Geschichte
Panis Militaris statt Ostereier: Das Römerlager Vindonissa bietet Familien an den Festtagen ein Alternativprogramm

Auch in den Zeiten der Pandemie hält das Museum Aargau das Konzept der Geschichtsvermittlung hoch. Bei den Aktionstagen in Brugg und Windisch hatten Mütter und Väter, Söhne und Töchter ihren Spass. Mitmach-Angebote und Zeitreisen in die Antike lockten.

Ina Wiedenmann
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Im Römerlager Vindonissa warteten Abenteuer und Spiele auf die ganze Familie, auch auf Aurelio und dessen Mutter.

Im Römerlager Vindonissa warteten Abenteuer und Spiele auf die ganze Familie, auch auf Aurelio und dessen Mutter.

Ina Wiedenmann

In der Zeitmaschine wird es dunkel. Der Kalender der Maschine zeigt das aktuelle Datum an. Mit einem Mal blinkt es an mehreren Stellen und rumort überall. Plötzlich drehen sich die Zeiger der Uhr rückwärts und werden nach und nach immer schneller. Nach einiger Zeit steht auf dem Kalender das Jahr 69 und ein Legionskommandant – der Legatus legionis – tritt auf. Er begrüsst die Zeitreisenden.

Abenteuer und Spiele statt Eiersuche

Im Römerlager Vindonissa warteten an allen vier Ostertagen beim verlängerten Familienwochenende eine Reihe Abenteuer und Spiele auf die ganze Familie. Bastelangebote, Spiel-Touren und Gespräche mit Legionären und Römerinnen standen auf dem Programm. Zudem konnten im Vindonissa Museum kleine und grosse Forscherinnen und Forscher archäologische Abenteuer erleben.

Geschichtsvermittler Roger Pfyl im Feldlazarett.

Geschichtsvermittler Roger Pfyl im Feldlazarett.

Ina Wiedenmann

Roger Pfyl, Fachspezialist für Geschichtsvermittlung, erklärt:

«Anstelle eines Eröffnungsfestes des Legionärspfads wollten wir eine Alternative anbieten, damit Familien auch in dieser speziellen Zeit mit Freude Geschichte erleben können.»

Dafür wurde ein Coronaschutzkonzept ausgearbeitet. Überall stehen Desinfektionsständer. Es gilt Maskenpflicht, auch für die Legionäre und Römerinnen. Die Abstandsregeln werden eingehalten und alle Bastelstationen werden laufend desinfiziert.

Wasserleitung des Lagers wieder zum Laufen bringen

Einzelne Familien statten sich mit Audio-Guides aus, betreten mutig die Zeitmaschine und machen sich auf eine spannende Spiel-Tour durch den Legionärspfad. Der Legatus legionis entlässt sie mit einem Rätsel aus der Maschine. Eines davon heisst «Werdet Römer», bei dem es darum geht, die Wasserleitung des Lagers wieder zum Laufen zu bringen. Ausgestattet mit Legionärsrucksack und Römerpass gilt es, an acht Original-Schauplätzen Fragen zu beantworten, damit es im Römerlager endlich wieder Wasser gibt.

Die Öllampe aus Ton zu formen, ist nicht einfach

Bei den Legionärsunterkünften Contubernia ist einiges los. Der achtjährige Laurenz aus Zürich modelliert an einer Station eine Öllampe aus Ton. «Das ist nicht einfach», sagt er leise, beugt sich wieder über seine kleine Tonschale und formt geschickt einen feinen Rand. Seine Eltern unterstützen ihn dabei.

Legionär Divicus Gorius Castris mit einem Back-Kit.

Legionär Divicus Gorius Castris mit einem Back-Kit.

Ina Wiedenmann

So lernt der kleine Aurelio den Teig für Panis Militaris zu kneten.

Ina Wiedenmann

Weiter entfernt sitzt Aurelio mit seiner Mutter. Legionär Divicus Gorius Castris zeigt ihm, wie er aus Dinkelmehl, Salz und Wasser Fladenbrot – ein Panis Militaris – machen kann. Dafür knetet Aurelio kräftig alle Zutaten in einer Schale zu einem Teig, drückt ihn flach und bringt ihn in Form. Anschliessend wird sein Brot an der Feuerstelle gebacken. Aus der Ferne hört man jemanden hämmern. An einem Hackklotz steht Alessio und bearbeitet mit einem Hammer und viel Muskelkraft einen alten, metallenen Schildbeschlag. Er ist mit seinen Eltern hier, strahlt und scheint den Tag zu geniessen.

Roger Pfyl freut sich über die gut zu organisierende Anzahl an Gästen und sagt:

«Bei diesem Angebot setzten wir klar auf Qualität statt auf Quantität.»

Für so mache Familie war es in diesen Tagen offenbar ebenso spannend, römischer Geschichte auf den Grund zu gehen, wie nach Ostereiern zu suchen.