Gesamterneuerungswahlen
In letzter Minute: Die Gemeinde Mülligen hat den Sachwalter abgewendet

Um Fremdbestimmung zu verhindern, tauchten zwei neue Gemeinderatskandidierende auf und wurden gewählt. Wie sich die Ausgangslage in letzter Minute noch geändert hat, erzählt der frisch gebackene Gemeinderat Markus Kämpfer.

Claudia Meier
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Im Gemeindehaus Mülligen ist ab 2022 noch ein Gemeinderatssitz vakant.

Im Gemeindehaus Mülligen ist ab 2022 noch ein Gemeinderatssitz vakant.

Claudia Meier
(27: Mai 2020)

Am Mülliger Polithimmel sah es in den vergangenen Monaten düster aus: Für den ersten Wahlgang der Gesamterneuerungswahlen hatten sich nur die beiden bisherigen Gemeinderäte Stefan Hänni (derzeit Vizeammann) und Franziska Näf angemeldet. Hänni kandidierte zusätzlich als Gemeindeammann und Näf neu als Vizeammann.

Zusammen mit dem noch amtierenden Gemeindeammann Ueli Graf und der Verwaltung machten die Verantwortlichen der Bevölkerung in einem emotionalen Text klar, dass die Exekutive in einer Zweierbesetzung nicht beschlussfähig sei und eine teure Sachwalterschaft drohe. Die deutlichen Worte haben offenbar gewirkt.

Zwei Behördensitze sind noch vakant

Am Sonntag schafften nun vier Personen das absolute Mehr von 95 Stimmen und somit die Wahl in die Exekutive. Auch wenn noch je ein Sitz im Gemeinderat und in der Finanzkommission vakant sind, steht bereits fest, dass es nicht zu einer Sachwalterschaft kommen wird.

Ueli Graf ist bis Ende 2021 Gemeindeammann von Mülligen.

Ueli Graf ist bis Ende 2021 Gemeindeammann von Mülligen.

Britta Gut

Noch Gemeindeammann Ueli Graf spricht von einer «gewissen Erleichterung». Der 73-Jährige hat sich entschieden, Ende Jahr sein Amt abzugeben. Er hofft, dass die bisherigen und neuen Gemeinderäte gut zusammenarbeiten werden. Die freien Gemeinderatssitze seien auch in den Vereinen diskutiert worden, doch viele junge Leute, die sich beispielsweise im Turnverein engagieren, wohnen gar nicht mehr in Mülligen und können deshalb nicht kandidieren, fügt Ueli Graf an.

Bisherige Gemeinderäte erzielen Spitzenresultate

Die Diskussion im Schützenverein war fruchtbar. Im Gespräch mit Vorstandsmitglied Fernand Rüegg sei er zum Schluss gekommen, gegen die drohende Fremdbestimmung durch einen Sachwalter aktiv zu werden, erzählt Markus Kämpfer, der mit 99 Stimmen in den Gemeinderat gewählt wurde. Rüegg stellte sich für die Finanzkommission zur Verfügung und wurde ebenfalls gewählt.

Daniela Hardmeier ist neu Gemeinderätin von Mülligen.

Daniela Hardmeier ist neu Gemeinderätin von Mülligen.

zvg

Auf der Suche nach weiteren Gemeinderatsmitgliedern ist Rüegg in der Nachbarschaft bei Daniela Hardmeier auf Zustimmung gestossen. Da die offizielle Anmeldefrist schon abgelaufen war und der Wahlsonntag näher rückte, haben die drei neuen Kandidierenden selber Flugblätter entworfen.

Der pensionierte Oberstufenlehrer Markus Kämpfer hat sie redigiert, wie er der AZ am Telefon erzählt. Die Landfrauen, bei denen die 44-jährige Hardmeier engagiert ist, haben die zusammengehefteten Flugblätter danach in die Briefkästen in Mülligen verteilt.

Vizeammann Stefan Hänni ist ab 2022 Gemeindeammann.

Vizeammann Stefan Hänni ist ab 2022 Gemeindeammann.

Ina Wiedenmann

Mit einem Spitzenresultat für eine weitere Amtsperiode gewählt wurden die beiden bisherigen Stefan Hänni (266 Stimmen) und Franziska Näf (270). Daniela Hardmeier konnte 105 Stimmen auf sich vereinigen. Vereinzelt gültige Stimmen gingen 204 ein. Die Stimmbeteiligung lag bei 43,8%.

Bei einem absoluten Mehr von 133 Stimmen wurde Stefan Hänni mit 240 Stimmen ebenfalls glanzvoll zum neuen Gemeindeammann und somit Nachfolger von Ueli Graf gewählt. Franziska Näf ist mit 243 Stimmen (absolutes Mehr 129) neu zur Frau Vizeammann und Nachfolgerin von Hänni erkoren worden.

Markus Kämpfer bringt Kommissionserfahrung mit

Markus Kämpfer hat die Wahl in den Gemeinderat geschafft.

Markus Kämpfer hat die Wahl in den Gemeinderat geschafft.

zvg

Noch bis am 1. Oktober ist der 67-jährige Markus Kämpfer als Lehrerstellvertreter im Einsatz, aktuell an einer Primarschule. Der gebürtige Solothurner lebt seit 2012 in Mülligen, weil er damals eine Stelle in Baden innehatte. Er bringt einige Kommissionserfahrung mit. Daniela Hardmeier war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Am 6. Oktober läuft die Anmeldefrist für den zweiten Wahlgang ab. Gibt es nicht mehr Kandidierende als freie Sitze, sind stille Wahlen möglich.

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