Golf mag hierzulande nach wie vor nicht gerade ein echter Volkssport sein, es ist aber auch längst kein elitäres Freizeitvergnügen mehr, das nur wenigen Reichen vorbehalten ist. Es gibt mittlerweile um die 100 Golfplätze in der Schweiz, davon befinden sich aber nur vier im Aargau, dem viertgrössten Kanton.

Golfplatzprojekte haben es hier schwer. Mehrere sind in der Vergangenheit gescheitert, auch die neusten Pläne für eine 9-Loch-Anlage im Reusstal stossen auf Widerstand.

Die Entwicklung oder eben Nicht-Entwicklung gerade hier, während schweizweit ein eigentlicher Golfboom einsetzte, ist insofern erstaunlich, dass man im Aargau auf eine lange golferische Tradition zurückblickt. Gar von der Wiege des Golfsports in der Schweiz zu sprechen, wäre etwas vermessen, aber der Golfclub Schinznach Bad ist zumindest einer der ältesten des Landes. Er feiert sein 90-jähriges Bestehen.

Am 24. März 1927 gab die Generalversammlung der Bad Schinznach AG grünes Licht für die Realisierung eines Golfplatzes, am 7. September 2029 wurde der Golfclub Schinznach Bad gegründet. Von sechs Herren, von denen bis dato mit einer Ausnahme keiner jemals einen Golfschläger geschwungen hatte.

«Bald für jeden Kurplatz selbstverständlich»

Es war ursprünglich als touristisches Projekt gedacht. Viele Kurgäste kamen aus England und man erhoffte sich, mit einem Golfplatz auch zahlungskräftige(re) Kundschaft aus Amerika anzuziehen, wo das Golfspiel ebenfalls schon damals weit verbreitet war. «Für die meisten Amerikaner ist es für die Auswahl ihres Kurplatzes von ausschlaggebender Bedeutung, ob ein Golfplatz vorhanden ist», ist in einem Bericht zum Antrag an die Generalversammlung der Bad Schinznach AG von 1927 zu lesen. Und weiter: «Bei der rapiden Entwicklung wird für jeden Kurplatz ein Golfplatz in wenigen Jahren eine Selbstverständlichkeit sein, wie es heute ein Tennisplatz ist.»

Nun, ganz so hat sich die Situation dann doch nicht entwickelt, aber der Golfplatz und der Golfclub, der die 9-Loch-Anlage von der Bad Schinznach AG in Pacht übernahm, haben bis heute überdauert. Prägende Figur war über Jahrzehnte Schuhfabrikant Max Bally, der den Club von 1932 bis 1964 präsidierte. Man sprach in der Szene damals nur vom «Bally-Club».

Zum 90-Jahr-Jubiläum sagt der aktuelle Präsident Kurt Zumsteg, der das Amt dieses Jahr übernahm: «Wir hatten früher ein etwas ezlitäresa Image, heute wollen wir signalisieren, dass Golf ein Breitensport ist.»

Einer der wenigen Plätze ohne Startzeiten-Reservation

Nicht elitär, aber familiär: So könnte man das Credo des Golfclubs Schinznach Bad im Jahr 2019 umschreiben. Man versteht sich schon nach wie vor als Privatclub. Das heisst zum Beispiel: Auswärtige Gäste sind willkommen, aber für sie, sogenannte Greenfee-Spieler, ist die Zahl der Besuche in Schinznach auf fünf pro Jahr und auf Werktage beschränkt – so sie denn am Wochenende nicht auf Einladung eines Clubmitglieds hier spielen können.

Diese Exklusivität hat aber auch für Nicht-Mitglieder Vorteile: Schinznach Bad ist einer der wenigen Golfplätze, der bis heute keine Startzeiten-Reservation kennt. Man kommt einfach vorbei und kann loslegen. Ein grosser Unterschied etwa zu den sogenannten Public Golfanlagen wie die Migros sechs in der Schweiz betreibt. Sie sind oft auf Tage wenn nicht sogar Wochen fast vollständig ausgebucht.

Kein Schnäppchen, aber nicht unerschwinglich

In einem Golfclub Mitglied zu werden und sich das uneingeschränkte Spielrecht auf «seinem» Platz zu sichern, ist auch heutzutage kein Schnäppchen. Beim Golfclub Schinznach Bad zum Beispiel sind für eine Aktivmitgliedschaft eine einmalige Eintrittsgebühr von 5000 Franken und ein Darlehen an den Club von 15'000 Franken fällig, das bei einem Austritt zurückbezahlt wird, wobei sich die Summe pro Jahr um 10 Prozent reduziert. Das Darlehen ist aber in mehreren Tranchen fällig, so dass sich auch nicht ganz so finanzkräftige Interessenten eine Mitgliedschaft sollten leisten können.

Daneben gibt es auch spezielle Mitgliedschaftsformen zu günstigeren Konditionen. Aber vor allem: Neumitglieder sind grundsätzlich willkommen. Es gibt keine Warteliste und keine komplexen Aufnahmerituale, was nicht für jeden Golfclub selbstverständlich ist. «Wer unsere Werte teilt, wird aufgenommen», sagt Präsident Kurt Zumsteg.

Mit Werten meint er, dass man sich im Golfclub Schinznach Bad als grosse Familie verstehe. Das Gesellschaftliche, die Erholung und Bewegung in der Natur stünden für die meisten Mitglieder mehr im Vordergrund als der sportliche Ehrgeiz.

Um den zu wecken, hat man sich allerdings ein verstärktes Engagement in der Juniorenförderung vorgenommen. Für Junior-Mitgliedschaften (bis 21) gibt es besonders günstige Bedingungen. Und in das Juniorentraining könnten nicht etwa nur Kinder kommen, deren Eltern Clubmitglied sind, erklärt Präsident Zumsteg. Auch hier gilt: «Wir wollen zeigen, dass wir ein offener Club sind.»