Windisch

Geschwindigkeitskontrollen zeigen: Temposünder sind selten

In Windisch wurden Verkehrsdaten ausgewertet (Symbolbild)

In Windisch wurden Verkehrsdaten ausgewertet (Symbolbild)

Dem Empfinden werden Fakten entgegengesetzt. Erstmals sind die Daten der Verkehrsmessungen ausgewertet worden. Sie sollen zeigen, wie die Verkehrsverhältnisse in Windisch tatsächlich aussehen. Es zeigt sich: Die meisten halten sich an die Regeln.

Auf den Kantonsstrassen sowie den viel befahrenen Gemeindestrassen in Windisch sind im vergangenen Jahr regelmässig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt worden: Habsburg-, Hauser- und Mülligerstrasse sowie Dorf-, Klosterzelg- und Reutenenstrasse.

Mit dem Radar nahm die Regionalpolizei (Repol) Brugg die Messungen im Auftrag des Gemeinderats vor – jeweils zwei- bis dreimal pro Monat über den Tag verteilt sowie zu den Stosszeiten. Zum ersten Mal sind die Daten statistisch ausgewertet worden.

Dem Gemeinderat ist die Verkehrssicherheit ein grosses Anliegen. «Immer wieder kommt es zu Beanstandungen aus der Bevölkerung über übermässige Verkehrsbelastung und zu schnelles Fahren», sagt Vizepräsidentin Rosi Magon.

«Geschwindigkeitskontrollen und Verkehrsmessungen ersetzen das ‹Empfinden› und ermöglichen eine faktenbasierte Diskussion über die tatsächlichen Verkehrsverhältnisse.» Der Gemeinderat beabsichtige nun, jedes Jahr über die Resultate zu informieren.

Unter der kritischen Schwelle

Gemessen wurden 2017 alles in allem 25 815 Fahrzeuge, festgestellt wurden 2009 Übertretungen – was im Durchschnitt aller Messungen und Strassen einem Anteil von 7,8 Prozent entspricht. Dieser Wert liegt gemäss Gemeinderat unter der kritischen Schwelle von 15 Prozent, ab der die Polizei Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit empfiehlt.

Anders gesagt: Die überwiegende Mehrheit der Verkehrsteilnehmer – das ist für den Gemeinderat erfreulich – hält sich an die Regeln. Die höchste Geschwindigkeit wurde mit 78 km/h auf einer Kantonsstrasse in der Tempo-50-Zone gemessen.

Auf Strassen mit sehr hohem Verkehrsaufkommen – 1500 Fahrzeuge pro Messstunde – ist die Rate der Übertretungen geringer als bei Strassen mit tieferen Verkehrsaufkommen von 201 Fahrzeugen pro Messstunde, hat die Auswertung ergeben.

«Die massive Verringerung ist auf die hohe Verkehrsstärke auf den Hauptverkehrsachsen, die kein schnelleres Fahren erlauben, zurückzuführen», so der Gemeinderat.

In den Tempo-30-Zonen – in Durchgangs- und Erschliessungstrassen – ist durchschnittlich mit rund 11 Prozent Temposündern zu rechnen. Mit 13,8 Prozent am höchsten ist der Anteil der Übertretungen zwischen 8.30 und und 11 Uhr sowie zwischen 13.30 und 17.30 Uhr.

Es scheine, dass die Autofahrer den Tag gemächlich angehen, lautet das Fazit des Gemeinderats, dann schneller zum Mittag fahren und noch schneller am Abend nach Hause wollen.

Es wird nicht gerast

Auf den Quartierstrassen mit geringem Verkehrsaufkommen werden normalerweise keine Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt, weil der Zeit- und Kostenaufwand zu hoch ist.

Vereinzelt kommt es zu Beanstandungen von Anwohnern an Quartierstrassen mit Tempo 30, so der Gemeinderat, die sich beschweren über zu hohe Geschwindigkeiten oder Schleichverkehr.

Die Behörde hat deshalb die Repol beauftragt, eine einwöchige Verkehrsmessung an der Jurastrasse durchzuführen. Auch hier halten sich, hat sich gezeigt, 89 Prozent an das Tempolimit von 30 km/h. «Der Eindruck, es werde auf der Jurastrasse gerast, bestätigt sich nicht», fasst der Gemeinderat zusammen.

An Werktagen sind auf der Jurastrasse im Durchschnitt 486 Fahrzeuge unterwegs. Die Belastung ist gering, auch wenn diese zwischen 17 und 19 Uhr jeweils steigt. Dass die Jurastrasse vor allem im abendlichen Stossverkehr zur Umgehung des Staus auf der Hauserstrasse befahren wird, bestätigen die Verkehrsmessungen, führt der Gemeinderat aus.

In der Regel seien dann aber keine Kindergärtler und Primarschulkinder unterwegs. Handlungsbedarf sieht die Behörde nicht. Allerdings: «Bei Bedarf wird der Gemeinderat weitere Verkehrsmessungen anordnen und über die Resultate informieren.»

Apropos Hauserstrasse: Diese dürfte pro Tag – als Vergleich – mittlerweile von rund 19 400 Fahrzeugen täglich befahren werden.

Gelder kommen in Bussen-Topf

Zu Reklamationen über die Radarmessungen kommt es nicht, antwortet Rosi Magon auf die entsprechende Frage. «In der Regel wissen die Lenker, dass sie zu schnell gefahren sind.» Die Quartierbevölkerung ihrerseits begrüsse die Geschwindigkeitskontrollen. Diese dienen, fügt die Vizepräsidentin an, nicht primär der Bussenkasse, sondern vielmehr der Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Die Bussengelder aller Geschwindigkeitskontrollen, die von der Repol im Vertragsgebiet durchführt werden, fliessen gemäss der Windischer Vizepräsidentin übrigens in einen Bussen-Topf.

Der Betrag wird nach einem speziellen Schlüssel an die Gemeinden ausgeschüttet und beläuft sich über die letzten fünf Jahre auf durchschnittlich 184 000 Franken. Er entspreche aber nicht dem Bussenertrag der in Windisch ausgestellten Bussen, ergänzt Rosi Magon.

Die Geschwindigkeitskontrollen in Windisch sollen im selben Mass weitergeführt werden. Interessierte Einwohner können die Messresultate auf Anmeldung bei der Abteilung Planung und Bau, Bereichsleitung Tiefbau und Verkehr, einsehen.

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