Brugg
Geringerer Stellenabbau als befürchtet: Für traditionsreiche Kabelfabrik zahlt sich Fitnesskur aus

Traditionsreiche Brugg Kabel AG startet gut aufgestellt in die Zukunft und muss weit weniger Stellen abbauen, als ursprünglich befürchtet.

Michael Hunziker
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Die Brugg Kabel AG hat die Produktivität – dank abgeschlossener Restrukturierung – bereits im Jahr 2019 merklich steigern können.

Die Brugg Kabel AG hat die Produktivität – dank abgeschlossener Restrukturierung – bereits im Jahr 2019 merklich steigern können.

mhu (9. Mai 2016

Arg durchgeschüttelt worden ist die Brugg Kabel AG in den letzten Jahren. Der weltweite, knallharte Konkurrenzkampf sowie der massive Preisdruck setzten dem Traditionsunternehmen zu, die Kabelproduktion am Hauptsitz in Brugg gestaltete sich je länger je schwieriger.

Im Januar 2019 wurde deshalb das Programm «ChangeToFit» lanciert – eine Fitnesskur mit dem Ziel, die Kosten optimieren und die Organisation anpassen zu können. 56 Stellen mussten abgebaut werden. Schliesslich entschied die Gruppe Brugg, die Kabelsparte zu verkaufen. Der italienische Energieversorger Terna übernahm die Mehrheit der Gesellschaftsanteile. Im Dezember des letzten Jahres wurden die Verträge unterzeichnet – die Rede war von einem strategischen Wunschpartner –, auf Anfang März ist die Übernahme vollzogen worden.

Mitarbeiter sind froh, dass unsichere Zeiten vorbei sind

Nach einer schwierigen und mitunter turbulenten Phase kann die Brugg Kabel AG nun mit erfreulichen Neuigkeiten aufwarten. «Der ehemals angekündigte Abbau von 180 Stellen musste dank der neuen Eigentümer nicht vollzogen werden», hält das Unternehmen in einer Medienmitteilung fest. «Die Kabelfabrik wird wieder mit einer Volllaststrategie betrieben mit Aufträgen aus der Schweiz und dem Ausland. Es sind keine weiteren Entlassungen geplant.»

Im Jahr 1896 gegründet

Die 1896 gegründete Kabelfabrik tritt heute unter dem Namen Brugg Cables auf und gehört zu den führenden Kabelherstellern der Schweiz. International tätig ist das Unternehmen im Systemgeschäft mit Hoch-, Mittel- und Niederspannungskabeln sowie -garnituren. Seit 1. März gehört Brugg Cables zum italienischen Energieversorger Terna. Eine Minderheitsbeteiligung wird weiterhin von der Gruppe Brugg gehalten. Diese besteht aus den Geschäftsbereichen Seiltechnik, Rohrsysteme, Mess- und Leittechnik, Immobilen sowie eConnect. Rund 1500 Mitarbeitende sind für die verschiedenen Divisionen beziehungsweise Gesellschaften tätig. (mhu)

Ende Februar dieses Jahres beschäftigt die Brugg Kabel AG am Standort Brugg 261 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Diese seien beruhigt, dass die unsicheren Zeiten vorbei sind und mit Terna ein langfristig denkender Partner gefunden wurde. Der neue Besitzer glaube an das Geschäft, sei fähig die Auslastung der Produktionsanlagen zu optimieren und sei willig, in neue Technologien und neue Anlagen zu investieren. Der Blick in die Zukunft sei optimistisch. Die Kunden ihrerseits seien froh, dass die Produkte weiterhin verfügbar seien.

Wichtige Projekte im Ausland hinzugewonnen

Bereits im 2019 habe durch die «ChangeToFit»-Strategie die Produktivität merklich gesteigert werden können, führt die Brugg Kabel AG in der Medienmitteilung weiter aus. «Im Schweizer Markt konnte die Marktposition gehalten und im Ausland, insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in China, konnten strategisch wichtige Projekte hinzugewonnen werden.» Anders gesagt: Die Brugg Kabel AG habe sich trotz widrigem Marktumfeld gut behauptet. «Dank der abgeschlossenen Restrukturierung und einem erfolgreichen Marktausbau zeigt sich bei der Gewinnspanne eine deutliche Verbesserung.»

Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen auf Nachfrage zwar nicht. Nur soviel: Es sei gelungen, sowohl Umsatz wie auch Margen zu steigern. «Zusammen mit tieferen Fixkosten führte das im Vergleich zu den Vorjahren zu einem deutlich besseren Ergebnis.»

Der Wandel vom reinen Kabelproduzenten zum vielseitigen System- und Lösungsanbieter wird auch im 124. Firmenjahr unter dem neuen Besitzer konsequent weitergeführt, betont das Unternehmen. Die Brugg Kabel AG konzentriere sich dabei verstärkt auf den Vollservice rund um die Entwicklung, Planung, Lieferung, Herstellung und den Unterhalt von Kabelsystemen samt dem darauf zugeschnittenen Zubehör. Die Brugg Kabel AG ist übrigens als einer der weltweit wenigen Kabelhersteller in der Lage, Kabelsysteme und Zubehör für die momentan höchste Spannungsebene von 550 Kilovolt herzustellen. Ein besonderer Fokus gelegt werde künftig überdies auf Weiterbildungen durch die Brugg Cables Academy.

Schweizer Markt kommt grosse Bedeutung zu

Im Zuge der Energiewende sei weiterhin mit grossen Investitionen in die Energieübertragungsbranche zu rechnen, stellt das Unternehmen fest. Dank Terna «werden sich der Brugg Kabel AG zusätzliche Möglichkeiten in Bezug auf Innovationen bieten, zumal der neue Hauptaktionär stark auf nachhaltige Technologien setzt».

Eine grosse Bedeutung kommt gemäss Samuel Ansorge, CEO der Brugg Kabel AG, auch dem Markt Schweiz zu, wo gemeinsam mit den Energieversorgern Zukunftslösungen entwickelt werden. Als Beispiel erwähnt Ansorge die Teilverkabelung am «Gäbihübel» bei Bözberg/Riniken. Erstmals in der Schweiz ist eine 380-Kilovolt-Stromleitung in den Boden verlegt worden. Als Lieferant von unterirdischen Kabeln will die Brugg Kabel AG einen entscheidenden Beitrag leisten «zur modernen elektrischen Energieübertragung, der vermehrt die Aspekte des Landschafts- und Umweltschutzes mitberücksichtigt».