Frank Powers
Goldene Ära der Musik in Brugg – auch wenn es zu Beginn harzte

Die Brugger Band Frank Powers steht für leichte, experimentierfreudige Musik. Im Herbst will sie ihr zweites Album herausbringen. Vergessen ist die Zeit, als der Bandleader vom Neumarktplatz verbannt wurde.

Daniel Vizentini
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Vor dem Auftritt im KiFF: Ein Teil der Brugger Band Frank Powers (von links): Dino Brandão, Pascal Ammann und Lukas Kuprecht.
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Die Band Frank Powers im Backstage des Royal in Baden im vergangenen Januar.
Dino Brandão ist der Leadsänger der Brugger Band Frank Powers.
Auftritt im KiFF in Aarau.
Frank Powers

Vor dem Auftritt im KiFF: Ein Teil der Brugger Band Frank Powers (von links): Dino Brandão, Pascal Ammann und Lukas Kuprecht.

Daniel Vizentini

Brugg durchlebt heute so etwas wie eine goldene Ära guter, neuer Musik mit Bands und Musikern wie Ellas, Djamal Moumène oder Frank Powers. Dabei war Brugg zu Beginn gar nicht mal unbedingt so nett zum Bandleader von Frank Powers, dem heute 26-jährigen Dino Brandão – jedenfalls, was seine ersten musikalischen Darbietungen betrifft. Er wollte vor allem auf der Strasse spielen, doch bei seinem ersten Versuch auf dem Neumarktplatz sei er schon nach wenigen Minuten verbannt worden, erzählt er. Er versuchte es fortan in der Badener Bahnhofsunterführung, galt eine Zeit lang sogar als «die Stimme von Baden». Seit zwei Jahren ist Dino Brandão nun freischaffender Musiker und verbringt dieses halbe Jahr aktuell im Atelier des Aargauer Kuratoriums in Paris.

Mit ihrem ersten Album «Laisser Faire» war die Band Frank Powers bereits im ganzen Land auf Tournee, darunter auch am grossen Montreux Jazz Festival. Zuletzt konnte man Frank Powers vor zwei Wochen im KIFF in Aarau sehen und hören. In der fünfköpfigen Formation gemeinsam mit Pascal Ammann, Lukas Kuprecht, Dominik Meyer und Marius Meier wurde auch die gesamte Bandbreite an Musikstilen serviert, die die Band zu bieten hat. In den Stücken mit Geige und Kontrabass etwa tönt es eher nach Folk oder Strassenmusik, andere Lieder hingegen klingen nach bewegtem Pop/Rock und andere wiederum sind ruhig und melancholisch.

Frank Powers – Free Moves:

Frank Powers – Blüete:

Auffallend ist bei Frank Powers aber vor allem das Potpourri an Sprachen mit Songs auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Mundart. Oder wie es im Bandbeschrieb auf Spotify übersetzt steht: «Nach einer gescheiteren Karriere als Skater macht Frank Powers heute Musik in einem multilingualen Mix von Songs, ernährt von der Musik rund um den Globus.»

Professionell und spielerisch

Der Auftritt im KIFF war der Abschluss der Tournee rund um ihre EP «Flohzirkus» mit fünf neuen Liedern. Im Herbst soll ein ganz neues Album herauskommen mit Songs, die lange geprobt und dann «chic im Studio aufgenommen wurden», wie Dino Brandão humorvoll sagt. Auch Songs, die er zu Hause in Brugg im Schlafzimmer oder im Bandraum im Keller aufgenommen hat – «mit all den Instrumenten, die da herumstehen» – werden auf dem Album zu finden sein.

Ganz bewusst also soll auf dem Album nebst professioneller Produktion auch Experimentelles, Spielerisches seinen Platz haben. «Für mich als Liederschreiber ist es spannend, intuitiv da hinzugehen, wo es mich stilistisch hintreibt», sagt Dino Brandão. Entsprechend könnten den Hörern gewisse Songs sehr gefallen und andere wiederum überhaupt nicht. Zudem habe sich der Musikkonsum verändert. «Heute gibt es kaum noch Leute, die nur noch einen Stil hören. In der Popmusik werden inzwischen alle Genres gemischt und das macht sie auch spannend.»
Das Mischen und das Spielerische gehören zum Charakter von Dino Brandão. Ob am Konzert in Aarau oder im Interview bei ihm zu Hause in Brugg: Er lässt immer wieder einen lustigen Satz fallen und findet stets eine Gelegenheit, zu lachen. Diese Leichtigkeit war es auch, die ihn als Strassenmusiker in Baden so beliebt machte. Dank dem Geld, das die Passanten ihm zuwarfen, konnte er sich damals sein Vorstudium und einen Teil der Produktion des ersten Albums finanzieren. Dank dem Batzen vom Aargauer Kuratorium, den er dieses Jahr erhalten hat, konnte er sich viele Instrumente kaufen sowie Software, um Musik am Computer zu produzieren. «Das Produzieren für andere könnte etwas werden, wenn ich mal alt bin», sagt er und lacht.

Nebst Gitarre und Gesang übt Dino Brandão in Paris derzeit auch fleissig Trompete. In der «Cité Internationale des Arts», einem grossen Haus mit Musikern aus der ganzen Welt, lebt er eher zurückgezogen und nutzt die Zeit, um musikalisch an Neuem zu tüfteln. Er habe Spass bekommen am Herumspielen mit Effekten und vor allem begann er wieder, Perkussion zu spielen.

Sein Vater stammt aus Angola und ist Djembe-Lehrer, als Kind seien immer Trommeln bei ihm im Haus gestanden. «Afrikanische oder südamerikanische Rhythmen schlummern schon in mir», sagt Dino Brandão, der sich zwar klar als Schweizer fühlt, aber auch vom multikulturellen Milieu, in dem er aufgewachsen ist, geprägt sieht. Deutlich hört man das an den vielen Sprachen, in denen er seine Lieder schreibt und singt.

Brugg, das neue Nashville

«Früher oder später wird es bei mir schon noch eine Angola-Reise geben, auch musikalisch», sagt er. Nach Baden, Montreux, Paris und vereinzelten Auftritten in England, Deutschland und Österreich stehen vorläufig weitere Konzerte im nahen Ausland auf seiner Wunschliste. Zuerst kommt er aber Mitte Juni zurück nach Brugg, wo alles angefangen hat. Warum gibt es gemäss ihm derzeit so viel gute Musik in Brugg? «Einerseits liegt Baden mit einer breiten und bereits etablierten Szene mit vielen Festivals sehr nah», sagt Dino Brandão. Andererseits gäbe es in der Brugger Musikschule sehr engagierte Lehrer, darunter der vor einem Jahr pensionierte Bluesgitarrist Werner Ammann mit seinen Bandworkshops oder Jürg Moser, «der dich auf der klassischen Gitarre an die Hochschule in Zürich bringt». Dazu ermöglichen Stiftungen sowie die kantonalen Fördergefässe Kulturdünger und Kuratorium viel, sagt er. Brugg sei «das neue Nashville», habe er letzthin gehört – natürlich etwas übertrieben. «Es nimmt mich wunder, was noch kommt. Wenn man als 14-Jähriger sieht, dass im Dorf gute Bands spielen, dann steckt das an.»

Konzert von Frank Powers am Sonntag, 17. Juni, um 17 Uhr am Vindonissa Festival in Brugg und am Freitag, 29. Juni, um 22 Uhr am Zapfenstreich in Windisch.

Weitere Brugger Jungbands im Video: Ellas – Strange World

Gonoreas – The Mask Of Shame

Mène – Perdix