Mönthal
Gmür-Original moderte im Keller der Nachfahren vor sich hin

Das Dorftheater führt jedes Jahr ein Stück auf. Dieses Jahr fiel die Wahl auf «Seitensprung ins Paradies». Regisseur Jörg Birrfelder über das erste Theaterwochenende und die mühsame Beschaffung des Werks als Mundartversion.

Barbara Schlunegger
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Theater Mönthal
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Das diesjähirge Werk heisst ''Seitensprung ins Paradies''
Die Mundartfassung von Hans Gmür wurde aus dem Keller seiner Erben hervorgeholt
Fast alle Schauspieler sind Dorfbewohner

Theater Mönthal

zvg

Seit 32 Jahren ist er dabei. Um die zehn Mal schon als Regisseur. Auch dieses Jahr trug Jörg Birrfelder wieder massgeblich dazu bei, dass das Theater Mönthal mit einem Stück auf der Bühne stehen kann.

Dieses Mal entschied sich die fünfköpfige
Werk-Kommission für die Komödie «Seitensprung ins Paradies».

Das erste Theaterwochenende ist nun passé. Wer die ersten beiden Vorstellungen verpasst hat, erhält dieses Wochenende, am 24. und 25. Januar, noch eine Chance. Das Stück wird dann jeweils um 20.15 Uhr in der Turnhalle Mönthal aufgeführt.

Trotz Zweifel zufrieden

Rund 360 Besucher strömten letzten Samstag und Sonntag in die Turnhalle Mönthal, um «Seitensprung ins Paradies» zu sehen. Die Aufführung dauerte rund zweieinhalb Stunden. Birrfelder zeigt sich trotz anfänglicher Zweifel zufrieden: «Den Leuten hat es gefallen, sie haben gelacht. Im Vorfeld weiss man das ja nie so recht.»

Der Plot der Komödie ist simpel: Polizeisekretär Mörgeli deckt die Affäre seiner beiden Vorgesetzten auf. Diese zogen sich an den schönen Muggensee zurück, um die Bedürfnisse ihrer Libido zu stillen.

In die ganze Geschichte ist auch Mörgelis Frau Silvia involviert. Mörgeli sammelt mit der Unterstützung von Gemeinderätin Häberling Material, um seine Chefs überführen zu können.

Zwischen den beiden Aufführungs-Wochenenden wird nicht mehr viel geprobt. Nur noch einmal spielt das Theaterteam das komplette Stück durch. «Der Text muss aufgewärmt werden. Dann sind die Schauspieler sicherer», so Birrfelder.

Gmür verstaubt im Keller

Das Stück stammt ursprünglich aus den Federn der Deutschen Franz Arnold und Ernst Bach. Die Theatergruppe bevorzugte aber eine schweizerdeutsche Fassung. Einfach sollte sich die Suche danach nicht gestalten: Erst nach etlichen Telefonaten nach Aarau, Zürich und sogar Deutschland wurde der Regisseur fündig.

Und zwar bei den direkten Erben von Hans Gmür. Die einzige
Mundartversion von «Seitensprung ins Paradies» moderte nämlich im Keller der gmürschen Nachfahren vor sich hin.

Da nur noch das Original mit handschriftlichen Korrekturen existierte, musste für das Theater Mönthal zuerst eine Kopie angefertigt werden. Die Fassung von Hans Gmür diente Birrfelder als Regievorlage.

Die Texthefte für die Schauspieler werden normalerweise in einem Theaterverlag bestellt. In diesem speziellen Falle mussten diese jedoch noch eigenhändig erstellt werden. «Der Riesenaufwand hat sich aber eindeutig gelohnt», meint Jörg Birrfelder überzeugt.

Kein Haushalt ohne Theater

Das Theater Mönthal kann auf eine lange Bühnen-Tradition zurückblicken. «Schon während des Zweiten
Weltkriegs wurden in der Soldatenstube Werke aufgeführt», sagt Birrfelder. Auch persönlich verbindet den Regisseur viel mit dem Theater: Bereits sein Vater, Werner Birrfelder, war lange Zeit Regisseur im Dorftheater.

Es gäbe in Mönthal sowieso praktisch keine Haushaltung, in der noch nie ein Mitglied auf der Bühne gestanden habe, bemerkt Birrfelder lachend.

Die Zusammensetzung der Mitwirkenden wechselt jedes Jahr, wobei immer etwa dieselben Leute zusagen. Die Alterskategorien sind sehr durchmischt.

In seiner Freizeit lebt Birrfelder für die Bühne. Beruflich ist er bei einer Firma tätig, die an Grosskongressen mit Personal und Technik aufwartet.