Brugg
Gläubige verteilen vor Schulhaus Bibeln – das passt dem Schulleiter nicht

Die Gideons International – eine Vereinigung christlicher Geschäfts- und Berufsleute – verteilen vor Schulhäusern Bibeln. Dabei stossen sie auf Kritik. Heute werden aber erneut auf öffentlichem Grund in Erscheinung treten.

Elisabeth Feller
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Die Gideons verteilen in Brugg und Kaisten Taschenbibeln.

Die Gideons verteilen in Brugg und Kaisten Taschenbibeln.

«Hallo, wie alt seid ihr?» So wurden im November 2011 Primarschüler in Kaisten, unmittelbar beim Schulareal angesprochen. Je nach Antwort erhielten die Kinder dann eine Bibel. Im November 2012 wiederholt sich der Vorgang in Brugg, unmittelbar beim Sekundarschulhaus Freudenstein. Auch hier handelt es sich um dieselben Bibel-Verteiler: Mitglieder der Vereinigung Gideons International (siehe Box).

The Gideons International

The Gideons International - 1899 in den USA gegründet - ist eine Vereinigung christlicher Geschäfts- und Berufsleute. Seit 1899 wurden über 1,5 Milliarden Neue Testamente oder Bibeln verteilt. Vertreten sind die Gideons durch über 300 000 Mitglieder in über 190 Ländern (Schweiz: 1200 Mitglieder). Ein internationaler Vorstand überwacht den globalen Dienst der Gideons. (AZ)

Für den Brugger Gesamtschulleiter Peter Merz ist das Ganze nicht neu: «Solche Verteilaktionen hat es zuvor schon gegeben. Wir stören uns daran, aber wir können nichts dagegen unternehmen, solange sie auf öffentlichem Grund stattfinden.» Die Schulleitung wird von Gideons freilich jedes Mal vor der Aktion orientiert – auch in diesem Jahr.

Für heute Aktion geplant

So hiess es in einem Mail von Martin Friolet (Gideons) an die Schulleitung unter anderem: «Auf öffentlichem Grund ist das Verteilen von Bibeln in der Schweiz erlaubt und bedarf keiner behördlichen Bewilligung (siehe Bundesverfassung Art. 16 + 17; Bundesgerichtsurteil 89). Für kommenden Montag ist eine Verteilung von Taschenbibeln bei der Sekundarschule Freudenstein geplant. Dazu werden einige unserer Mitglieder ausserhalb des Schulareals mit einer Tasche mit Bibeln stehen und den Schülern auf dem Heimweg eine Taschenbibel anbieten.» Das war am Montag dieser Woche um die Mittagszeit auch der Fall.

Gesamtschulleiter Peter Merz hat die Aktion nicht selbst erlebt, doch er hat negative Rückmeldungen bekommen. Obgleich das Verteilen auf öffentlichem Grund und nicht auf dem Schulareal stattgefunden hatte, «fühlten sich die Schüler belästigt. Uns gefällt das gar nicht. Wir müssen uns überlegen, wie wir künftig vorgehen können», sagt Merz. Laut Friolets Mail ist auch für heute «eine Verteilung von Taschenbibeln bei der Bezirksschule Hallwyler geplant. Dann werden wir erst in ca. drei Jahren wieder eine Verteilung von Taschenbibeln bei diesen Schulen planen, so Gott will und es ermöglicht.» Christian Aeschbach, Schulleiter am «Hallwyler», bestätigt die vorgängige Information durch Gideons: Die Bezirksschule sowie Klassen- und Religionslehrer seien über die heutige Aktion orientiert.

Keine Religionsgemeinschaft

Auf Fragen dazu sowie zu den Vorwürfen der Belästigung will Martin Friolet nicht eintreten. Er verweist auf Roland Thörisch: Der Leiter von Gideons International Schweiz (1200 Mitglieder) bedauert: «Für uns ist das Wort Gottes wichtig. Deshalb wollen wir es verbreiten. Die Leute sollen sich aber nicht bedrängt fühlen – wir müssen deshalb die Situation beim Schulhaus Freudenstein klären.»

Thörisch legt explizit Wert auf die Feststellung, dass Gideons International «keine Religionsgemeinschaft ist. Wir kennen auch keine Gottesdienste. Wir sind Mitglieder einer Organisation. Gideons sind aktive Mitglieder ihrer Kirchgemeinden.» Kennt er den heutigen zeitlichen Ablauf der Verteilaktion? Die Einsätze, so Thörisch, hingen von den lokalen Gruppen ab – und das gelte auch für allfällige weitere Aktionen in Brugg.

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