Brugg
Geplante Strombojen in der Aare bei Brugg wecken Ängste bei Fischern

Die Fischer machen sich Sorgen, dass durch die geplanten Strömungsturbinen in der Aare bei Brugg wertvolle Laichplätze im Wasserschloss gefährdet werden und die Fischbestände zurückgehen. Der Energieversorger IBB will das Gespräch suchen.

Michael Hunziker
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Projektleiter Philippe Ramuz zeigt auf dem Aaresteg das Modell einer Stromboje im Massstab 1:10.

Projektleiter Philippe Ramuz zeigt auf dem Aaresteg das Modell einer Stromboje im Massstab 1:10.

Michael Hunziker

Das Projekt «Wasserschloss Strombojen» hat – im wahrsten Sinne – hohe Wellen geworfen in Brugg. Zur Erinnerung: Der Energieversorger IBB möchte mit sechs Strömungsturbinen in der Aare zwischen Casinobrücke und Aaresteg für rund 425 Haushalte Strom produzieren.

Überrascht zeigen sich die Fischer. Zwar seien sie vor zwei Jahren anlässlich der Gewerbeausstellung Expo Brugg-Windisch von der IBB zu einer Vorstellung dieser Technik eingeladen worden. Dass das Vorhaben jetzt konkrete Formen annehme, hätten sie allerdings aus den Medien erfahren.

Sie äussern sich skeptisch, denn: «Für die Privatfischenz-Eigentümer sind derzeit die Auswirkungen der Strombojen auf den Gewässerlebensraum noch zu wenig bekannt», sagt stellvertretend Heinz Schatzmann aus Windisch. «Wir machen uns Sorgen, dass die Rotoren die Fische verletzen oder gar töten könnten.» Ausserdem haben die Fischer Bedenken, die Bojen könnten die Strömungsverhältnisse in der Aare verändern und so die wertvollen Laichplätze im Wasserschloss gefährden. Und: «Durch die dauerhaften Immissionen der laufenden Turbinen werden die Fische lokal gestört, wandern ab und verlieren damit ihre Laichplätze», fährt Schatzmann fort. «Als Folge ist ein weiterer Fischrückgang zu befürchten.»

Fischer prüfen weitere Schritte

Der Windischer weist darauf hin, dass der Abschnitt zwischen Umiken und Stilli noch der einzige grössere freifliessende Gewässerabschnitt der Aare unterhalb des Bielersees bis zur Mündung in den Rhein ist. «In diesem Teil wechseln die Strömungsgeschwindigkeiten, das Wasser hat noch die erforderliche Kraft das Flussbett zu gestalten und Laichplätze zu schaffen und zu erhalten.»

Durch die Montage der Strombojen könne der Flussabschnitt von der Casinobrücke bis zum Aaresteg von den Fischern nicht mehr im gleichen Umfang genutzt werden wie heute, ist sich Schatzmann sicher. «Die Fischerei vom Boot oder Ufer aus, mit den gesetzlich erlaubten Fangmethoden, wird eingeschränkt und diese Flussstrecke würde für Fischer unattraktiv.»

Weil es sich bei der Privatfischenz um ein im Grundbuch eingetragenes Recht handelt, gehen die Fischer davon aus, «dass uns im Rahmen eines Konzessionsverfahrens rechtliches Gehör gewährt wird. Dann werden wir das Projekt prüfen und über allfällige weitere Schritte entscheiden.»

IBB: Keine Geheimnisse

Erneuerbare Energie – rund um die Uhr, im Sommer und im Winter: Für die IBB liegen die Vorteile der Strombojen auf der Hand. Ängste und Bedenken würden aber sehr ernst genommen, betont Philippe Ramuz, Projektleiter und Geschäftsleiter Netz-Dienstleistungen bei der IBB. Schliesslich sei für die Montage an der Flusssohle ein – wenn auch minimaler – Eingriff in die Natur im sensiblen Gebiet im Wasserschloss nötig. Es entstehe ein zusätzliches Hindernis in der Aare. Mit den verschiedenen Interessengruppen und Nutzern – Wassersportlern, Bootführern oder Fischern – werde deshalb das Gespräch gesucht. Allfällige Probleme würden erörtert und Lösungen gesucht. «Wir wollen die unterschiedlichen Meinungen abholen», stellt Ramuz fest und ergänzt, dass die IBB mit offenen Karten spiele. «Wir haben keine Geheimnisse.»

Überdies arbeite die IBB mit externen Fachspezialisten, unter anderem einem namhaften Ingenieurbüro zusammen. Der Projektleiter erwähnt, dass in Österreich, wo die Strömungsturbine erfunden wurde und Prototypen seit mehreren Jahren in der Donau getestet werden, viele Untersuchungen durchgeführt und Studien erstellt wurden zu Betrieb, Sicherheit und Umweltaspekten.

Abgeklärt worden sei auch, welche Gefahr von den Rotoren für die Fische ausgehe. Das Ergebnis: Die Tiere bleiben – sollten sie überhaupt direkt durch die Turbine schwimmen – unbeschadet. Der Grund liegt laut Ramuz darin, dass die Rotoren relativ langsam drehen, nämlich nur zweimal pro Sekunde. Bei einer Fliessgeschwindigkeit des Wassers in der Stromboje von 4 Metern pro Sekunde sei das Risiko also klein, dass die Tiere einen Flügel berühren und verletzt werden. «Zwischen den einzelnen Rotor-Umdrehungen gelangt viel Wasser durch die Turbine.»

Umfangreiche Abklärungen

Ramuz macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass der Fluss im Abschnitt zwischen Casinobrücke und Aaresteg rund 70 Meter breit und relativ tief ist. «Über 90 Prozent des Wassers fliessen so oder so frei neben den Strombojen vorbei. Für die Fische wie auch für andere Nutzer bleibt reichlich Platz.»

Weil es sich bei den Strombojen – anders als bei einem herkömmlichen Wasserkraftwerk – um eine neue Technik handle, seien noch nicht alle Rahmenbedingungen klar, fügt Ramuz an. Für die IBB gehe es in einem nächsten Schritt darum, mit den zuständigen kantonalen Stellen die erforderlichen, umfangreichen Abklärungen zu tätigen. Sobald alle Details definitiv bereinigt seien, könne für das Projekt «Wasserschloss Strombojen» das Konzessionsverfahren mit der öffentlichen Auflage eingeleitet werden.