Schinznach-Bad

Gemeindeschreiber von Schinznach-Bad: «Ich bin froh, dass ich gehen kann»

Der 63-jährige Gemeindeschreiber, Hansueli Dürsteler, freut sich auf die Frühpensionierung Ende April. Emanuel Freudiger

Der 63-jährige Gemeindeschreiber, Hansueli Dürsteler, freut sich auf die Frühpensionierung Ende April. Emanuel Freudiger

Hansueli Dürsteler, der Gemeindeschreiber von Schinznach-Bad, geht nach 22-jähriger Tätigkeit in Pension. Wenn er jetzt in den Ruhestand geht, ist das wörtlich zu nehmen. «Zuerst will ich gar nichts machen», sagt er.

Gemeindeschreiber Hansueli Dürsteler wirkt entspannt. In der Gemeindeverwaltung in Schinznach-Bad hat er sein Büro bereits seiner Nachfolgerin, Nicole Seiler, überlassen. Ende April lässt er sich – nach genau 22 Jahren – frühpensionieren. Am langen Tisch im Gemeinderatssitzungszimmer hat er sich seinen letzten Arbeitsplatz eingerichtet.

Hatte er beim Stellenantritt damit gerechnet, solange in Schinznach-Bad tätig zu sein? «Grundsätzlich schon», sagt Dürsteler. «Ich arbeitete zuvor in Scherz während 13 Jahren als Zentralverwalter.»

In Scherz lebt er heute noch, aber berufsmässig wollte er sich von einem Teil der Finanz- und Steueraufgaben lösen und fand im benachbarten Schinznach-Bad die passende Gemeindeschreiber-Stelle.

Lehre in Birr absolviert

Die Verwaltungslehre machte Dürsteler Ende der 60er-Jahre auf der Gemeindeverwaltung in Birr. «Ich war der erste Lehrling von Gemeindeschreiber Reinhard Gloor», sagt er und lacht. Diese Zeit prägte den jungen Verwaltungsangestellten.

«Birr wuchs rasant. In der Wyde entstanden innert wenigen Jahren 500 neue Wohnungen.» Dürsteler leistete bereits in der Lehre regelmässig Überstunden.

Dann folgten Rekruten- und Unteroffiziersschule. Zwischen 1972 und 1978 machte der Gemeindeschreiber einen Abstecher in die Privatwirtschaft, bevor er sich in Scherz niederliess.

«Ich habe mich immer als Generalist verstanden», sagt Dürsteler und ergänzt: «Heute ist das nicht mehr unbedingt gefragt. Man ist nicht mehr Gemeindeschreiber, sondern mutiert zum Verwaltungsleiter, zum Spezialisten.»

Schinznach-Bad zählt rund 1200 Einwohner. Die Gemeinde sei zwar klein, aber der Charakter eines eigentlichen Dorfes mit einem Zentrum fehle, so Dürsteler. Der Ort habe sich eher zu einer typischen Vorortsgemeinde – mit allen Vor- und Nachteilen – entwickelt.

«Die Fluktuation in der Bevölkerung ist hoch.» In den Mehrfamilienhäusern entlang der Kantonsstrasse wird günstiger Wohnraum angeboten und der Ausländeranteil ist mit 28 Prozent eher hoch. «Das Dorf besteht vor allem aus Quartieren, wo sich auch mehrheitlich das Dorfleben abspielt, sowie dem Thermalbad-Gebiet», stellt Dürsteler fest.

Fusion noch nicht vom Tisch

Die Gemeinde habe sich in der Vergangenheit zweimal als fusionswilliger Partner bewiesen. «Das erste Mal scheiterte das Projekt an der Gemeinde Veltheim, das zweite Mal an Villnachern. An der Kleinfusion mit Schinznach-Dorf und Oberflachs bekundete Schinznach-Bad kein Interesse mehr», sagt Dürsteler.

Das Thema Fusion sei trotzdem noch nicht vom Tisch. Aber es stelle sich die Frage nach dem geeigneten Fusionspartner. Denn: Historisch gehört Schinznach-Bad zum Eigenamt, am meisten Beziehungen pflegt die Gemeinde – bedingt durch Oberstufe, Altersheim und Spitex – zum Schenkenbergertal, der Nachbar im Norden ist die Stadt Brugg und im Süden Holderbank.

«Diese Ausgangslage ist für Schinznach-Bad schwierig», so der Gemeindeschreiber. Persönlich kann sich Dürsteler längerfristig nur ein Zusammengehen mit der Stadt Brugg vorstellen. «Bei einer Fusion machen der Steuerfuss und das Emotionale den grössten Teil aus.»

Freut sich auf den Ruhestand

Angesprochen auf seine Stimmungslage zum Abschluss seiner beruflichen Tätigkeit sagt der 63-Jährige: «Ich bin froh, dass ich gehen kann.» Diese klaren Worte deuten aber nicht etwa auf Unstimmigkeiten mit dem Gemeinderat hin. Im Gegenteil.

Mit der Exekutive hatte der Gemeindeschreiber immer ein gutes Verhältnis. Vielmehr hat ihn die zunehmende Anspruchsmentalität von Sozialhilfebezügern teilweise belastet. «Ich kam einst als Gemeindeschreiber hierher, heute bin ich Sozialarbeiter. Das ist eine persönliche Belastung für mich. Nicht die Arbeit an sich, aber die ganze Entwicklung beschäftigt mich», sagt Dürsteler.

Zählt man die 13 Jahre in Scherz und die 22 Jahre in Schinznach-Bad zusammen, so blickt Dürsteler auf 35 Jahre Verwaltungstätigkeit zurück. Wenn er jetzt in den Ruhestand geht, ist das wörtlich zu nehmen. «Zuerst will ich gar nichts machen», sagt er.

Morgen Freitag um 18 Uhr wird Hansueli Dürsteler bei einem Umtrunk von der Gemeinde offiziell verabschiedet.

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