Windisch

Gemeinschaftsbüro gegen Pendlerstress: Der Arbeitsplatz kommt zum Wohnort

Genossenschaft VillageOffice eröffnet ersten eigenen Standort auf dem ehemaligen Spinnereigelände. 15 Arbeitsplätze stehen hier für Privatpersonen, Startups und Unternehmen bereit.

Edles Holz, dazwischen ein dezentes Grün und als Farbtupfer ein kräftiges Rot, viel Licht, dekorative Pflanzen, bequeme Sessel und – vor allem – praktische, moderne Arbeitsplätze: In Unterwindisch ist ein Raum entstanden, der gemeinschaftlich genutzt werden kann.

Im gleichen Büro und ganz in der Nähe ihres Wohnorts, so das Ziel, sollen Menschen aus unterschiedlichen Firmen und Branchen tätig sein. Zur Verfügung gestellt werden – unabhängig vom jeweiligen Arbeitgeber und ausgelagert aus dem klassischen Betrieb – die Infrastruktur vom Telefon über das drahtlose Netzwerk und den Drucker bis zur Kaffeemaschine.

«Coworking» heisst dieses Modell, abgeleitet aus dem Englischen «zusammen arbeiten». Ihren ersten sogenannten Coworking-Space hat die schweizweit aktive Genossenschaft VillageOffice zusammen mit der Eigentümerin Hiag Immobilien auf dem ehemaligen Spinnereigelände eröffnet.

So lässt es sich arbeiten: Erste Eindrücke vom «VillageOffice» in Windisch.

So lässt es sich arbeiten: Erste Eindrücke vom «VillageOffice» in Windisch.

Der Coworking-Space werde hochwertig ausgebaut, betonten die Partner im Vorfeld. Davon, dass sie nicht zuviel versprochen haben, konnten sich gestern am späteren Mittwochnachmittag die rund 40 Gäste überzeugen – unter ihnen Genossenschafter und Nachbarn.

Der Pendlerverkehr nimmt ab

15 Arbeitsplätze sind auf rund 100 Quadratmetern bereit. Das Angebot richtet sich laut VillageOffice an Privatpersonen, Startups sowie Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit bieten wollen, die Homeoffice-Tage in einem professionellen Arbeitsumfeld nahe ihres Wohnorts zu verbringen.

Für die Genossenschaft liegen die Vorteile auf der Hand: Das ständige Pendeln entfällt, die Umwelt und die Gesellschaft profitieren, die Lebensqualität steigt. Überdies entstehen, durch den gegenseitigen Austausch, neue Vernetzungsmöglichkeiten.

Die Arbeitsplätze sind unterteilt, es gibt sowohl einen abgetrennten Bereich als auch Begegnungszonen. Erhältlich sind verschiedene Abonnemente. Wird ein Arbeitsplatz beispielsweise vier halbe Tage pro Monat gemietet, beläuft sich der Preis auf 70 Franken pro Monat, 8 Tage schlagen mit 180 Franken zu Buche, eine unbeschränkte Nutzung mit 350 Franken.

Bereits konnten fünf Abonnemente verkauft werden, weitere Interessierte haben sich ebenfalls gemeldet, freute sich Emilie Etesi, die als Local Host für den VillageOffice-Standort zuständig ist. Grundsätzlich geöffnet sei der Coworking-Space, fügte sie an, von 7 bis 19 Uhr, die Zeiten sollen aber an die unterschiedlichen Bedürfnisse angepasst werden. «Wir sind recht flexibel.»

Von perfekten Voraussetzungen und einer perfekten Ergänzung für das Kunzareal sprachen sowohl Emilie Etesi als auch Alex Römer, Arealentwickler bei den Hiag Immobilien. Denn das Quartier sei schon heute besiedelt von Ateliers, Büros und kleineren Betrieben. Er hoffe auf eine weitere Belebung des Areals, sagte Römer.

Begeistert von der Idee waren ebenfalls die Verantwortlichen des Förderfonds Engagement Migros, die das Projekt unterstützen. «Wir wollen nachhaltiges Mobilitätsverhalten fördern», sagte Leila Hauri-Stieger von Engagement Migros.

Veränderungen stehen bevor

David Brühlmeier, Mitgründer von VillageOffice, wies auf den derzeitigen Wandel hin, wie er in dieser Grössenordnung das letzte Mal vor rund 100 oder 150 Jahren stattfand – beim Übergang von der Agrar- in die Industriegesellschaft. Wiederum getrieben durch die Technologie, heissen die aktuellen Stichworte Internet und Vernetzung. Einige Veränderungen hätten bereits stattgefunden, die grossen aber, führte Brühlmeier aus, stehen noch an. «Alle Aspekte unseres Lebens werden sich verändern, natürlich auch die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten.»

Er stellte die Frage in den Raum, ob Pendeln noch zeitgemäss sei und hob hervor, dass es sinnvolle Alternativen brauche. VillageOffice hat die Absicht, in den nächsten Jahren schweizweit ein engmaschiges Netzwerk an Coworking-Spaces aufzubauen.
Laut Emilie Etesi sollen die Erkenntnisse aus Windisch auf die übrigen VillageOffice-Standorte übertragen werden.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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