Bezirksgericht Brugg
Gerichtspräsidentin erteilt Einbrechern Lebenstipps: «Werden Sie erwachsen und bleiben Sie es»

Zwei Lehrlinge wurden schuldig gesprochen, erhielten aber auch ein paar Lebenstipps mit auf den Weg.

Dieter Minder
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Der Einbruch ins Einfamilienhaus gelingt Mehmet, Yldirim und einem weiteren Jugendlichen nicht, weil der Nachbar die Polizei alarmiert (Symbolbild). KEY

Der Einbruch ins Einfamilienhaus gelingt Mehmet, Yldirim und einem weiteren Jugendlichen nicht, weil der Nachbar die Polizei alarmiert (Symbolbild). KEY

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«Ich möchte mich entschuldigen, so etwas wird nie wieder vorkommen», sagte Mehmet (Name geändert) als Schlusswort der Gerichtsverhandlung. Sein Mittäter Yldirim (Name geändert) verwendete fast dieselben Worte: «Ich möchte mich aufrecht entschuldigen, ich bin nach der Tat lange nicht damit klargekommen, dass ich andere Leute enttäuscht habe.» Die beiden hatten sich vor dem Bezirksgericht Brugg für ihre Einbruchsversuche in Windisch zu verantworten.

Auf die Eingangsfrage von Gerichtspräsidentin Franziska Roth: «Was haben Sie sich dabei gedacht?», kam ein eher unbeholfenes «Ich-weiss-selber-nicht-recht». Die beiden 19-jährigen Täter, die, wie sie übereinstimmend zugaben, «Geld und Sandwiches wollten», hatten versucht, in Windisch in ein Sportzentrum und ein Einfamilienhaus einzubrechen. Der dritte Täter steht noch unter Jugendstrafrecht.

Die Beschuldigten planten und versuchten in einer April-Nacht die Einbrüche in Windisch, wie es in der Anklageschrift heisst. Yldirim wählte das Einfamilienhaus aus, weil dessen Bewohner in den Ferien waren. Via Whatsapp vereinbarten sie am späten Abend noch Details zu den geplanten Einbrüchen. So schrieb Mehmet an Yldirim, er solle noch schauen, ob sie zu Hause seien. Yldirim antwortete, dass alle weg seien und er unbedingt eine Schere oder eine Schneidzange mitnehmen müsse.

Alarm schlägt sie in die Flucht

Kurz nach Mitternacht trafen sie sich in einer Windischer Schulanlage, um von dort gemeinsam zur Sportanlage zu gehen. Sie hoben das Metalltor vor dem Kiosk und hebelten ein Fenster auf. Als sie das Gebäudeinnere betreten konnten, wurde der akustische Alarm ausgelöst, die drei flohen.

Rund zwei Stunden später gingen sie in das vorher ausgekundschaftete Einfamilienhaus. Zuerst schlichen sie in die Tiefgarage, Yldirim schraubte die Sicherung des Hauses heraus, um eine Alarmanlage auszuschalten. Dann versuchten sie, mit einem Schraubenzieher und einer Gartenschaufel ein Fenster aufzubrechen. Dabei trugen sie Handschuhe, die sie auf dem Weg zum Einbruch gefunden haben wollen. Ein Nachbar beobachtete die Tat und alarmierte die Polizei. Mehmet wurde am Tatort verhaftet. Der Jugendliche und Yldirim flohen in Richtung Mülligen. Der Jugendliche konnte darauf zu Hause, Yldirim am kommenden Nachmittag ebenfalls an seinem Wohnort verhaftet werden.

Beiden Tätern ist gemeinsam, dass sie über geringe finanzielle Mittel verfügen. Mehmet absolviert eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Weil er zu Hause Probleme hatte, lebt er heute nicht mehr bei seinen Eltern.

Weitere Vergehen geahndet

Yldirim wurden noch drei weitere Vergehen zur Last gelegt: das Entwenden eines Velos, den Besitz von Tierpornografie auf dem Handy und das Fahren eines Autos ohne Führerausweis. Für die beiden ersten wurde er verurteilt, für das Lenken des Autos nicht, weil dies auf Privatgrund passiert sei. Ans Steuer hatte er sich jeweils im Einverständnis mit der Mutter gesetzt, die ihren Sohn dabei filmte.

Nach rund eineinhalbstündigen Beratungen war der Fall klar: «Das Gericht ist der Auffassung, dass Sie eine sehr grosse Dummheit begangen haben. Deshalb haben wir die Probezeiten auf fünf Jahre verlängert», sagte Gerichtspräsidentin Franziska Roth bei der Urteilsverkündung. Sie forderte die beiden auf: «Werden Sie in dieser Zeit erwachsen und bleiben Sie es.» Beide wurden im Sinne der Anklage schuldig gesprochen.

Die Geldstrafen von 300 Tagessätzen wurden auf das Minimum von 10 Franken reduziert, weil beide noch in Ausbildung sind und über geringe Finanzmittel verfügen. Weiter wurden Bussen von 600 beziehungsweise 660 Franken verhängt. Dem geschädigten Besitzer des Sportzentrums wurde ein Schadenersatz von 300 Franken zugesprochen, dem Einfamilienhausbesitzer eine Genugtuung von 500 Franken.

Mehmet gab Roth noch einen besonderen Gedanken mit auf den Lebensweg: «Sie sind Sozialhilfebezüger und wollten bei den Leuten Geld stehlen, die mit ihrer Arbeit die Sozialhilfe finanzieren.»