Windisch
Gibt es bei der Stiftung Faro eine Kündigungswelle?

Die Kündigung von sechs Angestellten bei der Intensivbetreuung sorgt für Unmut. Die Rede ist von fehlender Professionalität. Der Geschäftsführer der Stiftung Faro, Dani Hohler, nimmt Stellung.

Claudia Meier
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Aus dem Umfeld der Mitarbeiter wird Kritik laut - auch an der Geschäftsleitung.

Aus dem Umfeld der Mitarbeiter wird Kritik laut - auch an der Geschäftsleitung.

AZ

Die Stiftung Faro in Windisch begleitet und betreut erwachsene Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen. Klienten mit stark herausforderndem Verhalten wohnen in Intensivbetreuungsgruppen. Kommen sie mit einer Situation nicht klar, können sie sich den Kopf blutig schlagen oder gegenüber anderen Menschen gewalttätig werden.

Nun wird aus dem Mitarbeiter-Umfeld Kritik laut – unter anderem auch an der Geschäftsleitung. Bei der Stiftung Faro hätten sechs Leute in einem Team gekündigt. Andere liessen sich langfristig krankschreiben. Pro Tag müsse man 12 Stunden auf der Intensivbetreuung arbeiten, heisst es von einer Person, die nicht namentlich erwähnt werden will. Es fehle an Professionalität und die Arbeitsmoral sei auf einem Tiefpunkt. Mitarbeitende müssten zum Teil Ferien abbrechen und einspringen. Der Geschäftsleitung sei das egal.

Mehrbelastung wegen Bauarbeiten

Die Stiftung Faro zählt derzeit insgesamt 180 Mitarbeiter. Von Januar bis Ende August dieses Jahres haben im Wohnbereich 14 Personen, die sich auf 11 Gruppen verteilen, gekündigt. Geschäftsführer Dani Hohler sagt: «Aufgrund der Auswertung der Kündigungsgründe gehen wir davon aus, dass fünf Kündigungen ursächlich zusammenhängen.» Von Seite Faro mussten seit Juni zwei Kündigungen ausgesprochen werden.

In den letzten drei Jahren wurden jeweils pro Jahr in zwei Wohngruppen notwendige bauliche Veränderungen vorgenommen. Gebaut wird während rund drei Monaten. «In dieser Zeit ist die Betreuungsarbeit zusätzlich erschwert und die Belastung der Mitarbeitenden sehr hoch», räumt Dani Hohler ein. In den beiden Teams, die dieses Jahr betroffen waren, sei es innerhalb von drei Monaten zu fünf Kündigungen gekommen. Die Gründe seien: Unzufriedenheit mit der Führung, hohe Arbeitsbelastung, nicht bestandene Prüfung sowie ein Umzug und der damit verbundene zu lange Arbeitsweg.

Personalumfrage: gute Resultate

Die Geschäftsleitung nimmt laut Hohler die Situation sehr ernst. Die Personalsituation werde wöchentlich besprochen. Dies habe auch dazu geführt, dass zwei Mitarbeiter angefragt wurden, ihre geplanten Ferien zu verschieben. Im Wohnbereich wird in 12-Stunden-Schichten gearbeitet. Geschäftsführer Hohler betont: «Die Planung erfolgt unter strikter Einhaltung des Arbeitsgesetzes.» Aktuell sind drei Mitarbeiter seit über 30 Tagen aus völlig unterschiedlichen Gründen krankgeschrieben.

Geschäftsführer Dani Hohler sagt, dass die Jahresfluktuation in dieser Branche rund 18 Prozent betrage. In einer im Frühling 2017 von einer externen Stelle durchgeführten Personalbefragung zeigt sich, dass die von der Stiftung Faro geleistete Personal- und Führungsarbeit erfolgreich ist. Auch in Sachen Professionalität zeigen sich die Faro-Angestellten bei der Umfrage zu 89 Prozent eher zufrieden bis sehr zufrieden. Befragt wurden, abgesehen von den Praktikanten, alle Mitarbeiter. Die Rücklaufquote betrug 71 Prozent.