Brugg
Gesundheitszentrum wird für 100 Millionen erneuert – Anwohner äussern Ängste

Im März beginnen die Arbeiten zum Projekt «Akkord» beim Gesundheitszentrum in Brugg. Die Stiftung Gesundheit lud die Anwohner zu einer Infoveranstaltung ein. Die Änderungen während der Bauphase warfen Fragen auf.

Elisabeth Feller
Merken
Drucken
Teilen
So wird sich dereinst das Gesundheitszentrum mit Alterswohnungen, Pflegeheim und weiteren Angeboten auf beiden Seiten der Fröhlichstrasse (Mitte) präsentieren. Grünflächen spielen eine wichtige Rolle. ZVG

So wird sich dereinst das Gesundheitszentrum mit Alterswohnungen, Pflegeheim und weiteren Angeboten auf beiden Seiten der Fröhlichstrasse (Mitte) präsentieren. Grünflächen spielen eine wichtige Rolle. ZVG

«Bleiben Sie, solange Sie können, zu Hause, aber bei uns ist es auch schön.» Rolf Alder, Präsident des Stiftungsrates Gesundheit Region Brugg, lacht verschmitzt. Er weiss, wie er sein Publikum im Süssbachsaal des Pflegezentrums Süssbach – ca. 80 Anwohner – auf das Mammutvorhaben Akkord einstimmen kann: mit Optimismus und Witz.

Ohne das wird es nicht gehen, denn das 100 Millionen Franken teure Vorhaben – diverse Bauprojekte im Gesundheitszentrum Brugg – wird Beeinträchtigungen zur Folge haben: mehr Lärm und Verkehr.

Ist das ambitiöse, vom Wettbewerbssieger-Büro Fugazza Steinmann Partner, Wettingen, konzipierte Projekt 2019 abgeschlossen, werden wohl alle erleichtert aufatmen: Bewohner des Alterszentrums und des Pflegeheims, Mitarbeitende, am Bau Beteiligte sowie Anwohner.

Akkord könnte ob seiner schieren Grösse Angst einflössen. Das darf nicht sein, sagte sich die Stiftung Gesundheit Region Brugg und lud deshalb die Nachbarn des Gesundheitszentrums zu einer Information ein, die mit detaillierten Plänen und dem Fahrplan aufwartete.

Es geht Schlag auf Schlag

Hans Bürge, Geschäftsleiter der Stiftung Gesundheit Region Brugg, erläuterte eingangs, was unter dem Dach des Gesundheitszentrums Brugg alles vereint ist: 35 verschiedene Institutionen.

Jetzt rüstet das Zentrum noch mehr auf. Was das heisst, verdeutlicht Architekt Markus Schärer. Das Projekt Akkord wird in 9 Teil- und 16 Zusatzprojekte gegliedert. Das bedeutendste Baugesuch für den neuen Pflegetrakt mit Restaurant wird voraussichtlich im März 2014 eingereicht werden.

Von März bis Winter dieses Jahres geht es erst einmal um die Vorbereitungsarbeiten, wobei allein schon dafür ein Bauvolumen von 7 Millionen Franken verbaut wird.

Unter anderem gibt es eine neue Produktionsküche am Standort der bestehenden Spitalküche; am Südost-Ende des heutigen Pflegeheims wird zudem für die Dauer der gesamten Bauzeit eine provisorische Unterkunft für die Ambulanz geschaffen.

Kinderbetreuung: Wo wird es Platz für die Schützlinge haben?

Das Projekt Akkord wird auch drei Häuser am Süssbachweg betreffen, wo kleine Kinder betreut werden. Die Gebäude müssen abgebrochen werden. Wo werden die Schützlinge der Kinderheim-Gruppe, der Kita (Kindertagesstätte) und der Glückschäferli Unterschlupf finden? Hans Bürge, Geschäftsleiter der Stiftung Gesundheit Region Brugg, verweist auf das Haus L auf dem Gelände (roter Pfeil): «Dort sind zwei Abteilungen ‹Kindertagesstätte› vorgesehen. Da die Glückschäferli eine rein private Institution ist ohne direkten Bezug zum Gesundheitszentrum, wird sie sich selbst um eine Nachfolgelösung kümmern müssen.» Die bisher eingereichten Baugesuche, so Bürge, betreffen nur die Häuser B und C sowie die Abbrüche der Häuser am Süssbachweg. «Das Baugesuch für die Hauptbauten wird frühestens im nächsten Monat eingereicht. Wir suchen für die Kita eine provisorische Unterkunft in der Nachbarschaft für die Zeit nach dem Abbruch, bis zur Fertigstellung des Hauses L.» Dies dauere ab Herbst 2014 mindestens zwei Jahre. Bürge hofft, dass sich dank der Nachbarschaftsorientierung etwas finden wird. (EF.)

Danach geht es richtig los. Bis 2016 wird das mit neuem Restaurant und Sälen ausgestattete Pflegeheim – an der Ostseite der Fröhlichstrasse – als Ersatz für das auf der Westseite gelegene Altersheim-Hochhaus fertig gebaut sein.

Im Frühjahr 2016 werden die bisher im Hochhaus lebenden Altersheimbewohner in den neuen Pflegetrakt umziehen. Der Umzug ist notwendig, weil nur ein leeres Hochhaus umgebaut und im Herbst 2018 bezogen werden kann. Dannzumal werden an diesem Ort Alterswohnungen, Spitex sowie weitere Dienstleister beheimatet sein.

Hinzu kommt im Norden des Areals ein erstes neues Haus mit weiteren Wohnungen für die Alterssiedlung. In der letzten Etappe folgen in Richtung Süden drei ringähnlich situierte, zusätzliche Gebäude, sodass das Angebot von heute 53 auf 87 Alterswohnungen steigen wird.

Verschiedene Ängste bei der Bevölkerung

Ein solches Projekt wirft viele Fragen auf. Diese stellten die Anwohner denn auch. Besorgnis äusserten sie etwa im Hinblick auf den neuen Standplatz der Ambulanz und den steigenden Verkehr (Lastwagen) sowie eine allfällige Verschiebung der Bushaltestelle an der Laurstrasse: Diese bleibt. Und der Verkehr? «Alle wissen, dass sie während der Bauphase langsamer fahren und noch mehr aufpassen müssen als eh schon», betont Markus Schärer.

Was ist mit dem Süssbachweg? Viele benutzen ihn zum Einkaufen. Wird er offen sein? Ja. Wie steht es preislich mit den Alterswohnungen? Sind diese noch bezahlbar? Ja. Allerdings werden sie dem «durchschnittlichen Brugger Preissegment angepasst», so Heinz Pulfer, Zentrumsleiter Alterszentrum Brugg.

So günstig wie heute können sie nicht mehr angeboten werden. Wie ist die Fassadengestaltung? Ähnlich wie beim Haus der Medizin; auf jeden Fall kein Sichtbeton. Muss es unbedingt einen zentralen Haupteingang geben?

Bürge: «Ja. Aus Sicherheitsgründen.» Wird es einen kleinen Laden geben? Nein, ein solcher ist nicht geplant. Vorgesehen sind hingegen grosse Grünflächen, für die der Brugger Landschaftsplaner Felix Naef verantwortlich zeichnet.

«Noch Fragen?» Rolf Alder blickt in die Runde und knüpft dann – lachend – an seine Begrüssung an: «Bleiben Sie solange Sie können zu Hause, aber bei uns ist es auch schön.»