rechenzentren hierzulande in jüngster Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen. Der Markt weise seit einigen Jahren eine hohe Dynamik mit Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich auf, konstatierte im August eine Studie des Bundesamtes für Energie.

Trotz des Rechenzentrum-Booms, den Grüter unter anderem auf den hoch entwickelten Datenschutz und die politische Stabilität in der Schweiz zurückführt, macht er sich bezüglich Auslastung keine Sorgen. 20 Prozent der neuen Fläche seien bereits verkauft — unter anderem an die SIX Group. Auf diesen Kunden ist Grüter besonders stolz, denn mit ihm beherberge Green.ch Infrastruktur von nationaler Bedeutung.

Auch wenn aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben wird, ob der Schweizer Börsenbetreiber in Lupfig seine Haupt- oder Back-up-Server installiert: Um sensible Daten handelt es sich allemal. Die SIX Group betreibt elektronische Handelsplattformen und über ihre Server laufen unter anderem sämtliche Buchungen der Maestro-Karten.

Sieben Tage ohne Stromversorgung möglich

Ein Server-Ausfall hätte entsprechend weitreichende Folgen. Um die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios zu minimieren, stehen im Kellergeschoss des Datencenters unter anderem acht Dieselgeneratoren und 4500 Batterien. «Wir könnten hier theoretisch während sieben Tagen ohne Stromversorgung operieren», so Grüter.