Bezirksgericht Brugg
Gericht verlangt Gutachten im Fall des Schinznacher Güllenwassers

1000 Franken Busse und Gebühren von 1400 Franken hätte der Bauer bezahlen müssen, der beschuldigt wird, die Trinkwasserverunreinigung vom 30.April 2011 in Schinznach-Dorf mit Gülle verursacht zu haben.

Toni Widmer
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Er hat den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach weitergezogen. Denn für ihn steht viel auf dem Spiel. Da ist eine Schadenersatzforderung über 17000 Franken von der Gemeinde Schinznach-Dorf. Und da ist - weitaus folgenschwerer - der drohende Verlust von Direktzahlungen des Bundes. Das könnte unter Umständen die Existenz des 26-jährigen Bauern gefährden, der den Hof erst vor wenigen Jahren übernommen hat. Von den Eltern notabene, die laut seinen Beteuerungen «schon immer» auf dem fraglichen Grundstück Hofdünger ausgebracht haben.
16000 Liter Gülle habe er am Freitag, 29.Mai 2011 dort in der Schutzzone III verteilt, bestätigte er laut einem Bericht von Tele M1 gestern an einer Verhandlung vor Ort der Brugger Bezirksrichterin Franziska Roth.
«Angesichts des damaligen trockenen Wetters war das eine durchaus vertretbare Menge», fand ein Gutachter vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Zumal es sich um dicke Wintergülle gehandelt habe, die nicht so rasch im Boden versickern könne.
Untersuchungen angezweifelt
Nach Ansicht der Untersuchungsbehörden ist die Gülle dennoch sofort versickert und 20 Stunden später im Trinkwasser-Reservoir in Schinznach-Dorf angekommen. Zu diesem Schluss gekommen ist man aufgrund von geologischen Abklärungen, die 1987 zur Ausscheidung von Schutzzonen in diesem Gebiet führten.
Weil die damaligen Färbversuche mit viel Wasser durchgeführt worden sind, es im Frühling 2011 aber sehr trocken war, wurde diese These vom Verteidiger in Abrede gestellt. Die Schuld seines Mandanten, erklärte er, sei keineswegs schlüssig erwiesen. Das fand auch das Gericht. Das Urteil wurde ausgesetzt. Ein neues Gutachten soll Klärung bringen.