Villnachern
«Gott sei Dank bleibst du uns erhalten»: Frau Ammann tritt kürzer – ein bisschen

Nach acht intensiven Jahren als Frau Gemeindammann von Villnachern sitzt Marianne Möckli-Rentsch neu im Gemeinderat. Mit dem Verlust von Einfluss kann sie umgehen: «Schliesslich bin ich überhaupt kein Machtmensch.»

Deborah Bläuer
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Marianne Möckli-Rentsch – hier im Sitzungszimmer des Gemeindehauses – freut sich, nun wieder mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Sie wird sich aber weiterhin für die Gemeinde einsetzen.

Marianne Möckli-Rentsch – hier im Sitzungszimmer des Gemeindehauses – freut sich, nun wieder mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Sie wird sich aber weiterhin für die Gemeinde einsetzen.

Alex Spichale

«Gott sei Dank bleibst du uns erhalten», sagten die Einen. «Kannst du damit umgehen?», fragten die Anderen, als die Frau Gemeindeammann von Villnachern, Marianne Möckli-Rentsch, bekannt gab, für dieses Amt nicht mehr zu kandidieren, aber stattdessen für den Gemeinderat. Prompt schaffte sie am 24. September die Wahl. Als neuer Gemeindeammann wurde Roland König gewählt.

Den Wechsel sieht Möckli-Rentsch nicht als Problem. «Schliesslich bin ich überhaupt kein Machtmensch», betont sie. Zudem habe sie als Frau Gemeindeammann sowieso nie alleine entscheiden können, sondern nur mit der Zustimmung des Gemeinderats. Auch hielt sie wenig davon, Arbeiten zu delegieren. Sie liess ihre Kollegen in ihren jeweiligen Ressorts walten und setzte auf einen konstruktiven Austausch. Das sei nicht überall in der Bevölkerung gut angekommen, erzählt Möckli-Rentsch. Manche Leute hätten von einer Frau Gemeindeammann mehr Führung erwartet.

Die 58-Jährige zieht eine positive Bilanz von ihrer Zeit als Gemeindeammann. Sie ist ihren Kollegen vom Gemeinderat dankbar für die gute Zeit. Es sei gelungen, Diskussionen immer auf der sachlichen Ebene zu führen und die Zusammenarbeit sei sehr gut gewesen. Sie sagt: «Ich habe gespürt: Gemeinsam kommt man ans Ziel.» Für sie persönlich sei das Amt zuweilen zwar eine Herausforderung gewesen, aber auch eine gute Lebensschule.

Es kam anders als geplant

Eigentlich hatte sie ja gar nicht im Sinn gehabt, Frau Gemeindeammann zu werden, als sie vor acht Jahren dem Gemeinderat beitrat. Doch wie das Leben so spielt, kam es anders. Der damalige Gemeindeammann Roger Basler trat frühzeitig zurück und die Frau Vizeammann Noëlle Bühler-Acréman rutschte nach und Möckli-Rentsch übernahm deren Posten. Als Bühler-Acréman 2012 ebenfalls demissionierte, stellte sich Möckli-Rentsch als Frau Gemeindeammann zur Wahl.

Ob als Gemeindeammann oder als Gemeinderätin, Möckli-Rentsch geht es darum, etwas zu bewegen. Sie ist stolz darauf, dass sie das konnte. Während ihren Legislaturen war sie daran beteiligt, das Alters- und Pflegeheim Schenkenbergertal in eine Gemeinnützige Aktiengesellschaft zu überführen. Auch bei der Fusion vom Spitexverein Schenkenberg und Umgebung mit der Spitex Region Brugg AG wirkte sie mit.

Zudem war sie vor fünf Jahren im Gremium für die Gründung des Gemeindeverbands Soziale Dienstleistungen Region Brugg. Seit 2016 waltet sie dort als Vizepräsidentin. Sie hofft, dieses Amt auch in Zukunft behalten zu können. Mittlerweile habe sie sich nämlich ein grosses Wissen auf diesem Gebiet angeeignet, welches sie in die Arbeit dort einbringen könne, so Möckli-Rentsch. Um voll und ganz mitreden zu können, nahm sie auch Beistandschaften an, die sie als eine grosse Bereicherung bezeichnet.

Ins kalte Wasser geworfen

Das Ressort Soziales, das ihr sehr am Herzen liegt, wird sie behalten, um die Leute weiterhin aus der Sozialhilfe herausbegleiten zu können. Für ältere Menschen will sie sich wie bis anhin einsetzen und auch in Zukunft Seniorenfahrten organisieren sowie die Geburtstagsglückwünsche persönlich überbringen. Doch wieso nicht einfach weiter wie bisher als Frau Gemeindeammann? Möckli-Rentsch, die bei der Swisscom in der Kreditoren-Buchhaltung arbeitet, möchte mehr Zeit für ihre Familie und ihre Freunde haben. Diesen ist sie dankbar für die bisherige Unterstützung und das Verständnis. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um kürzerzutreten. Denn nun sei das Dorf nach den Ereignissen im Jahr 2009 wieder zur Ruhe gekommen.

Damals demissionierte der komplette Gemeinderat nach einer gescheiterten Fusion von Villnachern mit Oberflachs, Schinznach-Bad und Schinznach-Dorf. Somit bestand der Gemeinderat 2010 aus lauter Neulingen, die ins kalte Wasser geworfen wurden, darunter auch Möckli-Rentsch. Doch mit vereinten Kräften kriegten sie die Kurve und beschlossen nach der ersten Legislatur, erst einmal weitere Wechsel und Unruhen zu vermeiden und in dieser Zusammensetzung weiterzufahren, inklusive derselben Frau Gemeindeammann.

Möckli-Rentsch unterstützte Roland König von Anfang an bei seiner Kandidatur zum Gemeindeammann. Sie werde ihm gerne Tipps geben. Aber reinreden, betont sie, werde sie ihm auf gar keinen Fall.