Bald wird es in Brugg ein wenig stiller sein. Denn der Gemischte Chor Lauffohr löst sich auf. Grund dafür sind der stetige Mitgliederschwund und der Mangel an Nachwuchs. Der Aufbau einer Website und eine aktive Mundpropaganda haben keine Neuzugänge gebracht. Zurzeit besteht der Chor aus 12 Mitgliedern. Zwei haben ihren Austritt angekündigt, wodurch die beiden Männerstimmen wegfallen. Jetzt soll die nächste Generalversammlung am 22. Februar die letzte sein. Dieser Beschluss fiel bereits vor einem Jahr, weswegen 2017 darauf verzichtet wurde, das 75-jährige Bestehen zu feiern.

Dass es den Verein schon so lange gibt, ist nicht selbstverständlich. Schliesslich ist die Vorgeschichte ziemlich stürmisch. Sie begann 1928, als mit 30 Herren ein Männerchor gebildet wurde, der zwei Jahre später bereits auseinanderbrach. 1932 wurde ein neuer Versuch gestartet, indem sich 28 Männer und Frauen zu einem gemischten Chor zusammenschlossen. Aber wegen Unstimmigkeiten erlitt auch dieser nach vier Jahren Schiffbruch. Doch alle guten Dinge sind drei, und so führte der Anlauf 1942 zum Erfolg. Seither konnte der Gemischte Chor Lauffohr mit seinem Gesang zahlreiche Zuhörer erfreuen. «Die Auflösung des Chors schmälert das Kulturangebot in Lauffohr», sagt denn auch Präsidentin Marianne Zeltner. Viele Senioren wurden an ihrem 80., 85. oder 90. Geburtstag jeweils mit einem Ständchen überrascht. An Ostern, Muttertag, Erntedankfest und in der Adventszeit sorgte der Gemischte Chor Lauffohr für die musikalische Untermalung der Gottesdienste. Und auch am Bettag in der Kirche Rein trat er mit den Vereinigten Gemischten Chören von Remigen, Stilli und Villigen jedes Jahr auf.

Einmal pro Woche, am Donnerstagabend, trafen sich die Frauen und Männer in der Aula im Schulhaus Langmatt in Lauffohr, um zu proben. Das Repertoire umfasste Volkslieder, hauptsächlich deutschsprachige, hin und wieder aber auch italienische, französische und spanische.

Trauerstimmung herrsche bei den Chormitgliedern jedoch nicht, erzählt Marianne Zeltner. Denn das Durchschnittsalter liege bei 75 Jahren, die Kräfte seien nicht mehr unbegrenzt. Viele halten dem Chor lange die Treue, der Grossteil zwischen 15 und 50 Jahren, eine Sängerin sogar über 60 Jahre. Die Präsidentin hat ihr Amt seit 25 Jahren inne und die Dirigentin Ruth Bischofberger schwingt seit 1976 den Taktstock. Auch im Vorstand herrscht Konstanz, der letzte Wechsel fand vor zehn Jahren statt.

Darauf, einem anderen Chor beizutreten, verzichten die meisten Mitglieder. Stattdessen wollen sie den Kontakt untereinander weiter pflegen. Sie werden sich künftig einmal im Monat in einem Café treffen und planen, zusammen Tagesreisen zu unternehmen sowie einen Chlaushock abzuhalten.