«Zum Lagerausbau im Nordwesten von Vindonissa»: Lautet so der Titel eines Krimis? Nein! Stopp, sagen Sie das nicht. Denn dieser «Understatement»-Titel verweist auf das, was nach Einschätzung von Teilnehmern ein Krimi war: die Grabung Windisch-Zentralgebäude 2004, wie es in der Unterzeile heisst.

Die Archäologinnen Simone Benguerel und Verena Engeler-Ohnemus stellten im Vindonissa-Museum ein mit 420 Seiten nicht nur kilomässig, sondern auch inhaltliches Schwergewicht vor. Das Buch thematisiert die erwähnte Grabung, die in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden (Begegnungszentrum) stattgefunden hat.

Soldaten stationiert

Damals wurden in den Flächen die Nordbefestigung des ältesten Lagers und Kasernengrundrisse von mehreren jüngeren Bauphasen freigelegt. Durch die Analyse der geborgenen Keramik, Metallobjekte, Münzen oder entsorgter Tierknochen wurde neben der Baugeschichte auch den Lebensumständen der im 1. Jahrhundert hier stationierten Soldaten nachgegangen.

Wie sahen die Militärbauten aus?

Was einfach anmutet, war in Tat und Wahrheit «ziemlich kompliziert, aber spannend», bekennt Simone Benguerel lächelnd. Folgende Fragen standen für das Grabungsteam im Vordergrund: Sind «vorlagerzeitliche» Befunde nachzuweisen?

Wie sahen die ersten Lagerumwehrungen aus, die 100 Meter von der Nordkante des Plateaus entfernt angelegt wurden? Wie sahen die dazugehörenden Militärbauten aus? Wann und wie wurde das Lager bis zur Nordkante erweitert?

Mit jedem Zentimeter freigelegten Bodens schlug das Team eine neue Seite im Legionslager-Krimi auf. Akribisch untersuchte es die Fundvergesellschaftungen innerhalb der Kasernen und in den dazugehörenden Lagergassen. Ob sich wohl etwas über die Soldaten in diesen Kasernen aussagen liesse? Ob Aussagen zur Abfallentsorgung möglich sein würden?

Die Abfallentsorgung

Viele Fragen, viele Antworten. «Jedenfalls ist der Lagerausbau im Nordwesten nun klarer», sagt Simone Benguerel. Und: Im untersuchten Lagerabschnitt standen ausschliesslich Kasernen.

Entsprechend unterscheidet sich denn auch das Fundspektrum von demjenigen aus den Wohnbauten von höheren Offizieren oder dem Lagerkommandanten (Prätorium).

Apropos: Die Frage nach der Abfallentsorgung förderte Überraschendes zutage. Die Soldaten haben während der gesamten Lagerzeit wenig Müll im Kasernenareal entsorgt. Fazit: Dieses Buch macht Lust, sich auf Spurensuche in Vindonissa oder im Vindonissa-Museum zu begeben.