In der Campus-Bar herrscht geschäftiges Treiben. Christoph Bader, Campus-Neubau-Projektleiter beim Kanton (siehe Box), sitzt in der Lounge – vor ihm ein paar Dokumente, in der Hand ein Smartphone und neben ihm zwei Studenten. «Ich habe eine Riesenfreude, wie selbstverständlich die Leute den Campus-Neubau nutzen und wie gut der Bau in die Umgebung passt», sagt er später.

Seit dem Jahr 2007 dominiert der Campus Baders Leben. Seine Stärken in Sachen Kommunikation und Organisation waren damals ausschlaggebend, dass er als Leiter dieses 231-Millionen-Franken-Bauprojekts zum Einsatz kam.

Zuvor hatte er die Erweiterung des Aargauer Kunsthauses und die Sanierung der Hallerbauten in Brugg-Windisch begleitet. «Ein Haus steht nur gut, wenn auch das Fundament gut ist», sagt Bader und erwähnt die hervorragende Zusammenarbeit mit dem beauftragten Generalunternehmen HRS Real Estate AG. «Auf das Resultat bin ich sehr stolz.»

Der Projektleiter hat in all den Jahren an unzähligen Sitzungen mit der Regierung, dem Grossen Rat, der Baukommission sowie Behörden- und FHNW-Vertretern teilgenommen und weit über hundert Gruppen durch die Baustelle und das fertige Bauwerk geführt.

Im Projekthandbuch hielt er die Spielregeln für alle Beteiligten fein säuberlich fest. «Vertrauen, Respekt vor den Menschen, die hier ihre Leistung erbringen, und klare Kommunikation sind mir besonders wichtig», sagt er zu seinem Erfolgsrezept.

«Einen solchen Bau in so kurzer Zeit zu erstellen, ist nur in einem gut funktionierenden Team möglich.» Es gab viele fachliche Auseinandersetzungen, wenn es um die Farbgebung oder die Nutzung einzelner Büros ging. Bader dazu: «Manchmal hatten wir härtere Diskussionen – aber sie waren immer gut.»

«Situation völlig unterschätzt»

Ein grosser Schock war der Brandausbruch in der Passerelle zwischen den beiden Hauptgebäuden am 10. April 2013 kurz nach 22 Uhr. Bader erinnert sich, wie er beim Eintreffen vor Ort um 23 Uhr die Situation völlig unterschätzte.

Das Ausmass der Katastrophe zeigte sich den Geschäftsführern der HRS, dem Projektleiter und Adrian Dömer, Leiter Services FHNW, erst am folgenden Tag. «Ich hatte Tränen in den Augen. Es sah aus wie in einer schwarzen Hölle», so Bader und zeigt zur Decke. Die Vertrauensbasis im Team war aber so gut, dass allen bald klar war, am Studienbeginn 16. September festzuhalten.

Innert kürzester Zeit entstand im Jahrhundertbauwerk eine neue Baustelle mit einer eigenen Organisation. «Vielleicht war das sogar unser Glück, dass wir die Situation in der Brandnacht unterschätzt hatten», blickt das Stehauf-Männchen aus Villnachern zurück.

Für Bader gab es nach dem Brand noch viel mehr Arbeit. Oft arbeitet er auch samstags. Im Sommer hatte der Projektleiter eine Woche Ferien. «Das geht schon an die Substanz», sagt er und wirkt plötzlich nachdenklich.

Heute geht ein Kapitel zu Ende

Zur Brandursache kann der Projektleiter übrigens nicht viel sagen: «Es ist erwiesen, dass es keine Brandstiftung war. Alles Weitere ist Sache der Staatsanwaltschaft, die bald Auskunft geben wird.»

Gestern Mittwoch erfolgte nun die letzte Bauabnahme. Im 3. und 4. Obergeschoss blieben nämlich Nutzen und Gefahr bis zur vollständigen Behebung der Brandschäden – trotz Eigentumsübertrag am 15. Juli 2013 an den Kanton – noch bei der HRS.

Dieses Kapitel geht nun zu Ende. «In sechs Monaten muss dann die Schlussabrechnung vorliegen», sagt Bader. Der Campus-Neubau wird ihn noch längere Zeit beschäftigen. Bis in zwei Jahren sind die Garantie-Arbeiten fällig.

Dass der Campus-Bau so viel Arbeit gebe, habe er am Anfang nicht erwartet, so Bader. Doch er bereue sein Engagement überhaupt nicht. Im Gegenteil: Der Projektleiter liebt den Durchblick und die Transparenz im Gebäudeinnern. Den grössten Teil aller Führungen organisierte er jeweils in seiner Freizeit. «Das mache ich zum Plausch. Ich finde es toll, den Leuten etwas Positives in der Region zu vermitteln», sagt Bader und strahlt.

Nach der offiziellen Einweihung des Campus-Neubaus Ende November mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist für Bader die Zeit definitiv reif, sich mehrere Wochen Ferien zu gönnen. «Das Leben besteht schliesslich nicht nur aus Arbeit», stellt er beruhigt fest und räumt die Espresso-Tasse weg.