Geschichte
Kantonsarchäologie schliesst Ausgrabungen in Windisch ab: Das sind die speziellsten Funde

Während insgesamt elf Monaten wurden auf dem Areal direkt ausserhalb des Legionslagers Vindonissa Funde geborgen.

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Die Kantonsarchäologie führte die Ausgrabungen in Windisch während zweier Etappen durch.

Die Kantonsarchäologie führte die Ausgrabungen in Windisch während zweier Etappen durch.

zvg

Künftig entsteht auf dem Areal zwischen der Zürcherstrasse und dem Sonnenweg in Windisch eine Grossüberbauung mit Tiefgarage. «Dabei werden die römischen Überreste bis in vier Meter Tiefe zerstört, weshalb die Kantonsarchäologie im Vorfeld eine Ausgrabung in zwei Etappen 2020 und 2021 durchgeführt hat», vermeldet das kantonale Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) am Donnerstag.

Während insgesamt elf Monaten dokumentierte das Grabungsteam eine Fläche von 3000 Quadratmetern und barg die Funde. Die Ausgrabung wurde Ende Juli termingerecht abgeschlossen. Die ältesten archäologischen Hinterlassenschaften auf dem Areal waren Gräber, die zu einem Bestattungsplatz gehörten, heisst es in der Mitteilung.

Insgesamt dokumentierte das Grabungsteam 14 Brandbestattungen:

«Die sterblichen Überreste, der sogenannte Leichenbrand, wurden teilweise in Keramikurnen bestattet, aber auch in Behältnissen aus organischen Materialien, die längst im Boden vergangen waren. Den Toten mit ins Grab gelegt wurden Beigaben wie Schmuck und Gefässe, sowie vermutlich auch darin enthaltene Nahrungsmittel.»

Dank dieser Grabbeigaben könne das Gräberfeld ins beginnende erste Jahrhundert nach Christus datiert werden. Neben den Brandgräbern kamen auch vier Körperbestattungen ohne Beigaben zum Vorschein.

Gemäss Mitteilung haben naturwissenschaftliche Analysen bestätigt, dass sie ebenfalls in die frührömische Zeit gehören, was «ungewöhnlich ist, da in der Regel in dieser Zeit die Brandbestattung üblich war».

Das Grabungsteam der Kantonsarchäologie dokumentierte 14 Bestattungen.

Das Grabungsteam der Kantonsarchäologie dokumentierte
14 Bestattungen.

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Quer über das Ausgrabungsareal verlief eine Strasse, die bereits aus älteren angrenzenden Ausgrabungen bekannt war. Südlich an die Strasse grenzten mehrere Gebäude an. Von den ursprünglich aus Holz gebauten Häusern hätten sich nur wenige Spuren im Boden erhalten. Dazu gehörten Reihen von Steinen, worauf die hölzernen Schwellbalken der Gebäude verlegt worden waren. Im Gebäudeinnern trennten dünne Lehmwände die Räume voneinander ab.

Die Wände waren mit weissem Verputz verkleidet, auf dem eine einfache Bemalung in roten, braunen und grünen Linien erhalten war. Eine ganze Wand konnte im Verband dokumentiert werden, weil sie beim damaligen Abriss des Gebäudes als Ganzes umgestürzt war.

Hochkarätige Funde und neue Erkenntnisse

Hinter den Gebäuden schlossen Hinterhöfe an, wo sich Abfallgruben und Latrinen befanden. «In diesem Bereich lag auch ein Töpferofen, in dem ein Töpfer Keramikgefässe wie Krüge und Teller brannte. Die Siedlung setzte sich in östlicher Richtung fort. Die andersartige Ausrichtung der Gebäude lässt darauf schliessen, dass sie sich an einer anderen Strasse orientierten, die vermutlich unter der heutigen Zürcherstrasse verlief.»

Ein Töpferofen zeugt von Handwerk im Hinterhof der Gebäude.

Ein Töpferofen zeugt von Handwerk im Hinterhof der Gebäude.

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Unter den Hunderten von Funden stechen laut BKS einige besonders hervor. Eine Bronzefigur zeige Minerva, Tochter des Jupiters, Göttin des Kriegshandwerks und der Weisheit.

Bronzefigur der Göttin Minerva.

Bronzefigur der Göttin Minerva.

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«Sie ist liegend dargestellt mit Schild, Helm und einer Trinkschale in der vorgestreckten rechten Hand.» Ein massiver Goldring mit einem grossen, zweifarbigen Schmuckstein – Kameo genannt – zeige den Helden Achill. «Er hat seine Waffen neben sich abgelegt und spielt auf der Leier.»

Durch die Ausgrabung konnte, so schreibt das BKS, ein weiterer grossflächiger Bereich im Süden ausserhalb des Legionslagers Vindonissa untersucht werden, was zum besseren Verständnis der hier liegenden Zivilsiedlung beitrage.

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