Die Campus Galerie, unmittelbar neben der EG-Bar auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) Brugg-Windisch, präsentiert sich karg. Die ungenutzte Gewerbefläche befindet sich noch immer im Rohbau, der Raum wird als Galerie zwischengenutzt. «Wir mögen den Industriecharakter», so Stephan Bruelhart, pensionierter Dozent der FHNW. Lange wird der Raum aber nicht mehr schlicht bleiben, denn Valérie Sauvin und ihr Partner Prem Nemat wollen mit ihrer Ausstellung «dini dastan» Leben in die Campus Galerie bringen. «dini dastan» ist eine Kombination aus dem Schweizerdeutschen «dini» und «dastan», das auf Farsi «Geschichte» bedeutet. «Deine Geschichte» also lautet der Titel der Ausstellung.

Präsentieren werden die beiden Teppiche aus dem Iran, Prem Nemats Heimat. 5 Stück hängen bereits, an der Ausstellung werden es 22 sein. Es sind Gilims (Teppiche aus Wolle) und Ziloos (Teppiche aus Baumwolle) mit unterschiedlichen Mustern und Farben, die meisten davon Naturfarben. An der Ausstellung wird auch Stephan Bruelhart dabei sein. Er zeigt seine Installation «Stay in the carpet», bei der eine Virtual-Reality-Brille und ein Teppich eine Rolle spielen.

Ein Test fürs weitere Leben

Für Sauvin (32) und Prem Nemat (40) ist es die erste Ausstellung. Sie freuen sich, sind aber auch nervös, ob und wie viele Besucher kommen. Die Ausstellung ist ein Test, ob sie ihren Weg weiterverfolgen können. Sauvin möchte nämlich eine Firma unter dem Namen «dini dastan» gründen. In welcher Form genau, ist noch offen. Die Ausstellung soll zeigen, ob an iranischen Teppichen ein Interesse besteht und somit ein Markt existiert. Die Gilims und Ziloos, die präsentiert werden, können erworben werden. Gemäss Sauvin beläuft sich der Preis für einen grossen Teppich auf rund 800 bis 1200 Franken, mittlere Exemplare gibt es ab 600 Franken.

Bei den Teppichen handelt es sich um Unikate. Sie sind hauptsächlich von iranischen Frauen in kleinen Wüsten- und Bergdörfern von Hand gewoben worden. Gemacht, um Sonnenlicht und Wetter standzuhalten. Dies entspricht dem Motto ihrer Ausstellung: «Simple carpets for a simpler life», zu Deutsch: einfache Teppiche für ein einfacheres Leben.

Den beiden ist wichtig, den Besuchern der Ausstellung zu zeigen, welche Geschichten in den Teppichen stecken. «Wärme und Zuneigung sind in den Teppichen. Es hat einen beruhigenden Effekt, wenn man auf ihnen sitzt», sagt Prem Nemat. Das Weben der Teppiche ist eine Form von Meditation. Die Frauen und Männer wollen mit dem Weben zur Ruhe kommen. Die Muster in den Teppichen transportieren dabei Botschaften, die manchmal nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Wunsch nach Freiheit

Valérie Sauvin und Prem Nemat sind beide aus ihren Leben ausgebrochen. Sauvin, die in Ennetbaden aufwuchs, arbeitete als Geschäftsführerin einer Lichtplanungsfirma. Auf einer Reise in Indien lernte sie in einem Meditationszentrum Prem Nemat kennen. Der heute 40-Jährige wanderte mit 22 aus dem Iran in die USA aus, wo er die Staatsbürgerschaft erlangte und Karriere als Ingenieur machte. Mit 36 wurde ihm bewusst, dass etwas fehlte. Er nahm all sein Geld und reiste für drei Jahre herum.

Sauvin kehrte nach der Indien-Reise wieder in die Schweiz zurück, merkte aber, dass sie das Leben und die Arbeit hier nicht mehr erfüllten. «Ich wollte ausbrechen, wollte mir selber Zeit geben», sagt Valérie Sauvin. Sie kündigte ihre Wohnung, ihren Job und folgte Prem Nemat auf seinen Reisen. Auch dessen Heimat, den Iran, besuchten sie. Dort wurde ihr die Schönheit der Teppiche bewusst.

Nun ist sie mit Prem Nemat zurück in der Schweiz und wohnt wieder in der Region Baden. Sauvin sieht ihre Zukunft hier in der Schweiz. «Im Iran zu leben, ist schwierig.» Zudem habe sie durch ihre vielen Reisen in den letzten Jahren die Schönheit der Schweiz wieder entdeckt. Die beiden möchten ihr freies Leben weiterführen. «Wir wollen etwas machen, das uns im Herzen erfüllt», so Sauvin. Dafür brauche es Geld. Das wollen sie mit den Teppichen verdienen.

Ausstellung Opening-Night in der Campus Galerie am Freitag, 9. November ab 19 Uhr. Geöffnet am Samstag von 9 bis 18 Uhr, Sonntag von 9 bis 16 Uhr und Montag, 9 bis 18 Uhr.